19.08.2008 von Benjamin Kiersch
Letztes Wochenende wurde in Quillacollo – Heimat der sagenumwobenen Chicha Chernobyl – der Virgen de Urkupiña gehuldigt. Dort hatte ein Hirtenmädchen im 16. Jahrhundert auf einem Hügel eine Marienvision gehabt – seitdem ist der Ort vielen Bolivianern heilig, bis zu 500 000 pilgern jährlich im August zu dem Hügel. Das Fest dauert mehrere Tage. Der spektakulärste Part ist der große Festumzug am 15. August, bei dem dieses Jahr 15 000 Tänzerinnen und Tänzer in 60 Gruppen aus ganz Bolivien durch die Straßen Quillacollos fegten – sechs bis acht Stunden ununterbrochen tanzen zum gnadenlosen Beat der Chacarera-, Diablada- und Huayño-Bands, teilweise bepackt mit schweren Masken oder auf unglaublich hohen Plateauschuhen balancierend… da kann so mancher Berliner Techno-Apologet seine Meisterin finden.
Der skurrilste Teil des Festes findet am 16. August statt: Mit riesigen Hämmern ausgestattet und Säcken voller Steine bepackt, pilgern Hunderte… weiter lesen
11.08.2008 von Benjamin Kiersch
Es war ein unglaublich ruhiger Tag in La Paz heute: keine Autos, kein Smog, Kinder probierten ihre Seifenkisten auf den sonst von Bussen und Taxis verstopften Straßen, und über allem strahlte der Illimani vor einem unglaublich blauen Himmel über dem Altiplano: Wahltag in Bolivien.
Hätte Evo Morales Zeit gehabt, hätte er sich sicher an der Idylle gefreut. Er hat allen Grund dazu: Nachdem die Sonne hinter der Königskordillere untergegangen ist und im Fernsehen die ersten Umfrageergebnisse verkündet werden, wird klar, dass er beim Referendum ein spektakuläres Ergebnis erzielt hat. Nach 30 Monaten MAS-Regierung haben 63 % der Bolivianer für die Fortsetzung seiner Politik gestimmt, fast 10 Prozent mehr als bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2005. Außer in Chuquisaca hat er in allen Departments mehr Stimmen erzielt als bei den vorherigen Wahlen – selbst in den östlichen Provinzen des Media Luna. Mit wenigen Ausnahmen verlief… weiter lesen