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Volkszählung 2011: Kirchen wollen auch Religionszugehörigkeit erfassen

von Ron Steinke

Friedlich und geräuscharm läuft derzeit die Vorbereitung der Bundesregierung für die nächste Volkszählung im Jahr 2011 - als Reizwort taugt der Begriff heute wohl nicht mehr. Als zu Beginn der 80er Jahre die letzte Volkszählung geplant wurde, gab es noch große Demonstrationen - und Unbehagen bis hinein in konservative Kreise.

Bei dem für 2011 geplanten “registergestützten Zensus” (so nun die offizielle Sprachregelung) sollen die Daten aller in Deutschland Lebenden zentral zusammengeführt werden. Zum Teil soll dafür auf die vorhandenen Daten der Meldeämter zurück gegriffen werden, zum Teil sollen stichprobenartige Befragungen durchgeführt werden. Aber in Zeiten der Telefon-, Video-, Konto- und Onlineüberwachung zucken die meisten Menschen wohl einfach nur mit den Achseln.

Dabei ist das Vorhaben eigentlich alles andere als unproblematisch. Bei der gestrigen Diskussion im Bundestag wurde deutlich, wer alles an persönlichen Daten der Deutschen interessiert ist. Vertreter von Kirchen wollen z.B. erreichen, dass die staatlich beauftragten Interviewer im Jahr 2011 auch nach der Religionszugehörigkeit fragen. Die nahe liegende Antwort “Das geht Sie überhaupt nichts an” würden wohl die wenigsten Befragten geben, wenn der Interviewer ganz offiziell von der Behörde kommt.

Mit dem vorgegeben Zweck der Volkszählung, frisches statistisches Material für den Staat zu beschaffen (dazu ein lesenswerter Artikel in der gestrigen SZ), hat das nun gar nichts zu tun. Und ob gegen die Neuvermessung der gesamten Bevölkerung tatsächlich “nichts einzuwenden” (Peter Schaar) ist, nur weil die deutsche Verfassung derartiges nicht verbietet, ist wohl auch noch eine offene Frage.

Kommentare zu “Volkszählung 2011: Kirchen wollen auch Religionszugehörigkeit erfassen” (11)

    Wäre es da nicht eine Idee, wenn alle einfach angeben sie seien z.B. Jedi-Ritter? Oder FSM-Anhänger? Gäbe sicherlich lustige Statistiken und die katholische Kirche hat einen starken Gegenspieler, die Jedis nämlich. Müsste man natürlich koordinieren, damit viele Leute dasselbe angeben.

    Da wäre eigentlich eine Religion optimal: Tarvuismus (http://www.tarvu.com) - it’s SO easy to join! ;-)

    Also ich bin Diskordianer.

    every golden apple is the beloved home of an golden worm

    Ich sehe nicht einmal ein, wieso ich einem Arbeitgeber diese Information geben sollte und habe deshalb auch - ganz problemlos - nie etwas derartiges angekreuzt. Das ist für mich prinzipiell genauso privat und intim wie beispielsweise sexuelle Vorlieben.

    Bei Umfragen mache ich in aller Regel sowieso nicht mit, weil diese fast immer nur vor Suggestivfragen strotzen und die Ergebnisse am Ende nicht selten auftragsgerecht ausfallen. Ich habe auch schon mal kurzzeitig bei einem Meinungsforschungsinstitut gejobbt und weiß daher aus erster Hand, dass Repräsentativität ganz schnell hinten rüberfällt und es auch herzlich wenig interessiert, ob die befragten Personen, überhaupt die Frage verstehen bzw. sich sinnvoll zum Thema äußern können. Zudem wird den Leuten auch noch vergegaukelt sie hätten einen Vorteil davon mitzumachen und ihnen wird eingeredet, sie würden nun endlich mal erhört. Dabei sind sie nur eine Stelle hinter dem Komma und irgendwelche Meinungsäußerungen werden auf einen simplen Zahlenwert reduziert. Die ganze Branche ist ein ziemlicher Witz.

    Immer wenn man bei einer Umfrage mitmacht, degradiert man sich selbst zu einem kleinen statistischen Faktor. Sind die Zahlen erstmal auf dem Tisch, interessiert auch niemanden mehr, was tatsächlich zu einer Antwort geführt hat oder was damit gemeint war. Das sieht man auch sehr schön nach jeder Wahl - auch eine Art Meinungsumfrage - wenn die Politiker merkbefreit herumfabulieren, was “der Wähler” angeblich gemeint hat.

    Was ist denn an der Volkszählung so schlimm? Klar wenn da so ne Type auftaucht und mit fragen nervt. Das muss nicht sein. Aber ansonsten sind doch sowieso alle Daten tausendfach erfassst. Stellt sich die frage warum man da überhautp groß zählen muss.
    Viel schlimmer finde ich da Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung. Zensur im Internet auch wenn sich das offiziel anders nennt usw.

    @ Salatgurke

    Treffend beschrieben.
    Ein krasses, juengstes Beispiel dafuer waren die Umfrage’ergebnisse aller bekannten Institute vor der Bayern-Wahl.
    Viel falscher konnte man zwischen Prognose und Ergebniss nicht mehr liegen, welches den Manipulationsfaktor nur zu klar verdeutlicht.

    Simpel, primitiv, betruegerisch kontrollieren.
    Funktioniert immer wieder, immer noch und hoffentlich nicht mehr allzu lange.

    So Long

    J.

    Geht es nicht vielmehr darum das auch jeder brav eine Steuer-ID(den Primärschlüssel) bekommt?

    “Vertreter von Kirchen wollen z.B. erreichen, dass die staatlich beauftragten Interviewer im Jahr 2011 auch nach der Religionszugehörigkeit fragen.”

    “Trennung: Kirche/Staat”

    Durch meine Unglauebigkeit vorbelastet und voreingenommen hat diese Kirche nach den letzten 2000 Jahren ueberhaupt keine Kredite oder gar das Recht auf irgendwelche Ansprueche in Bezug auf Politik, Soziales oder gar Menschliches.
    Nicht nach der extremst, allgemein offensichtlich negativen Tendenz.

    Eine der wenigen, als auch extremst positivste Bilanz der Kirche ist, Milliarden von Menschen hoffnungsvoll derealisiert zu halten und fuer Prunk und lustige Klamotten und ansonsten Nichts, weiterhin heftig abzusahnen.
    http://daserste.ndr.de/panorama/media/kirchen100.html

    Und hierbei geht es ja nur um den schnoeden Mammon…… als Spitze des negativen Eisbergs.
    Andere negative Fakten in so manch variablen Bereichen sind ebenso Real.

    Nein, Danke?

    Mein favorit ist ansich der Diskordianismus ^^ Eine als komplizierter Scherz getarnte Religion… oder ein als Religion getarnter komplizierter Scherz… weiß ansich keiner genau *g*

    @ ach was solls:

    Das ist ja der Punkt. Der Staat setzt immer mehr durch, um unsere Daten zu erfassen. Die Volkszählung dient diesem Zweck genauso wie die VDS und die gekippte Online Durchsuchung.
    Auch die Daten, die wir selbst bei Onlineportalen angeben, bleiben mit Sicherheit nicht immer dort - sondern wandern weiter. Wie einfach das geht, sieht man doch schon an den Spam-Mails - oder was denkt ihr, wo die eure Email-Adressen unter anderem herbekommen…

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