Dritter Buchmesse-Tag: Gerne etwas langweilig

Es war Freitag, der 13., und eigentlich glaube ich nicht an diese Art von Homöopathie, aber es scheint ein Fluch auf dieser Buchmesse zu liegen und der Fluch macht, dass es etwas langweiliger ist als sonst oder vielleicht nicht langweiliger, aber… doch. Es gibt kein lustiges Überthema. Hätte Bock, dass nochmal so etwas passiert wie dass Bob Dylan den Nobelpreis kriegt, aber so was gibt es dieses Jahr nicht.

Auf dem Empfang von C.H. Beck gibt es einen Vortrag von Gerd Koenen, der ein Buch geschrieben hat, das heißt „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“. Gehe hin mit dem festen Vorsatz, zuzuhören, bleibe aber schon am Anfang hängen, als der Verlagsleiter das Publikum begrüßt als „Sehr geehrte Vertreter der besitzenden Klassen, der Intelligenz“, was von einem Lenin-Zitat kommt, und die meiste Zeit des Vortrags frage ich mich, was ich davon halte, weiß es aber bis zum Ende nicht.

Später am Abend ist die Party der unabhängigen Verlage, die tatsächlich immer eine Party ist, im Literaturhaus. Treffe den charmanten K., die fuchsschlaue L. und die funkelnde S., was eine gute Kombination ist. Treffe außerdem einen ehemaligen Dozenten von meiner Uni, der jetzt woanders Professor ist, und er sagt, er habe mein Buch gelesen, und ich sage, dass wir uns kennen und ich mal ein Seminar bei ihm hatte, aber dann fällt mir stundenlang nicht ein, welches. Buchmesse ist gar nicht so gut fürs Gehirn. Treffe darüber hinaus noch einen Kritiker, der sagt: „Du siehst sehr gut aus, darf man das noch sagen?“ und ich sage, es ist okay weil es stimmt, und es stellt sich heraus, dass er Skrupel hat sowas zu sagen, weil er Angst hat von Margaret Atwood aufgegessen zu werden. Aber die bin ich ja gar nicht.

Der charmante K. teilt später auf der Titanic-Party seine Drogen auf einer Fitness-First-Mitgliedskarte und rollt dann zum Ziehen einen Eichhörnchensticker zusammen, was ihm eine sehr mondäne Erscheinung verleiht. Neben dem Klo sagt jemand sehr laut: „Leo Fischer ist soooo ein lieber Mensch.“ Ja und auch der einzige, der komplett in senffarben gekleidet mit einem „Generation Riesling“-Button immer noch okay ist.

W. fragt mich, ob ich nicht irgendwelche Kontakte nutzen kann, um ihm einen neuen Freund zu finden. Einen intellektuellen, gerne etwas langweiligen. Ich sage, das klingt jetzt gar nicht so schwierig. Dann kommt aber raus, dass er die Anwesenden, die infrage kommen, entweder schon durch hat oder nicht will. Nebenan trinkt eine Frau Kloreiniger, weil das gegen Schluckauf helfen soll. Nicht nachmachen.

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