vonMalaika Rivuzumwami 17.03.2018

taz Buchmesseblog

taz-Autor*innen bloggen live von den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. | Alle Infos unter: taz.de/buchmesse

Mehr über diesen Blog

Am dritten Buchmessetag (Freitag) ist der Tag der Lektionen und Premieren. Lektion Nummer 1: Es ist tatsächlich möglich, betrunken souverän zu moderieren. Zwar ist das keine Eigenleistung, denn Kollegin A. versorgte mich mit Aspirin, Kollegin S. mit Wasser und frischer (!) Zitrone und Kollegin N. kommt für den Facebook-Livestream zu spät, weil sie mir meine Notizen im Pressezentrum ausgedruckt hat. Es ist sozusagen eine meisterliche Teamleistung.

Premiere Nummer 1 wiederum ist die meiner Begegnung mit einem Schlagerstar! Ja, sogar die Herren von der BILD Leipzig können nicht glauben, wen die taz da auf ihr Sofa bekommen hat. Stefanie Hertel ist da (ich kenne keines ihrer Lieder, aber ihre perfekt gesträhnten Haare begeistert mich). Nun kenne ich sie jedenfalls, und falls sie sich je an die zerzauste Frau mit ihrem bestellten Kaffeebecher in der Hand erinnern sollte, dann kennt sie mich auch.

Lektion Nummer 2: die Rechten reden nicht mit mir. Nach meinem bisherigen Tag dachte ich, das Glück auf meiner Seite zu haben und auf meinem Pausenausflug die Geschichte meines Lebens zu entdecken. Vielleicht war meine Wahl mit einem Ausflug zu den rechten Verlagen auch einfach schon zu plump. Vor Ort ist es unspannender als erwartet – ich hatte mich innerlich auf Krawall eingestellt. Aber nein.

Brav unterhält man sich, Prospekte gibt es gegen Spende. Jedenfalls soll meine Geschichte ja spannend werden, also muss ich jetzt mit jemandem reden. Das Verlangen ist allerdings nur einseitig. Mein Interesse wird ignoriert, bei meinen Fragen dreht man sich weg.

Also Plan B: Die Berufsgruppe, die immer die spannendsten Geschichte erzählt, ist die der Sicherheitskräfte. Einer von ihnen ist im Gespräch mit einem Standmitarbeiter. Also schaue ich mir interessiert Putin im Hawaihemd an und konzentriere mich augenscheinlich auf den dazugehörigen Artikel. „Ey dieser Hans-Wurst von der ZEIT, der geht mir gegen den Strich. Zweimal wollte der mit mir reden. Aber dann hab ich einfach gemeint, ich muss jetzt arbeiten. Ey die nerven, Digga!“. Die Grundsatzdiskussion „Reden mit den Rechten” – ja? nein? – diskutieren die Rechten scheinbar auch.

Premiere Nummer 2: Ich kann jetzt Candy Crush spielen. Klingt unspektakulär, ist aber meine Aufgabe. Mein spontanes Bloggerinnenleben begann am Donnerstag mit der fehlenden Ausrüstung. Um meiner Karriere nicht im Wege zu stehen, verzichtete meine Mitbewohnerin auf ihr ultraleichtes, touchscreeniges Notebook.

Allerdings schickt sie mir gestern einen wichtigen Auftrag hinterher: „Du musst MINDESTENS einmal am Tag Candy Crush spielen, sonst verfällt mein Fortschritt!“. Durch diese Information erklärt sich auch dieses ständige Piepsen, was mich scheinbar an den schwindenden Punktestand erinnern soll. Also werden die Pausen ab jetzt dafür genutzt, die Rechten liefern mir schließlich keinen Input.

Endergebnis: ich blogge nun noch weniger über Bücher, politische Ereignisse vor Ort oder Preisverleihungen, denn ich bin jetzt süchtig.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/buchmesse/2018/03/17/ey-die-nerven-digga/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.