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Zukunft ohne Datenschutz?

von Meike

Die Skandale um Datenschutz in Deutschland und anderswo häufen sich? Kein Grund zur übertriebenen Aufregung, meint Sven Gábor Jánsky, Trendforscher und Leiter des Think Tanks “forward2business”. Taz.de hat eine Mail von forward2business bekommen, in der Jánsky anlässlich einer nun veröffentlichten Studie zum Thema seine Sicht auf den Datenschutz der Zukunft erläutert:

Herr Jánszky, der Datenschutz bekommt derzeit sehr viel Beachtung. Werden wir in Zukunft sensibler mit Daten umgehen?

Ich habe die Diskussion in den vergangenen Tagen mit einer gewissen Faszination beobachtet. Wir erleben so etwas wie das letzte Aufbäumen des klassischen Datenschutzes. In 10 Jahren werden wir über die Diskussionen von heute herzlich lachen.

Wieso das?

Weil es in 10 Jahren normal sein wird, dass wir intelligente Software-Assistenten besitzen, die unser Verhalten tagtäglich beobachten, daraus ein Profil bilden und unsere Daten weitergeben. Sie werden uns unser individuelles Fernsehprogramm zusammenstellen, unseren Einkaufszettel schreiben, sie werden im Auto unsere individuelle KFZ-Versicherungsabrechnung machen, uns die Musikbeschallung fürs Büro nach unserem Geschmack zusammenstellen usw. Auch in der Öffentlichkeit ist der Assistent aktiv. Stellen Sie sich zum Beispiel vor: Ich steige in den ICE, mein elektronischer Assistent kommuniziert mit dem ICE-Sitz und sagt, der Janszky hat gestern Abend zum ersten Mal einen Krimi von Mankell gesehen und nicht weg gezappt – hast Du nicht was von Mankell da? Plötzlich melde sich bei mir der ICE Sitz und sagt: Deinem Telefonanbieter T-mobile tut es leid, dass Du die nächsten 2 Stunden nicht vernünftig telefonieren kannst. Dafür bietet er Dir an einen spannenden Krimi von Mankell zu lesen. Was meinen Sie wie ich strahle: Ist das Kundenbindung? Und abends kurz bevor ich in Berlin am Hauptbahnhof aussteige nimmt mein elektronischer Assistent Kontakt mit dem Bahnhof auf und meldet sich mit den Worten: Du kommst an Gleis 11 an, gleich wenn Du die Treppen runter kommst rechts ist ein REWE-Markt. Nimm doch Obst und Milch mit … und vielleicht den Prosecco, der ist gerade im Sonderangebot. Alternativ kann der auch sagen: Das Hotel XY in der Nähe bietet einen Super-Last-Minute Preis oder für das neue Mankell-Theaterstück wären noch ein paar Restkarten zu haben.

Und wieso sollten wir diese Technologie nutzen?

Weil wir einen Nutzen davon haben und weil wir Angst haben, etwas zu verpassen. Der Nutzen liegt auf der Hand: Bessere Fernsehprogramme, bessere Musik im Radio, interessante Nachrichten und passende Werbung. Den Nutzen gibt es sogar in ärgerlichen Situationen: Wir rechnen damit, dass bei 80% der Anrufe in Callcentern der Grund des Anrufes schon vorausgesagt werden kann und entsprechend geholfen wird. Unternehmen werden diese vom Konsumenten zu Verfügung gestellten Daten lieber nutzen als die veralteten Massendatenbanken. Ein ebenso starker Grund ist aber die Angst etwas zu verpassen. Wenn Sie im Jahr 2020 überall und jederzeit mit dem Internet verbunden sind, werden Sie schnell feststellen, dass Sie die Komplexität nicht überschauen und nicht sinnvoll im Griff haben. Wir werden sehr dankbar sein über eine Technologie, die anhand unserer Daten und unserer automatisch analysierten Bedürfnisse das Interessante für uns aus dem Internet holt.

Und Sie sehen keine Gefahr für den Datenschutz?

Nein! Sehen Sie, unsere bisherigen Datenschutzvorstellungen stammen aus einer Zeit vor 25 Jahren. Es war die Zeit der Volkszählung und des Kampfes der Bürger gegen einen als allmächtig und unheimlich empfundenen Staat. Seitdem hat sich unsere Gesellschaft grundlegend gewandelt. Wir als Bürger sind nicht mehr ängstlich sondern souverän gegenüber dem Staat. Statt unsere Daten zu verstecken schreiben wir heute tagäglich in Twitter oder XING wo wir gerade sind und was wir gerade tun, nutzen selbstverständlich die Payback-Card, Kreditkarten und Google, obwohl wir genau wissen, dass unsere Daten hier gespeichert werden.

Warum tun wir das?

Weil wir wissen, dass der Nutzen überwiegt. Wir erhalten Rabatte oder Anerkennung und haben kaum etwas zu befürchten außer ein paar Werbebriefen und Werbemails, die ungelesen in den Müll wandern.
(…)
Dann werden wir also zu „gläsernen Bürgern“?

Wir sind es ja längst! Und das ist gar nicht schlimm! Ich prognostiziere dass die Menschen in den nächsten Jahren immer genauer erkennen werden, dass unsere Wirtschaft und Gesellschaft darauf basiert, dass die Unternehmen ihren Kunden kommunizieren und entsprechend deren Daten verwenden. Die Bürger werden sich bewusst werden, dass ihre Daten einen wirtschaftlichen Wert haben. Wir werden unsere Daten jenen Unternehmen freigeben, denen wir vertrauen und die am meisten dafür zahlen. Vertrauen wird das wichtigste Wirtschaftsgut des Jahres 2020!

Steile Thesen, über die ich gerne mit Herrn Jánsky sprechen würde - hoffentlich bald in einem Interview. Die Anfrage habe ich gerade losgeschickt.

Kommentare zu “Zukunft ohne Datenschutz?” (6)

    Die Bürger werden sich bewusst werden, dass ihre Daten einen wirtschaftlichen Wert haben. Wir werden unsere Daten jenen Unternehmen freigeben, denen wir vertrauen und die am meisten dafür zahlen. Vertrauen wird das wichtigste Wirtschaftsgut des Jahres 2020!

    WIR werden unsere daten JENEN UNTERNEHMEN freigebenen, denen WIR vertrauen…:D
    Jo, is klar.
    JENE Unternehmen, die unsere daten WOLLEN; werden sich UNSERE Daten KAUFEN…trifft es denk ich eher.

    Dann werden wir also zu „gläsernen Bürgern“?

    Wir sind es ja längst! Und das ist gar nicht schlimm!

    Ey hallo, geht’s noch?! Ich möchte nicht überwacht werden und ich brauche keinen Computer-Assistenten, der mir den Arsch abwischt. Ich möchte gefragt werden und auch Nein sagen dürfen. Der mündige Bürger wird überrumpelt und mit Pseudo-Werbe-Propaganda eingelullt. Ich finde es schon schlimm, wenn mir jemand hinterherspioniert und Profile von mir erstellt, denn ich traue den Halunken nicht, weder den Wirtschaftlern noch den Politikern. Und wenn Herr Schäuble an den neuen Ausweisen mit Fingerabdruck mitverdient macht mich das schon stutzig. Besteht denn gar keine demokratische Kontrolle mehr? Die Verflechtungen von Wirtschaft und Staat werden irgendwann soweit gehen dass Gefangene (verurteilte Kriminelle) in Fabriken arbeiten mit einem Sender am Bein, welcher zufällig von einer Firma hergestellt wird, in welcher auch führende Politiker in den Chefetagen sitzen - Arbeitsdienst wurde ja für Arbeitslose schon wieder eingeführt; hier werden unsere Schmerzgrenzen ausgelotet und ein Tabu nach dem anderen gebrochen. Ich muss ja wohl nicht extra erwähnen, wo das hinführen kann..

    Ich möchte doch nur kurz nochmal feststellen, dass es hier nicht darum geht irgendein Produkt zu kaufen. Ich habe nichts bestellt, ich habe auch niemanden gewählt und niemanden dazu legitimiert mich derart zu bevormunden! Ich wünsche keinen Überwachungsstaat und wenn wir in 25 Jahren über unsere Datensicherheit lachen werden dann nur aus dem Grunde dass sie sich noch weitaus schlimmere Sachen haben einfallen lassen. Darauf möchte und werde ich aber nicht passiv warten. Ich werde mein Demonstrations- und Versammlungsrecht sowie meine Meinungs- und Informationsfreiheit nutzen, solange sie noch existieren! Wir sehen uns im Lager, mit allem Luxus und Komfort, wie uns oben mitgeteilt wurde.

    Auch aus technischer Sicht greift die Prognose doch viel zu kurz.
    Es wird bald Techniken geben, die uns exakt den gleichen Nutzen bringen, aber den Datenschutz trotzdem nicht außer Acht lassen. Unsere Profile für Suchmaschinen oder soziale Netze können wir dann - sicher und vertraulich - dezentral beim Nutzer speichern und nur denen verfügbar machen, denen wir sie explizit freischalten. Je nach Kontext werden wir dabei auch nur einen bestimmten Teil benötigen und nur diesen temporär offen legen müssen. Auch anonyme Bezahlsysteme gibt es ja jetzt schon.

    Sobald es diese saubere(re)n Alternativen gibt, werden die Menschen ihre Daten nicht weiter den Datenkraken in den Rachen werfen, sondern schlicht den Dienstleister wechseln. Datenschutz ist daher ganz klar ein Wettbewerbsvorteil, den man bereits jetzt bei den Suchmaschinen anfänglich beobachten kann: Diese müssen sich in ihren Speicherfristen immer weiter unterbieten um die Nutzer nicht zu verlieren.

    Wir müssen uns also nicht, wie behauptet, zwischen dem Nutzen der Technik und dem Datenschutz entscheiden, sondern können unsere Daten bald wieder selbst in der Hand haben und dann die Vorzüge der Technik auch wieder genießen.

    Viele Grüße

    Wer den Arschabwischassistenten kauft und benutzt, will’s ja nicht anders. Letztlich wollen doch alle nur zurück in Mamas Bauch.

    Na da bin ich mal auf die Antworten gespannt, wenn er sich die Fragen nicht alle selbst stellt. Ein Glück kommt die taz per Digiabo ja auch nach Istanbul. Meike, ich bitte um einen Benachrichtigungstweet von tazgezwitscher

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