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vonHans Cousto 24.04.2013

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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Nirgendwo in Deutschland werden mehr Kinder und Jugendliche nach Alkoholexzessen ins Krankenhaus eingeliefert als in bayerischen Städten. Das geht aus einem Bericht in der aktuellen Ausgabe des Spiegel (Nr. 17/2013, S. 16) hervor. 75% der 16 Städte, in denen mehr als 60 Kinder und Jugendliche je 10.000 Personen aus der betroffenen Altersgruppe im Jahr 2011 wegen akuter Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten, liegen im Freistaat Bayern (BY). Rang zwei belegt in dieser Statistik Rheinland-Pfalz (RP) und Rang drei Baden-Würtemberg (BW). In der folgenden Liste sind die Städte respektive Landkreise aufgelistet, in denen am häufigsten Kinder und Jugendliche nach Alkoholexzessen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.
(BY) Memmingen: 99
(RP) Pirmasens: 89
(BY) Schweinfurth:83
(BY) Fürth: 82
(BY) Kempten: 79
(BY) Regensburg: 77
(BY) Nürnberg: 76
(BY) Straubing: 76
(BY) Ansbach: 69
(BY) Landshut: 65
(BW) Badn-Baden: 65
(BY) Kaufbeuren: 64
(RP) Worms: 64
(BY) Amberg: 63
(BY) Erlangen: 62
(RP) Kreis Birkenfeld: 62

Zum Vergleich:

Berlin: 14
Hamburg: 13

Die Wahrscheinlichkeit, dass in Memmingen Kinder oder Jugendliche nach Alkoholexzessen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen, ist um den Faktor sieben gößer als in Berlin oder Hamburg. In Nürnberg und Fürth beispielsweise liegt der Faktor immer noch weit über fünf im Vergleich zu den norddeutschen Millionenstädte. Eine vernünftige Präventionspolitik ist offenbar in Bayern Fehlanzeige.

Auch die Statistik zu den sogenannten „Drogentoten“ zeigt deutlich, dass Bayern eine ungesunde Drogenpolitik umsetzt. Das Deutsche Ärzteblatt vermeldete am 27. Dezember 2012, dass die Zahl der Drogentoten in Deutschland in diesem Jahr den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren erreichen könnte. Aus fast allen Ländern, in denen schon Zahlen vorlagen, wurde bei einer dapd-Umfrage ein deutlich rückläufiger Trend gemeldet. Dies gilt jedoch nicht für den Freistaat Bayern, dort sind die Todesfälle gemäß Kriminalstatistik wieder deutlich gestiegen von 177 im Jahr 2011 auf 213 im Jahr 2012, was einer Zunahme von 20,3 % entspricht. Vergleiche hierzu auch „Die Tragödie von Nürnberg“ – in Nürnberg sind im Jahr 2010 insgesamt 29 sogenannte „Drogentote“ registriert worden, das entspricht einer Opferzahl von 5,8 pro 100.000 Einwohner – mehr als in jeder anderen Großstadt in Deutschland.

In Sachen Überwachung und Datensammeln liegt Bayern ganz vorne. In der Sendung „Funkstreifzug“ im Programm von B5 aktuell hatte der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Petri geschätzt, dass es in der Kriminalaktennachweis-Datei (KAN) Einträge von etwa einer Million Bürgern aus Bayern gibt. Eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Landtag ergab jedoch, dass weit mehr Bürger gespeichert sind, nämlich exakt 1.733.745. Ein gutes Drittel aller knapp fünf Millionen Kriminalakten in Deutschland betrifft damit bayerische Bürger. Die Wahrscheinlichkeit in Bayern, in dieser Datei erfasst zuwerden, ist somit weit mehr als doppelt so groß, als im Bundesdurchschnitt. Präventiv wirkt sich diese Datensammelwut nicht aus, eher im Gegenteil – Kinder und Jugendliche versuchen in Bayern offenbar mehr als an anderen  Orten sich durch übermässigen Suff sich für ein paar Stunden der Realität von Kontrolle und Überwachung zu entsziehen.

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