vonMalaika Rivuzumwami 16.03.2018

taz Buchmesseblog

Margarete Stokowski und taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

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Du bist jung haben sie gesagt. Feiern und arbeiten ist für dich kein Problem, haben sie gesagt. Bin ich ja auch. Wer feiern kann, kann auch arbeiten. Klar, auch spontan moderieren. Bis gestern dachte ich das auch. Dass Aspirin heute mein treuester Begleiter sein wird, hat mir keiner gesagt.

Die Voraussetzung für den Abend lassen auch nicht auf Aspirin schließen: 45 Minuten lang laufen CSI Miami und Criminal Minds im Hotelzimmer in hektischem Wechsel. Dank der versetzten Werbepausen kann ich sowohl der Entführung eines Kindes als auch einem brutalen Taximord beiwohnen. Währenddessen wiege ich die Für und Wider eines Abends unter Menschen ab, um schlussendlich doch loszugehen. Schließlich will ich ja auch vom wilden Leben in Leipzig berichten. Bloggerinnen-Karriere und so.

Da ich eben nicht Margarete bin, kam ich nur als Plus 1 meines Kollegen U. auf die Party des Ullsteins Verlags.

Vor Ort angekommen frage ich mich dann doch, was genau ich hier eigentlich zu suchen habe. Während die Insider*innen der Szene sich wie alte Freund*innen begrüßen, stehe ich blöd grinsend daneben. Nach ein paar Minuten bemerke ich außerdem, dass ich mich nicht nur selbst auf die Party eingeladen habe, sondern scheinbar auch die dritte Person bei einem Date bin. Großartig. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als noch blöder zu grinsen und mich unauffällig vom Acker zu machen. Gibt ja schließlich Freigetränke.

Alles, was ich ab jetzt über diesen Abenden berichten kann, erzähle ich unter Vorbehalt. Das liegt, zunächst, nicht an den Freigetränken sondern an dem DJ. Denn er spielt Toto und dann die Spice Girls. In meinem Kopf brummt jetzt noch „it Rains down in Africa“. In meinen Augen hat er sich dafür Lobeshymnen verdient. (Anmerkung des Redigats: Das Lied heißt anders).

Schlagartig bin ich zufrieden mit dem Abend, will mein Bier austrinken und in mein Bett sinken. Wäre die vernünftige Entscheidung gewesen. Stattdessen brüllt mir jemand „Party!“ und „Eeeehh Genderqueen“ ins Ohr. Fast bin ich ein bisschen stolz auf mich selbst, als ich mich umdrehte und realisiere „Wow, du kennst hier tatsächlich Leute!“. Vor mir stehen zwei ehemalige Chefs aus zwei Redaktionen, in denen ich zuvor gearbeitet habe. Im Schlepptau haben sie eine früherer Kollegin, die aussieht, als sei sie sehr dankbar, Unterstützung zu bekommen. Verlags- und Redaktionsnamen werden an dieser Stelle nicht genannt, es sei nur so viel verraten: Stolz bin ich nicht, dort gearbeitet zu haben. Gelernt habe ich dennoch viel. Der Spitzname „Genderqueen“ kommt daher, dass ich die Einzige war, die angeregt hatte, dass die Zeitung überhaupt über das Gendern nachdenken solle.

Mit dieser Begegnung ist der Ablauf des Abends vorprogrammiert: Ab jetzt schüttle ich brav Hände und lächle noch blöder. Da mein alter Chef U. stetig dafür sorgt, dass ich zwei Getränke und eine Zigarette in der Hand habe, muss mein Grinsen auch immer schlimmer aussehen.

Zwei Stunden später sitzen wir im Taxi. Meiner Meinung nach auf dem Weg ins Bett, für die anderen kommt das allerdings nicht in Frage. Nächste Party, nächster Verlag. Wieder geht es zur Bar, wieder stehe ich mit zwei Gläsern Sekt dumm grinsend an der Tanzfläche. Während der Rest sich an der Toilette anstellt, fragt mich eine Frau nach Feuer. Wir unterhalten uns über dies und das, was Hamburg hat, was Berlin nicht hat, und ob ich denn eigentlich auch bei Instagram schon den Influencer-Status erreicht habe. Habe ich natürlich nicht, braucht man das heutzutage?

Trotz meiner fehlenden Follower*innen hält sie mich für cool genug, um mir einen gemeinsamen Gang auf die Toilette anzubieten, währenddessen sie sich unauffällig an die Nase tippt. Ich bedanke mich höflich und lehne ab. Sie schaut mich verdutzt an, blickt dann auf mein weit geschnittenes Oberteil und dann auf meinen Sekt. „Ach klar, das hätte ich auch sofort merken können. Hab ich bei meiner ersten Schwangerschaft natürlich auch nicht gemacht.“

Das Resümee meines ersten Bloggerinnen-Tages: Ich sehe schwanger aus, ich habe zu wenig Instagramfollower*innen, ich bin um keine Nummer oder Visitenkarte reicher (dabei meinte mein Freund per SMS extra, ich solle den Abend nutzen), und ich bin um zehn Jahre gealtert. 1:0 für das harte Bloggerinnenleben.

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https://blogs.taz.de/buchmesse/2018/03/16/kein-koks-waehrend-der-schwangerschaft/

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