FIFA düpiert Bolivien – keine Spiele mehr über 2500 m
von Benjamin KierschJoseph Blatter dürfte ab heute – kurz hinter George Bush – der am wenigsten beliebte Gringo in Bolivien sein. Gestern teilte der FIFA-Chef die Entscheidung des Weltfußballverbands mit, dass künftig keine internationalen Spiele mehr in Stadien ausgetragen werden dürfen, die oberhalb von 2500 m liegen. Ein harter Schlag für Bolivien, denn damit sind fünf der großen Stadien des Landes für FIFA-Partien tabu: La Paz (3640 m), Cochabamba (2550 m), Oruro (3079 m), Sucre (2790 m) und Potosí (4070 m). Allein in Santa Cruz darf noch gespielt werden. Bolivien ist am stärksten von der FIFA-Entscheidung betroffen, doch auch in Ecuador – dessen Hauptstadt Quito auf 2850 m liegt -, Peru, Kolumbien – Bogotá liegt auf 2640 m – und Venezuela gibt es Stadien oberhalb von 2500 m.
Blatter erklärte, dass die Entscheidung aufgrund von sportärztlichen Empfehlungen getroffen wurde, um die Gesundheit von Spielern nicht zu gefährden, und um die Wettbewerbsverzerrungen zu eliminieren, die sich ergäben, wenn eine höhentrainierte Mannschaft gegen ein Team antritt, das auf Meereshöhe trainiere. Absurd, sagen bolivianische Kommentatoren: in der Geschichte der bolivianischen Liga, in denen die Teams dauernd zwischen null und 4000 m Höhe pendeln, wurde noch nie ein Gesundheitsproblem bei einem Spieler dokumentiert, das sich auf den Höhenunterschied zurückführen lässt. Und was den Wettberbsvorteil angeht, gibt es keine Statistik, die einen Vorteil der Teams aus Potosí und La Paz gegenüber den Teams aus Cochabamba oder Santa Cruz belegt.
Vielmehr vermutet man hier, dass das FIFA-Gremium dem Drängen der großen lateinamerikanischen Verbände in Argentinien, Brasilien und Uruguay nachgegeben haben, deren Spielern das Spielen in großer Höhe schlicht zu anstrengend sei. Natürlich ist es für Ronaldinho und Co. kein Zuckerschlecken, auf 3500 m Höhe zu einem Länderspiel antreten zu müssen – jeder, der schon mal in La Paz war und mit der dünnen Höhenluft zu kämpfen hatte, kann das nachvollziehen. Und natürlich schmerzt die Selecao bis heute, dass das bolivianische Team ihr in La Paz 1994 in der WM-Qualifikation mit 0:2 eine historische Niederlage zufügte. Aber ist das ein Grund, Spiele in dieser Höhe zu verbieten? (Im übrigen gab es die Revanche für die Mannschaft aus Brasilien schon ein Jahr später, als es die bolivianische Auswahl im Endspiel der “Copa América” 3:1 besiegte – wiederum in La Paz.)
Die Entscheidung der FIFA ist schlicht und einfach diskriminierend. Mit dem gleichen Argument, die Gesundheit der Spieler zu schonen, müssten Spiele in Städten mit hoher Luftfeuchtigkeit und hohen – oder niedrigen – Durchschnittstemperaturen verboten werden. Am fairsten wäre es vielleicht, sich auf einen Ort zu einigen, an dem das ganze Jahr über ideale klimatische Verhältnisse herrschen, und dort einfach alle FIFA-Spiele auszutragen. Wie wär’s z. B. mit San José in Costa Rica? Oder auf Gran Canaria? Oder gar am Strand von Curacao? An diesen Orten herrscht nach Expertenmeinung das beste Klima der Welt. Persönlich würde ich auch Cochabamba vorschlagen, die Stadt des ewigen Frühlings, in der die laue Luft rund ums Jahr die Haut umschmeichelt – aber die ist der FIFA ja leider 50 Meter zu hoch.
Evo Morales – der gestern in Cochabamba das 72jährige Jubliläum des Fußballvereins “Aurora” mitfeierte – schrieb einen Brief an Blatter, in dem er die Entscheidung der FIFA als ungerecht und diskriminierend zurückwies, und berief eine Dringlichkeitssitzung ins Außenministerium ein, um mit den übrigen betroffenen Ländern eine Strategie zu überlegen. Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Resolution auf die Initiative Argentiniens und Brasiliens zurückgeht, könnte das Konsequenzen für die bolivianischen Beziehungen zu den großen Nachbarn im Osten haben… ich werde berichten.
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Ich schließe mich voll der Meinung von boliblog an und finde es gemein und ungerecht, dass man Ländern wie Bolivien, die sowieso kaum eine Chance haben sich für eine WM zu qualifizieren, benachteiligt, indem man ihnen verbietet Spiele oberhalb von 2500m auszutragen. Denn wenn die FIFA es als ungerecht empfindet, wenn z.B. Spieler aus Brasilien in ungewohnter Höhe spielen müssen, ist es genauso ungerecht, wenn bolivianische Spieler die aus höheren Regionen stammen, im tropischen Klima von brasilianischen Städten spielen müssen. Demzufolge müsste man wie im Bericht gut erkannt immer in einer Stadt mit gleichem Klima spielen, was noch unsinniger wäre. Außerdem haben gerade solche Spiele in großer Höhe einen großen Reiz ausgemacht, da auch mal Länder wie z.B. Ecuador große Nationen wie Argentiniten schlagen konnten.Die FIFA hat sich mit ihrer unsinnigen Entscheidung also wiedermal den großen Verbänden gebeugt und dabei wahrscheinlich auch noch finanziellen Gewinn gemacht. Es werden also leider wiedermal die kleinen Nationen benachteiligt.
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