Archive for September, 2010

20.09.2010 von Mathias Broeckers
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Die Drogenlüge

von Mathias Broeckers

Heute mal kurz Reklame in eigener Sache: Mein neues Buch “Die Drogenlüge – Warum Drogenverbote den Terrorismus fördern und Ihrer Gesundheit schaden” ist vor einigen Tagen erschienen.  Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen will: einen Auszug  aus der Einleitung gibt es hier,  weitere Auszüge aus einem Kapitel des Buchs  auf  Telepolis.

Im Blog des Instituts für kriminologische Sozialforschung der Universität Hamburg, criminologica, heißt es in einer Besprechung:

“Das Buch erinnert nicht nur an die vor Jahren von Henning Schmidt-Semisch angestoßene Diskussion um die Entkriminalisierung von Drogen (“Drogen als Genussmittel”), es birgt auch zahlreiche kriminologische Forschungsthemen aller Art, wie z.B. die These, dass der Kampf gegen den Terrorismus nur Erfolg haben kann, wenn der Kampf gegen Drogen aufgegeben wird. Oder anders herum gesagt: “Solange der ‘War on Drugs’ dafür sorgt, dass mit Heroin und Kokain mehr Profit gemacht werden kann als mit jedem anderen Produkt dieser Erde,… weiter lesen

17.09.2010 von Hans Cousto
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UNO-Büro zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung am Scheideweg

von Hans Cousto

Der Russe Juri Fedotow hat am Montag, den 13. September 2010, die Leitung des in Wien ansässigen UNO-Büros zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) übernommen. Der frühere stellvertrendede Außenminister der Russischen Föderation und bisheriger Botschafter in Großbritannien sei wegen seiner langjährigen Erfahrung in Diplomatie und Politik hervorragend für das Amt geeignet, hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im Juli bei der Nominierung Fedotows erklärt. Der Russe löst den Italiener Antonio Maria Costa ab, der die Behörde seit 2002 leitete. Fedotow ist gleichzeitig Leiter des Büros der Vereinten Nationen in Wien. Die Wiener UNO-City ist mit dem United Nations Office at Vienna (UNOV) neben New York (UNHQ), Genf (UNOG) und Nairobi (UNON) einer von vier offiziellen Amtssitzen der Vereinten Nationen. Das UNOV wurde am 1. Januar 1980 als dritter Standort des UN-Sekretariats in Betrieb genommen.

Nach Sergei Ordzhonikidze (Generalsekretär der Abrüstungskonferenz der UNO und Persönlicher Vertreter des UNO-Generalsekretärs auf dieser Konferenz), der im Jahr 2002 die Leitung der UNO-Büros in Genf übernahm, ist Juri Fedotow der zweite Russe, der die Leitung eines UNO-Büros übernimmt und als Stellvertreter des UNO-Generalsekretärs fungiert.

In seiner Antrittsrede sagte Fedotow laut einer Aussendung vom Montag, den 13. September 2010, Drogenabhängige brauchten »humane und effektive Behandlung« und keine Bestrafung. Öffentliche Gesundheit und Menschenrechte seien zentral für die Arbeit des UNODC. Damit versuchte er kritische Geister zu besänftigen, denn Russland hat in Sachen Betreuung von Drogenabhänigen international nicht gerade den besten Ruf. So vermeldete bereits am 19. Juli 2010 die Russische Nachrichtenagentur RIA Novosti, dass die Personalie Fedotow einen internationalen Skandal ausgelöst habe. 24 internationale Nichtregierungsorganisationen, die mit der Politik Russlands im Bereich der Menschenrechte unzufrieden sind, äußerten sich negativ über Fedotows Ernennung.

24 führende internationale Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Kampfes gegen die Verbreitung von HIV und AIDS hatten einen Brief an den UN-Generalsekretär geschrieben. Darin riefen sie ihn auf, Russland und seinen Vertreter mit diesem strategisch wichtigen Posten nicht zu belohnen. Dies hängt damit zusammen, dass Russland darauf verzichtete, wissenschaftlich begründete Maßnahmen zur Vorbeugung von HIV zu nutzen. Zudem wurde Russlands Vorgehen in Afghanistan und der fehlende Respekt vor den Menschenrechten erwähnt. Russland sei zudem eines der weniger Länder, wo Methadon und Buprenorphil bei der Behandlung der Drogenabhängigen verboten sei, heißt es im Brief. Zudem bestehe Russland auf einer gewaltsamen Vernichtung der Opiumplantagen in Afghanistan. … weiter lesen

07.09.2010 von Hans Cousto
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Suchtmittel – Unwort der Präventionisten

von Hans Cousto

Die Begriffe Sucht und Abhängigkeit werden häufig synonym angewandt, obwohl Sucht ein veralteter medizinischer Fachbegriff ist, der eigentlich nur noch in der Umgangssprache Verwendung findet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Begriff Sucht (engl. addiction) bereits 1964 durch den Begriff der Abhängigkeit (engl. dependency) ersetzt. Dennoch werden in Deutschland heute beide Begriffe nicht nur in der Boulevardpresse, sondern auch immer noch in amtlichen Publikationen wie dem »Drogen- und Suchtbericht« oder der neuen Broschüre »Moderne Drogen- und Suchtpolitik« der Drogenbeauftragten der Bundesregierung nebeneinander genutzt. Im politischen Raum hat sich hierzulande eine Angleichung an die international übliche Terminologie noch nicht durchgesetzt.

Der Begriff Sucht ist im gesellschaftlichen Diskurs negativ besetzt. Besonders deutlich kann man das an Begriffsbildungen wie Geldsucht, Gewinnsucht, Rachsucht, Ruhmsucht oder Zanksucht erkennen, die alle für moralisch verwerfliche Eigenschaften stehen. Kaum eine Assoziation zu diesen Begriffen ist frei von Abneigung und Abscheu. Begriffe wie Drogensucht und weit mehr noch Rauschgiftsucht sind für nicht wenige hierzulande die verbale Verkörperung eines bedrohlichen Schreckgespenstes.

Der Begriff Suchtmittel

Eine Substanz ist etwas Stoffliches, woraus etwas besteht, das heißt, dass man unter Substanz den chemischen Grundbestand versteht, also die naturwissenschaftlich begründete, zweckfreie Aussage über die chemische Zusammensetzung eines Stoffes. Ein Mittel ist etwas, was die Erreichung eines Zieles ermöglicht; das bedeutet, dass ein Mittel etwas ist, was zur Erreichung eines Zweckes dient.

Substanz ist die zweckfreie Aussage über etwas (z.B. einen Stoff), ein Mittel ist die soziale oder die individuelle Interpretation des Zwecks der Substanz beziehungsweise des Zwecks der Einnahme der Substanz. Schreibt man also einer Substanz einen bestimmten Zweck zu, so wird die Substanz zum Mittel.

Ein ähnliches Verhältnis existiert in der Pharmakologie und in der Toxikologie zwischen den Begriffen Stoff und Arzneimittel. Gemäß Arzneimittelgesetz (§ 3 AMG) sind Stoffe: »1. Chemische Elemente und chemische Verbindungen sowie deren natürlich vorkommende Gemische und Lösungen, 2. Pflanzen, Planzenteile und Pflanzenbestandteile in bearbeitetem und unbearbeitetem Zustand, 3. Tierkörper, auch lebende Tiere, sowie Körperteile, -bestandteile und Stoffwechselprodukte von Mensch und Tier in bearbeitetem und unbearbeitetem Zustand, 4. Mikroorganismen einschließlich Viren sowie deren Bestandteile oder Stoffwechselprodukte.«

Die nächste Kategorie ist sodann der immer noch neutral definierte Begriff des Wirkstoffes, der lediglich bestimmt, dass Stoffe nach der Aufnahme in den Organismus Wirkungen entfalten, wobei die Art der Wirkung und deren Bedeutung für die Gesundheit ohne belang sind. Mit dem Zusatz Arznei werden Stoffe zu Arzneistoffen, die dann »zur Anwendung in bzw. am Menschen oder Tier geeignet sind oder durch das Werturteil: nützlich für Mensch und Tier, charakterisiert sind.« Arzneistoffe werden zu Arzneimitteln dadurch, dass sie »dazu bestimmt sind, Krankheiten bei Mensch und Tier zu heilen, zu lindern, zu erkennen oder zu verhindern.« Der Stoff wird durch seine konkrete Zweckbestimmung zum Mittel.

Suchtstoffe sind demzufolge Stoffe, die nach der Aufnahme in den Organismus eine Sucht auslösen können und Suchtmittel sind nach den gegebenen Begriffsdefinitionen Mittel, die dazu bestimmt sind und mit der Absicht eingenommen werden, eine Sucht auszulösen oder zu erzeugen. Da jedoch kaum jemand eine Substanz einnimmt, um süchtig zu werden, ist die Sucht für den Konsumenten nicht das Ziel oder der Zweck der Einnahme und deshalb ist der Begriff Suchtmittel (als Mittel zur Sucht) im drogenpolitischen und aufklärerischen Kontext völlig fehl am Platz. Wer den Begriff Suchtmittel verwendet, offenbart, dass er akute Defizite in Kenntnissen der deutschen Sprache hat. … weiter lesen

03.09.2010 von Hans Cousto
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Muschi, Ficken und Arschgeweih

von Hans Cousto

Diese Worte fand ich nicht in Überschriften von Artikeln in der Boulevardpresse, nein, sie krönten eine Pressemitteilung der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren e.V (DHS) vom 12. August dieses Jahres. Der ganze Titel der Pressemitteilung lautet: »Muschi, Ficken und Arschgeweih – Deutscher Werberat versagt!«

Deutscher Werberat versagt!

Beim Deutschen Werberat weiß die rechte Hand nicht was die linke tut. Ein ums andere Mal wird deutlich, dass die so genannte »freiwillige Selbstregulierung der Werbewirtschaft« bei Alkoholwerbung nicht funktioniert. Sexistische Alkoholwerbung, auf Jugendliche gerichtetes Produktdesign neu erfundener Alkoholgetränke, Nutzung des positiven Images des Sports zur Verkaufsförderung – all dies ist in Deutschland unter dem Deckmantel der freiwilligen Selbstregulierung möglich. Offensichtlich ist der Werberat mit seinen Aufgaben völlig überfordert und wird der Flut neuartiger Werbemethoden und kreativer Werbestrategen nicht mehr Herr.

Unfähigkeit, Zufall oder bewusstes Verwirrspiel? Einige Beispiele für das heillose Durcheinander beim Deutschen Werberat: Auf der einen Seite rügt der Deutsche Werberat die Verwendung des Begriffs »Muschi« in der Alkoholwerbung für ein von den Herstellern selbsternanntes »Kultgetränk« und verkündet, »damit würden Frauen in unerträglicher Weise auf ihre sexuelle Funktion reduziert«. Auf der anderen Seite lehnt er eine Beschwerde der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gegen die Verwendung desselben Begriffs in einer anderen Alkoholwerbung ab. Originalzitat: »Schließlich ist die Bezeichnung „Kalte Muschi“ unseres Erachtens auch nicht diskriminierend in Bezug auf Frauen.« Frage: Was gilt nun?

Der Hersteller des Likörs »Ficken« wird öffentlich gerügt mit der Begründung, die Bewerbung seines Produktes verstoße gleich mehrfach gegen die Grundsätze des Deutschen Werberats. Ist aber scheinbar nicht so schlimm, denn die Internetseite, über die das Getränk vermarktet wird, existiert weiter. Konsequenzen – Fehlanzeige!

»Pussywunder« bewarb auf Flyer und Internetseite eine Produktpalette verschiedener Spirituosen mit besonders sexistischen und geschmacklosen Namen. Zur Hintergrundgestaltung wurden nackte Frauensilhouetten verwendet. Auf Beschwerde von mehreren Seiten nahm der Deutsche Werberat Kontakt zum Betreiber auf, woraufhin dieser sich bereit erklärte, die Werbung zu ändern oder nicht mehr zu schalten. Die Seite ging tatsächlich vom Netz – aber nur, um die Produkte auf anderen Websites zu vermarkten. Nachhaltigkeit – für den Werberat ein Fremdwort!

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