Verkehrstote, Alkohol und Drogen

Oft hört man – nicht nur an Stammtischen – dass früher alles besser gewesen sei und alles immer schlimmer werde. Dies mag vielleicht für bestimmte Bereiche des Lebens seine Richtigkeit haben, für die Sicherheit im Straßenverkehr gilt dies auf jeden Fall nicht.

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Verkehrstote in Deutschland

Wie das Statistische Bundesamt Deutschland (Destatis) am 24. Februar 2012 in einer Pressemitteilung bekannt gab, stieg die Zahl der Verkehrstoten im letzten Jahr um 9,4%. 3.991 Menschen starben im Jahr 2011 auf deutschen Straßen. Das waren 343 Getötete oder 9,4 % mehr als im Jahr 2010. Ein wesentlicher Grund für die negative Entwicklung bei den Verunglückten im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr sind die Witterungsbedingungen: Relativ milde Wintermonate, ein sehr warmer, trockener Frühling und ein vergleichsweise schöner Herbst haben zu mehr Getöteten und Verletzten geführt. Bei günstigen Witterungsbedingungen wird mehr und häufig schneller gefahren.

Im Jahr 2010 wurden auf  Deutschlands Straßen 3.648 Personen getötet. Das waren 504 Getötete oder 12% weniger als ein Jahr zuvor. Damit hatte sich der positive Trend der letzten Jahre in 2010 sogar noch verstärkt fortgesetzt: die Zahl der Getöteten erreichte 2010 den niedrigsten Stand seit 60 Jahren.

Gemäß Destatis lässt sich für 1953 das erste deutschlandweite Ergebnis (nach dem heutigen Gebietsstand) errechnen: 12.631 Verkehrstote bei einem Bestand von fast 4,8 Millionen motorisierten Fahrzeugen, das bedeutete beinahe 27 Tote je 10.000 Fahrzeuge. Beide Zahlen stiegen in den Folgejahren. Der Höchststand  wurde 1970 mit 21.332 Verkehrstoten gezählt, der Kraftfahrzeugbestand hatte inzwischen auf 20,8 Millionen zugenommen. Je 10.000 Fahrzeuge wurden somit zehn Getötete registriert. Seitdem ist – mit wenigen Ausnahmejahren – die Zahl der Verkehrstoten kontinuierlich gesunken, trotz weiter steigendem Fahrzeugbestand (2010: 52,3 Millionen Fahrzeuge). Bezogen auf den Kraftfahrzeugbestand gab es im Jahr 2010 weniger als einen Getöteten je 10.000 Fahrzeuge.

Verkehrstote in Deutschland im Rückblick (in Klammern: pro 100.000 Einwohner)

2010: 3.651 (4,5)
2005: 5.361 (6,5)
2000: 7.503 (9,1)
1990: 11.046 (13,9)
1980: 15.050 (19,2)
1970: 21.332 (27,3)

Zur Senkung der Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr haben u.a. folgende Maßnahmen beigetragen: Einführung der Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auf Landstraßen (1972); Einführung der 0,8 Promille-Höchstgrenze für den Blutalkoholkonzentrationswert (1973); Einführung des Verwarnungsgeldes bei Verstoß gegen die Gurtanlegepflicht (1984) und die Einführung der 0,5 Promille-Höchstgrenze für den Blutalkoholkonzentrationswert (1998).

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Durch Alkohol bedingte Verkehrstote in Deutschland

Im Jahr 2010 starben 346 Personen nach durch Alkoholkonsum bedingten Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen. Das waren 9,5% aller Verkehrstoten. Im Jahr 2000 wurden noch 1.022 Personen (13,6% aller Verkehrstoten) Opfer des Straßenverkehrs aus diesem Grund.

In den letzten Jahren wurden jeweils im Juni und im Dezember europaweite TISPOL Alkohol- und Drogenkontrollen durchgeführt. Im Jahr 2010 wurden hierbei in Deutschland weit über 100.000 Fahrzeuge angehalten und die Fahrzeuglenker überprüft. Dabei wurde offenbar, dass in Deutschland 1,2% der Fahrer einen zu hohen Alkoholgehalt im Blut hatten. Aufgrund der Tatsache, dass im gleichen Jahr 9,5% aller Verkehrstoten durch übermäßigen Alkoholkonsum vor der Fahrt maßgeblich mitverursacht wurden, kann man leicht errechnen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein angetrunkener Fahrer einen Unfall mit tödlichem Ausgang verursacht, etwa 8 mal größer ist, als dies bei einem nüchternen Fahrer der Fall ist.

Tispol (European Traffic Police Network) ist die Vereinigung der europäischen Verkehrspolizeien, vergleichbar mit Interpol im Kriminalbereich.

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Durch Drogen bedingte Verkehrstote in Deutschland

In den Statistiken wird bei Drogen nicht angegeben, um welche Substanzen es sich handelt und es wird auch nicht angegeben, in wie vielen Fällen bei den Fahrern sowohl Alkohol als auch andere Drogen festgestellt wurden. Deshalb haben die folgenden Angaben nur eine stark eingeschränkte Gültigkeit.

Bei den TISPOL Alkohol- und Drogenkontrollen wurden im Jahr 2010 in Deutschland bei 0,6% der Fahrer im Juni respektive bei 0,7% der Fahrer im Dezember der Konsum von anderen Drogen als Alkohol nachgewiesen. 43 Tote durch Drogeneinfluss bedingte Unfälle waren im Jahr 2010 zu beklagen. Das sind 1,2% aller verkehrstoten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein unter Drogeneinfluss stehender Fahrer einen Unfall mit tödlichem Ausgang verursacht, ist somit etwa doppelt so groß, wie dies bei einem nüchternen Fahrer der Fall ist.

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Die Situation in der Schweiz

Wie man der Pressemitteilung der Kantonspolizei Uri vom 27. Januar 2012 entnehmen kann, ist die gesamtschweizerische TISPOL-Koordinationsstelle bezüglich der operativen Massnahmen beim Polizeikommando Uri (amtliche Bezeichnung) angesiedelt. Gemäß dieser Pressemitteilung wurden im Dezember 2011 allein in der Schweiz und Liechtenstein gesamthaft 7.666 Verkehrsteilnehmende kontrolliert. Dabei wurden 430 Personen festgestellt, deren Fahrfähigkeit durch Alkohol eingeschränkt war. In 65 Fällen standen die Kontrollierten unter Drogeneinfluss. Demnach standen 5,61% der kontrollierten Personen unter Alkoholeinfluss und 0,85% unter Drogeneinfluss. Im Dezember 2010 wurde bei einer gleich gearteten Kontrolle festgestellt, dass 5,48% der Fahrer unter Alkoholeinfluss standen und 0,98% unter Drogeneinfluss. In der Pressemitteilung des Polizeikommandos Uri steht zwar, dass bei den Kontrollierten unter Drogeneinfluss ein Rückgang von 7,59 % auf 6,70 % zu verzeichnen war, doch die Berechnung aus den absoluten Zahlen ergibt ein anderes Resultat, wie weiter oben in diesem Absatz aufgeführt. Dies ist jedoch nicht die einzige falsche Angabe, die man in dieser Pressemitteilung finden kann.

Offensichtlich ist jedoch – das kann man auch anderen Angaben von TISPOL entnehmen – sind in der Schweiz weit mehr Fahrer unter Alkoholeinfluss unterwegs als in Deutschland. Im Jahr 2010 starben 63 Personen nach durch Alkoholkonsum bedingten Verkehrsunfällen auf schweizer Straßen. Das waren 19,3% aller Verkehrstoten. Im Jahr 2000 wurden noch 266 Personen (19,3% aller Verkehrstoten) Opfer des Straßenverkehrs aus diesem Grund. Insgesamt gab es jedoch innerhalb der letzten Jahre in der Schweiz in Relation zur Bevölkerung weniger Verkehrstote als in Deutschland. Die Rückläufigkeit der Opferzahlen entwickelte sich ähnlich wie in Deutschland, obwohl die Einwohnerzahl in der Schweiz viel stärker angewachsen ist als in Deutschland.

Verkehrstote in der Schweiz im Rückblick (in Klammern: pro 100.000 Einwohner)

2010: 327 (4,2)
2005: 409 (5,5)
2000: 592 (8,2)
1990: 954 (14,1)
1980: 1.246 (19,7)
1970: 1.694 (27,4)

Kommentare (4)

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  1. Solche Statistiken dienen nur dazu die drakonischen Strafen bei Verkehrsvergehen zu rechtfertigen. Wie immer fehlt hier der Wert pro Million gefahrene KM nach dem Unfallstatistiken grundsätzlich berechnet werden. Die Verkehrstoten machen gerade mal 10% der durch Unfälle umgekommenen. Die Sport-, Arbeit und „zu Hause von der Leiter gefallen“ Unfälle werden nie erwähnt, damit keiner mitbekommt, dass es sich bei den Verkehrstoten eigentlich um einen nicht weiter zu erwähnenden Marginalwert handelt.

  2. Pingback: Wieder mehr Drogentote? | Drogerie

  3. ich bin ebenso grundsätzlich misstrauisch was statistiken angeht. dennoch glaube ich an den erfolg gewisser (politischer) maßnahmen. es bleibt aber noch viel zu tun und ich befürchte, dass sich die probleme einfach nur verschieben könnten. was zum beispiel alkohol angeht sehe ich schon lange in meinem umfeld die leichtfertigkeit weichen. dafür hab ich schon das ein oder andere mal an mir selbst festgestellt, dass 11 stunden arbeit (um nur eine weitere mögliche ursache zu nennen) die fahrtüchtigkeit genauso einschränken können wie alkohol (mit drogen hab ich keine erfahrung). wie unfälle zustande kommen ist schlussendlich ja fast nebensächlich. letzten endes ist jeder tote durch einen solchen verkehrsunfall einer zuviel. egal ob alkohol, drogen, tabletten oder einfach nur überheblichkeit.

  4. Wer sich die Unfallzahlen genau ansieht, wird feststellen müssen, dass der weitaus größte Teil der Unfälle durch substanzfreie Fahrer verursacht werden, alleine aufgrund von Missachtung bestehender Verkehrsregeln. Neben allgemeinen Abiegefehler 17%, und Missachtung von Vorfahrsregelungen 17%, waren an dritter Stelle eine unangepasste Geschwindigkeit (16%) die Unfallursache in 2010. Von den insgesamt ca. 350.000 Unfälle mit Personenschäden durch Fehlverhalten der Fahrer, war die Unfallursache bei ca. 20.000 Unfällen auf eine eingeschränkte Fahrtauglichkeit zurückzuführen. Hierunter fallen neben Alkohol und Drogenfahrten auch Unfälle die auf Übermüdung, oder andere körperliche und geistige Mängel zurückzuführen waren.
    Also vergleichen wir die Zahlen der Gruppe miteinander, deren Ursache ausschließlich auf eine Einschränkung der Fahrtüchtigkeit zurückzuführen waren.
    Demnach verteilten sich die Unfallursachen aufgrund eingeschränkter Fahrtüchtigkeit laut statistischem Bundesamt in 2010 wie folgt auf:
    Platz 1 Alkoholunfälle (ca. 14.400)
    Platz 2 „andere körperliche oder geistige Mängel“ (ca. 3.200)
    Platz 3 Übermüdung hintern Steuer (ca. 1.600)
    Platz 4 „andere berauschende Mittel; Drogen u. Medikamente (ca. 1.200)

    Hieran lässt sich ablesen, dass die Wahrscheinlichkeit kleiner ist, von einem Drogenbeeinflussten Fahrer über den Haufen gefahren zu werden, als von einem übermüdeten Fahrzeugführer……