Facebook blockiert politischen Diskurs

Die Wähler in Kalifornien werden im kommenden November über die Legalisierung von Marihuana abstimmen. Da gemäß diversen Umfragen die Befürworter der Legalisierung die Nase vorne haben, versuchen die Prohibitionisten mit allen Mitteln einer möglichen Legalisierung entgegen zu wirken. Da die ständige Demagogie und die oft arglistig geführte Manipulation von Informationen seitens der Prohibitionisten nicht den gewünschten Effekt bei den Wählern hervorruft, wird jetzt das Instrument der Zensur respektive der Informationsblockade eingesetzt.

Facebook blockiert politische Cannabiswerbung

Facebook ist eine Website zur Bildung und Unterhaltung sozialer Netzwerke, die der Firma Facebook Inc. mit Sitz im kalifornischen Palo Alto gehört. Größte Anteilseigner sind Mark Zuckerberg (24%) und Peter Thiel (7%). Mark Zuckerberg wurde am 14. Mai 1984 in White Plains im US-Bundesstaat New York als Kind jüdischer Eltern geboren. Er selbst bezeichnet sich als Atheist, dennoch ist er Mitglied der jüdischen Bruderschaft Alpha Epsilon Pi, deren Ziel es u.a. ist, ihren Mitgliedern den Weg in Führungspositionen zu ebnen. Peter Thiel wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren. Er war Mitbegründer der Firma PayPal und betätigt sich als Hedgefonds Manager. Thiel lebt offen homosexuell, unterstützte dennoch Ron Paul bei dessen Wahlkampf 2008 für die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Der Firma Facebook Inc. kann man somit nicht eine gewisse Nähe zur Israellobby in den USA und zu den Republikanern absprechen.

Huffingtonpost berichtete am 24. August 2010, dass diverse Onlineanzeigen, die mit Cannabis zu tun haben, von Facebook blockiert werden. Für einen typischen Studenten (der USA) ist jedoch etwas nicht passiert, wenn es nicht auf Facebook erscheint. Dies gibt dem sozialen Netzwerk einen großen Einfluss auf die politischen Debatten, insbesondere wenn sie außerhalb von dem stattfindet, was Facebook als akzeptablen Diskurs empfindet. Eine Petitionsseite gegen die Entscheidung von Facebook wurde bereits installiert.

Befürworter der Cannabislegalisierung, die zur Wahl in Kalifornien im November 2010 steht, wollten eine Onlinekampagne einrichten. Diese sollte zum Überdenken der aktuellen Gesetze anregen, aber damit sind sie bei Facebook gegen eine Wand gelaufen. Facebook akzeptierte zuerst die Anzeige von der Gruppe Just Say Now. Vom 7. August bis 26. August wurde sie 38 millionen Mal angezeigt und sie hat der Gruppe geholfen, mehr als 6.000 Freunde für ihre Facebookseite zu bekommen. Aber dann wurde sie abrupt von Facebook entfernt.

Andrew Noyes, ein Sprecher von Facebook sagte, dass Problem wäre das Hanfblatt. »Es wäre nett zu erwähnen, dass sie informiert wurden durch Facebook, dass das infrage gestellte Bild nicht länger akzeptierbar war für die Benutzung in Facebook-Anzigen. Das Bild eines Hanfblattes ist mit allen Rauchprodukten assoziiert und damit nicht mit unseren Regelungen vereinbar.« Dies sagte er der Gruppe in einer E-Mail, die HuffingtonPost vorliegt.

Noyes ist zur Zeit im Urlaub und antwortet nicht auf E-Mails. Eine Anfrage an Facebooks generelle Presseaddresse erbrachte nur eine automatische Antwort, in der es heißt, die Firma erhalte viele Anfragen deswegen und wird sich noch äußern. (Weiter unten ist eine Stellungnahme von Facebook)

Dennoch: Facebooks Anzeigenregeln verbieten nur die Bewerbung von »Tabkakprodukten«, nicht dem Rauchen im Allgemeinen. Seit den 1970er Jahren verkaufen Läden Marihuanaparaphernalia indem sie sagen, es wäre nur für den Tabakkonsum. Die Just Say Now Kampagne argumentiert genau anders herum: Nein, wirklich, es ist für Marihuana und nicht Tabak.

Die Zensur ist ein Rückschlag für die Kampagne, die auf jedem Unicampus in Kalifornien für die Legalisierung unterwegs ist und Studenten aufruft wählen zu gehen. »Es ist als ob man eine Kampagne macht und das Gesicht des Kandidaten nicht zeigt«, sagte Michael Whitney von Firedoglake.com, einem Blog, das Teil der Just Say Now Koalition ist.

Konservative Studenten verurteilen die Blockade von Facebook. »Unsere Generation hat Facebook erfolgreich gemacht, da es eine Community war in der man ohne Zensur auch über sensible Themen wie Drogenpolitik diskutieren konnte. Wenn die Zensurmaßnahmen von Facebook weiterhin wie die unserer Regierung aussehen, dauert es nicht bis zum Wahltag, dass es als Überflüssig angesehen wird«, sagte Jordan Marks, Vorstand der Organisation Junge Amerikaner für die Freiheit (YAF) HuffPost in einer E-Mail. YAF wurde in den 60ern gegründet; Gründungsvorstand Buckley war lange Zeit ein Unterstützer der Marihuanalegalisierung. Aaron Houston, der Vorsitzende der Studenten für eine sensible Drogenpolitik sagte, dass Facebook sich von ihren Kunden abgehoben hätte. »Ihr Geschäft wird schaden nehmen, wenn sie diese Entscheidung nicht zurücknehmen. Wir haben Reefer Madness und Zensur hinter uns gelassen. Facebook sollte mit der Zeit gehen.« sagte er.

Während Facebook die Anzeige verbannt, haben einige konservative und liberale Blogs und Newsstationen zugesagt, am Dienstag, den 31. August 2010, mit der Werbung für die Cannabislegalisierung zu beginnen. The Nation, The New Republic, Human Events, Red State, Antiwar, Reason, Drug War Rant, Stop The Drug War, Daily Paul, Lew Rockwell, The Young Turks, MyDD, AmericaBlog, Pam’s House Blend und Raw Story sind unter ihnen. Um gegen Facebooks Entscheidung zu Protestieren hat die Just Say Now, natürlich auf Facebook, eine Petition dagegen gestartet. Des öfteren Antwortet die Firma auch auf solche Aktionen. Die Gruppe fordert ihre Teilnehmer auch dazu auf, ihr Profilbild auf ein Bild mit einem zensierten Cannabisblatt zu ändern.

»Durch die Zensur des Hanfblattes verbietet Faebook politische Redefreiheit. Das ist unfair und unakzeptabel« ist in der Petition geschrieben. »Facebook soll seine Entscheidung zurücknehmen und eine freie Diskussion über die Drogenpolitik der USA ermöglichen.«

UPDATE I: Die Libertäre Partei hatte das gleiche Problem. Sprecher Kyle Hartz emailte HuffPost, dass Facebook erst die Anzeige akzeptiert, und dann am 23. Juli die Entscheidung zurücknahm und zensierte. »Danke für das Anschreiben«, hat ein Facebooksprecher an die Partei geschrieben. »Ich habe einen Blick auf Ihren Zugang geworfen und bemerkt, dass der beworbene Inhalt ihrer Anzeige verboten ist. Wir halten das Recht, zu bestimmen welche Anzeigen wir akzeptieren. Wir haben uns entschlossen, Anzeigen die bestimmte Produkte oder Dienstleistungen bewerben, nicht zu akzeptieren. Wir akzeptieren keine Werbung für Marihuana oder politische Anzeigen für die Bewerbung von Marihuana und werden auch die Erstellung von weiteren solchen Facebookanzeigen für dieses Produkt nicht erlauben. Wir danken Ihnen für die Kooperation im Sinne unserer Geshäftsbedingungen

UPDATE II: Facebook Sprecher Noyes sagt in einer Stellungnahme: »Das infragegestellte Bild ist nicht länger Akzeptabel für die Nutzung in Facebookanzeigen. Das Bild von Hanfblättern ist mit Rauchprodukten assoziiert und ist daher nicht mit unseren Geschäftsbedingungen vereinbar.«

UPDATE III: Facebook möchte auch keine Hanfblätter zu medizinischen Zwecken sehen. Als in Washington DC die Stadträte diskutierten, wie man am besten medizinisches Marihuana abgeben könnte, wollte eine Patienteninitiative Facebookanzeigen schalten, damit sich die Bürger an der Diskussion beteiligen, sagte Nikolas Schiller von der Initiative der HuffPost. Facebook beendete die Anzeige, auch wenn die Anhörungen im Stadtrat weiterliefen. Die Anzeige enthielt ein Cannabisblatt, konnte online angesehen werden, wurde aber später, wie bei den anderen, zurückgezogen.

via: Huffington Post: Facebook Blocks Ads For Pot Legalization Campaign, via: Die Hanfplantage: Facebook blockiert politische Cannabiswerbung

Kommentare (6)

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  1. Wer facebook nutzt, sollte wissen, wie er seine privatsphäreeinstellungen anpasst, sonst liest die öffentlichkeit mit -> so gehts http://www.presseanfragen.com/facebook-de-facebook-com-sicher-serioes.html

  2. zur zensur (faschismus: selbst fehler werden indoktriniert):
    im letzten abschnitt ich schrieb klar (das mit 10-finger-system, blick auf bildschirm):

    “sind amerikanische grosskonzerne denn NICHT bereit, für liberalen umgang mit freier meinungsäusserung EINZUSTEHEN, werden (wie im fall von fb) eher neofaschistische als darüber aufklärenede seiten geduldet?”

    zur folgenpartei der schweizer reinkarnation von edgar hoover:

    s. 2. arbeit in der file history.
    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mischa_vetere_la_th%C3%A9orie_n%C3%A9apolitaine_de_l%27ecriture_structur%C3%A9e_2010.jpg

    – ist aktuell… zum thema, allerdings WIKILEAKS betreffend.

  3. ua wegen meines politblogs 2011ch.blogspot.com werde ich von der folgspartei aktiv und offen über facebook zensuriert. als freier autor finde ich bezüglich internationaler konzerne wie google, wiki und eben auch fb, dass diese die gesetze der jeweiligen länder, in welchen sie auftreten, zu respektieren haben.
    meine eigenen google-blogs wurden über monate gesperrt und über facebook bildverkäufe torpediert – ich habe gar eine nachricht gesehen, als von mir zu kommen scheinend … von einer zeit, in welcher ich mein konto deaktiviert hatte.
    ich habe dies facebook mehrmals geschrieben: zensur ist in der schweiz gemäss bundesverfassung in jeder erdenklichen form verboten, verstösst über fb (wie google, wiki) gar gegen internationales recht – ich habe nie auch nur eine antwort auf diesen besorgniserregenden umstand erhalten.
    in meinem fall ging es nicht um canabis, aber ähnlich gelagert um die verhinderung der verbreitung meines entschiedenen eintretens für menschenrecht – weil meine blogs erfolgreich, wurden die besucherzahlen unterdrückt und nicht mehr gezählt; die zensur über wikimedia commons im september und oktober 2010 war haarsträubend. sind amerikanische grosskonzerne denn nciht bereit, für liberalen umgang mit freier meinungsäusserung umzugehen, werden (wie im fall von fb) eher neofaschistische als darüber aufklärenede seiten geduldet?
    – es muss einiges geschehen, bis internet sicherer wird: für die USER.

    mv
    11.12.2010

  4. Vielleicht hat die Anzeigenzensur doch eine sinnvolle Wirkung. Wenn nämlich einige Facebooknutzer das System nun verlassen, weil sie erkennen, dass FB nicht nur eine streng geschlossene, sondern wie sich zeigt, eine extrem intolerante Gesellschaft ist.

    Annette, aber warum geht man denn auf Facebook?

    Zum Beispiel wenn fast alle Freunde und Kommilitonen auf FB und online kaum anders zu erreichen sind. Dann ist es verständlicherweise auch schwierig, sich daraus zurückzuziehen, ohne soziale Kontakte zu verlieren.

    Oder weil es bis jetzt kaum Alternativen gibt. Studivz, Myspace, Xing oder was auch immer statt FB wäre den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Die einzige wirklich sinnvolle Alternative ist ein dezentrales Netzwerk wie das neu gestartete Diaspora (www.joindiaspora.com), aber selbst wenn es erfolgreich wird, dauert es, bis es auch nur annähernd einen Verbreitung wie FB hat.

    Last but not least der Suchtfaktor von FB.

  5. Warum eigentlich geht man denn auf Facebook? Ich tue es gerade wegen solcher Geschichten und wegen des Datenschutzes NICHT!

  6. Auch wenn es überall steht, «sensible» heißt «vernünftig» und nicht «sensibel» (sensitive). Aaron Houston ist Vorsitzender der Studenten für eine _vernünftige_ Drogenpolitik (Students for Sensible Drug Policy: http://ssdp.org/)
    Ansonsten: ein ungeheuerlicher Vorgang das Ganze.