vonHans Cousto 26.06.2015

Drogerie

Aufklärung über Drogen – die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

Mehr über diesen Blog

Heute, Freitag, 26. Juni 2015, ist wieder „Weltdrogentag“. Der „Weltdrogentag“, offiziell International Day against Drug Abuse and Illicit Trafficking oder Internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr findet jährlich am 26. Juni statt. Dieser Aktionstag wurde im Dezember 1987 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen festgelegt und ist gegen den Missbrauch von Drogen gerichtet. Ähnlich wie der Weltnichtrauchertag ist der Weltdrogentag jedes Jahr Anlass für Aktionen und Pressemitteilungen. Seitens der Vereinten Nationen ist das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) für den „Weltdrogentag“ verantwortlich.

Das alte Motto des Weltdrogentages

Wie auf der Website www.weltdrogentag.eu zu lesen ist, war das Motto des Weltdrogentages in den letzten Jahren: „Drogenkontrolle kontrolliert MEIN LEBEN! Dein Leben. Dein Umfeld. Dein Platz für Drogen.“ Dieser Slogan gilt für drei Jahre und widmet sich jedes Jahr jeweils einem der folgenden Themen: Drogenmissbrauch, Drogenproduktion und Kultivierung sowie das Illegalisieren des Drogenhandels.

Mit dieser Kampagne möchte das UNODC die Aufmerksamkeit auf die großen Probleme durch illegalisierte Drogen in der Gesellschaft lenken. Kein Mensch, keine Familie und keine Gemeinschaft ist in Sicherheit, wenn Drogenkontrollen überhand nehmen.Schadensminderung durch präventives Kiffen?Schadensminderung durch präventives Kiffen?

Drogenkontrolle kann den Geist von eigenständigen Konsumenten schädigen und deren Körper gefangen nehmen. Der Anbau von Pflanzen, die zu den „Drogen“ gezählt werden können helfen, Landwirten in kriegszerstörten Ländern ihre Familien zu ernähren. Drogenrepression schafft Kriminalität und illegalen Handel.

Das Ziel der Kampagne ist es, Personen zu inspirieren und Unterstützung für eine gerechte und effektive Drogenpolitik zu finden. Die Vorgaben sind schlicht und die Slogans flexibel. Beispielsweise können Variationen des Slogans für verschiedene Kontexte angepasst werden.

Das neue Motto des Weltdrogentages

Gemäß Website der Vereinten Nationen lautet das neue Motto des Weltdrogentages: „Lasst uns unser Leben, unsere Lebensgemeinschaft und unsere Identität ohne Drogen entwickeln.“ (Lets Develop – Our Lives – Our Communities – Our Identities – Without Drugs).

Das bedeutet im Klartext, dass das UNODC eine drogenfreie Welt anvisiert: Kein Kaffee mehr, kein Alkohol mehr, kein Tabak mehr, kein Hanf mehr, keine Zauberpilze mehr, also kein gar nichts mehr, dass aufgrund seiner psychotropen Wirkung her das Gemüt, die Sinne und den Geist erfreuen kann. Das UNODC fordert mit diesem Motto eine nüchterne normative Welt in der Drogenkultur kein Platz hat. Ob eine solche Welt in erster Linie die Lebensqualität der Menschen verbessert oder ob es bei der Durchsetzung einer Gesundheitsdiktatur, deren Auswirkungen man ja heute schon beim „globalen Krieg gegen Drogen“ beobachten kann, vorwiegend Lebensgrundlagen von Menschen zerstört werden, darüber schweigt sich das UNODC aus. Angaben zu den Kollateralschäden der derzeitigen und der anvisierten Drogenpolitik sucht man vergeblich in den amtlichen Pressemitteilungen zum Weltdrogentag.

Schadensminderung durch Kiffen

In Berlin wird viel gekifft. 41,5% der Berlinerinnen und Berliner haben schon mal in ihrem Leben gekifft, 11,3% taten dies im letzten Jahr und 5,3% im Letzten Monat (Kraus, Pabst, Gomes de Matos & Piontek; Epidemiologischer Suchtsurvey Berlin 2012, S. 34). Zum Vergleich: Bundesweit haben in Deutschland 23,2% der Bevölkerung schon mal gekifft, im letzten Jahr waren es 4,5% und im letzten Monat 2,3% (REITOX Jahresbericht für Deutschland 2014, S. 29). In Berlin kiffen aktuell somit mehr als doppelt so viele Menschen als im Bundesdurchschnitt.

Auch in Hamburg wird viel gekifft. Das Büro für Suchtprävention der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e. V. veröffentlichte 2014 zahlen zum Cannabis- und zum Alkoholkonsum in Hamburg und einigen anderen Orten zum Vergleich. Im Hamburg sank die Lebenszeitprävalenz (mindestens einmal im Leben konsumiert) von Alkohol bei den 14- bis 17-jährigen im Zeitraum von 2007 bis 2012 von 83 auf 77 Prozent, die Lebenszeitprävalenz von Cannabis stiegt hingegen von 23 auf 29 Prozent. Die 30-Tage-prävalenz (mindestens einmal im letzten Monat konsumiert) von Cannabis stieg im gleichen Zeitraum bei den 14- bis 15-jährigen von 7 auf 13 Prozent und bei den 16- bis 17-jährigen von 11 auf 22 Prozent. Dies sind deutlich höhere Werte als im Bundesdurchschnitt.

Wo viel gekifft wird, da wird offensichtlich weniger gesoffen, da in Hamburg und in Berlin weit weniger Menschen aufgrund einer Alkoholintoxikation in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Im Drogen- und Suchtbericht vom Mai 2015 ist auf Seite 21 eine ganzseitige Abbildung zu sehen, auf der die Krankenhausbehandlungen aufgrund von Alkoholvergiftungen für die einzelnen Bundesländer in Relation zur Einwohnerzahl (pro 100.000 Einwohner) dargestellt sind. Die niedrigsten Werte weisen die Stadtstaaten Hamburg (131,4) und Berlin (162,6) auf, für Bayern ist ein Wert angegeben, der mehr als dreimal so groß ist wie derjenige für Hamburg. In Bayern mussten über 430 Personen pro 100.000 Einwohner wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Nur im Saarland waren es noch mehr: 505,1.
Krankenhausbehandlungen aufgrund von Alkoholvergiftungen für die einzelnen Bundesländer in Relation zur Einwohnerzahl (pro 100.000 Einwohner)
Die Abbildung zeigt die Zahl der Krankenhausbehandlungen aufgrund von Alkoholvergiftungen in den einzelnen Bundesländern je 100.000 Einwohner im Jahr 2013. Komasaufen scheint im Saarland und in Bayern üblicher zu sein als in den Kifferhochburgen Hamburg und Berlin.

Präventives Kiffen

Die OECD publizierte am 12. Mai 2015 unter dem Titel „Eindämmung von schädlichem Alkoholkonsum“ eine Reihe von Vorschlägen, wie der exzessive Alkoholkonsum eingedämmt werden könnte. Unter den Vorschlägen ist „präventives Kiffen“ nicht zu finden, obwohl man durch Kiffen statt Saufen die Morbiditätskosten wie auch die Mortalitätskosten drastisch senken könnte. Letzteres vor allem, da aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums jährlich allein in Deutschland Zehntausende von Menschen sterben, aufgrund eines übermäßigen Cannabiskonsums jedoch keine Todesfälle bekannt sind.

Dass Kiffer weniger saufen als die Durchschnittsbevölkerung ist seit langem bekannt. So hat die Arbeitsgruppe „Hanf und Fuß“ bereits im Jahr 1993 bei einer großen Umfrage festgestellt, dass Kiffer beim Joint oder bei der Wasserpfeife lieber Tee als Bier trinken. In der 1994 im Nachtschatten Verlag und bei Werner Pieper’s MedienXperimente unter dem Titel „Unser gutes Kraut – Das Portrait der Hanfkultur“ erschienen Auswertung der Umfrage kann nachgelesen werden, was Kiffer gerne beim Rauchen trinken (Mehrfachnennungen möglich):

69%: Tee, Chai
60%: Bier
54%: Kaffee
51%: Wein, Schaumwein
16%: Schnaps

Das alternative Motto zum Weltdrogentag lautet deshalb: Präventives Kiffen gegen Komasaufen

Vergl. herzu: Schadensminderung durch präventives Kiffen?

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/drogerie/2015/06/26/praeventives-kiffen-gegen-komasaufen/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Die UNO wird 70!
    Kein „Happy Birthday“

    Ihrem Anspruch, Kriege, militärische Eskalationen und systematische Menschenrechtsverletzungen zu verhindern sowie Folter und Todesstrafe zu ächten, wurden die Vereinten Nationen im Laufe ihres Bestehens ganz offensichtlich nicht gerecht.

    Doch an einer Stelle können die UN auf eine fatale Erfolgsstory verweisen: mit der Kraft ihrer Struktur und Autorität hat die UNO die Prohibition weltweit installiert. Eine Drogenpolitik, die auf Repression, Strafverfolgung und gesellschaftlicher Ausgrenzung beruht, wurde mit Hilfe der Weltorganisation global zum verbindlichen Maßstab erklärt, so u.a. in der Single Convention on Narcotic Drugs von 1961 und die Drogenkonvention von 1988 über Suchtgifte und psychotrope Stoffe. Diese Abkommen erheben den Anspruch völkerrechtlicher Verbindlichkeit und zwingen die einzelnen Staaten geradezu, die Prohibition als Grundlage nationaler Drogenpolitik umzusetzen.

    Der Internationale Suchtstoffkontrollrat INCB und das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC als Teil des UN-Sekretariats überwachen die Einhaltung dieser Prohibitionspolitik und fördern rigide Drogenbekämpfungsmaßnahmen. So haben sich diese UN-Einrichtungen aktiv gegen Liberalisierungsabsichten einzelner Staaten gewendet, so u.a. gegen Einrichtung von Drogengebrauchsräumen (Fixerstuben), gegen den Einsatz von Cannabis oder synthetischem THC für medizinische Zwecke, gegen eine Herausnahme des traditionellen Gebrauchs von Kokablättern aus den UN-Konventionen, gegen eine ärztliche Heroinvergabe an Abhängige oder in jüngerer Zeit gegen Re-Legalisierungsschritte für Cannabis. Demgegenüber besteht eine enge Zusammenarbeit u.a. mit dem Iran, in dessen Folge die Militarisierung der Drogenpolitik und Massenhinrichtungen auf Grund von Drogendelikten in der Region zugenommen haben.

    Die globale Prohibition hat letztlich zu einem weltweitem Krieg geführt, der ganzer Regionen destabilisiert. Schwarzmarkt, organisierte Kriminalität und Korruption gewinnen an Einfluss. Folter, systematische Menschenrechtsverletzungen, extralegale Hinrichtungen und legale Exekutionen sind direkte Folgen dieser UN-Proklamationen.

    Ohne die UNO wäre die Welt noch gewalttätiger? Im Bereich Drogenpolitik muss man das Gegenteil feststellen: die UNO ist direkt für Krieg, Militarisierung und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Durch sie wurde die Prohibition noch gewalttätiger!

    26. Juni 2015,Gera
    Michael Kleim, Mitglied im Schildower Kreis

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.