vonDonata Künßberg 22.03.2019

taz Buchmesseblog

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Vor mir auf dem Boden liegt ein „tiptop“-Keks: zarte Karamell-Legierung, Erdnuss-Topping. Jemand hat eine winzige Ecke abgenagt und den Rest achtlos zu Boden geworfen, von wo aus er, nunmehr zu Kehricht verwandelt, keine Reise durch den menschlichen Körper mehr antreten wird. Sad.

Direkt daneben sitzt Lukas, 17, aufgeschlagen auf den Knien ein Artikel namens„Lieber peinlich als männlich“. Er kommt aus der Nähe von Bremen. Lukas schreibt am Freitag eine Deutscharbeit (toi, toi, toi, Lukas!) und ist dennoch am Vortag rund neun Stunden Zug gefahren, um die Buchmesse zu besuchen.

Er ist völlig zufällig in diesen Text gestolpert, weil er neben mir saß und ich mich fragte, wo all die jungen Menschen auf dem Messegelände herkommen. Ob die in der Umgebung wohnen, ob die von der Schule rangekarrt werden, wonach sie suchen. Dass ich mich das frage, liegt natürlich im Vorurteil begründet, ein wahrhaftiges Interesse an höherer Kultur entstünde erst später im Leben. Etwa so, wie der Apfelkorn mit hochprozentiger Sicherheit dem Gin weicht, während eine Biografie sich mit Inhalt füllt.

„Dann rutscht man so in die Bubble rein“

Alberne Frage, wonach die Teenager da suchen, höhnt der Online-Kommentar. Jede*r wisse doch, dass die Leipziger Buchmesse eine Halle voller kreischbunter Comics als Köder ausgelegt hat. Damit locken sie den Nachwuchs an!

Ja, okay, aber Lukas ist hier, weil er Texte des Rap-Journalists und Autors Jan Wehn las und darüber ein Interesse an Magazinen wie „Das Wetter“ entstand, und dadurch dann auch an dem mit „Das Wetter“ assoziierten Korbinian-Verlag.

„Wenn man sich mit einem Thema beschäftigt, dann rutscht man so in die ganze Bubble rein.“ Für Leute in seinem Alter empfiehlt er den Stand „Studium rund ums Buch“, der über Ausbildungsoptionen im publizistischen Bereich informiert und „halt die großen Verlage“, die er treffsicher aufzuzählen weiß. Er ist der Anti-Kek.

Ich mag zufällig über beide zufällig gestolpert sein, aber anders als der eingangs erwähnte Keks wird Lukas noch weit kommen. Schön.

Von DONATA KÜNßBERG, taz-Redakteurin

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