vonAchmed Khammas 20.04.2019

Der Datenscheich

Erneuerbare Energie, Science Fiction, Technikarchäologie und Naher Osten – verifiziert, subversiv, authentisch.

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Diesmal war die Pause absolut notwendig – war doch endlich der 3. Teil der Trisolaris-Reihe von Cixin Liu erschienen. Weshalb ich mir nochmals die ersten beiden Bände ‚eingepfiffen‘ habe – um die gesamte Geschichte wieder präsent zu haben. Was ich als absolut lohnenswert weiterempfehle. Und weshalb sich nun <Tusch> der große Vorhang hebt.

Nach der Startband Die drei Sonnen (2006/2017) mit dem Beginn einer überaus entdeckungs- und facettenreichen Reise, bei der eine junge Astronomin auf einer geheimen chinesischen Militärbasis unbekannte Funksignale auffängt, die sich nach und nach als Signale einer außerirdischen Zivilisation entpuppen, wird im Folgeband Der dunkle Wald (2008/2018) fröhlich weiter fabuliert, wie sich die Invasionsflotte der Trisolarier immer weiter der Erde nähert, und was diese als Gegenmaßnahmen unternimmt.

Was sich hier so einfach liest, ist jedoch ein jahrzehntelanger Kampf zwischen vier ‚Wandschauern‘ – aus dem Pool der Menschheit ausgewählte und mit unbeschränkten Ressourcen ausgestattete Personen, die geheime Verteidigungspläne entwickeln – und ihren jeweiligen ‚Wandbrechern‘, die ihr ganzes Leben dafür hingeben, sich in ihre Gegner einzufühlen, um deren Pläne aufzudecken. Denn dieser Kampf findet ausschließlich auf mentaler Ebene statt.

Gleichzeit wird den Menschen bewußt, was die böse Wahrheit hinter dem Fermi-Paradoxon ist („Es sollte Millionen Zivilisationen da draußen geben – weshalb hören wir sie also nicht?!“).

Und nun der dritte Band Jenseits der Zeit (2010/2019), in welchem der Autor die Space Opera hochintelligent und sehr spannend weiter schreibt, und dies trotz teilweise gewaltiger Zeitsprünge, welche die Protagonisten zumeist im Kälteschlaf verbringen. In dem Buch verbergen sich hochsensible kosmosoziologische Themen, die das essentielle Weiterbestehen von Zivilisationen stark – und meist äußerst gewalttätig – in Frage stellen. Und auch im Kopf des Lesers ein ganzes Feuerwerk an Vorstellungen und (hoffentlich nicht) Befürchtungen wecken. Man versteht, warum Cixin mit Preisen überhäuft wurde.

Nicht verstehen kann ich allerdings, warum er sich selbst wünscht, Chinas letzter SF-Autor zu sein. Denn selbst wenn wir seine bisherigen weltenverschlingende Entwicklungen als gegeben und unausweichlich betrachten, eröffnen sich doch sogar bei ihm anschließend wieder völlig neue Kosmen. Cixin bleibt jedenfalls nicht beim Ende aller Dinge stehen. Und ich denke, daß wir in den nächsten Jahren noch das eine oder andere von ihm zu lesen bekommen werden – allen Apokalypsen zum trotz.

Die politische Anmerkung habe ich beim Ostereier-suchen verbummelt. Als Finderlohn gibt es ein Schoko-Ei! ;-))

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