vonHans Cousto 22.01.2018

Drogerie

Aufklärung über Drogen - die legalen und illegalen Highs & Downs und die Politik, die damit gemacht wird.

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Eine dreckige Droge wird immer beliebter

Speed (Amphetamin) wird als Analeptikum (erfrischendes, belebendes, anregendes Mittel) bezeichnet. Der Begriff Analeptikum ist von dem griechischen Begriff Analeptikon (erfrischend, kräftigend, stärkend) abgeleitet. Speed, auch Pep oder Peppen genannt, gehört zur Stoffklasse der β-Phenethylamine.

Partyleute nehmen Speed, um nachts durchgehend fit zu bleiben und durchzutanzen. Speed wird jedoch nicht nur zum Feiern, sondern ebenso auch zum Arbeiten konsumiert. Vor allem Leute, die lange konzentriert (fehlerfrei) arbeiten müssen, konsumieren nicht selten regelmäßig Speed. Nach dem Schnupfen von 30 bis 50 Milligramm Amphetamin setzt die Wirkung nach 30 bis 120 Sekunden ein, wobei die allgemeine Grundstimmung für vier bis fünf Stunden angenehm beeinflusst wird und die allgemeine Motivation zur Leistung wie auch der Tatendrang angeregt werden. Bei Gewohnheitskonsumenten (Dauerkonsumenten) hält die Wirkung nur bis zu zwei Stunden an und ist bei weitem nicht so stark ausgeprägt wie bei Gelegenheitskonsumenten.

Obwohl Amphetamin auf dem Schwarzmarkt in Deutschland meistens sehr stark mit Streckmitteln versetzt ist, nahm die Zahl der Konsumenten in den letzten Jahren deutlich zu. Gemäß Jahresbericht der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) zeigt sich über den Zeitraum der letzten 25 Jahre bei Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren ein insgesamt ansteigender Trend des Amphetaminkonsums von 0,4 Prozent im Jahr 1990 auf 1,0 Prozent im Jahr 2015.

Bei etwa 47 Prozent der Personen, die Speed innerhalb der letzten zwölf Monaten vor der Befragung konsumiert haben, beschränkt sich der Konsum auf maximal fünf Konsumgelegenheiten. Hier handelt es sich um Gelegenheitskonsumenten. Einen häufigen Konsum von mindestens hundert Gelegenheiten innerhalb der letzten zwölf Monaten gaben 17 Prozent der Amphetaminkonsumierenden an.

Wirkstoffgehalte in analysierten Proben

Weit über zehn Jahre lag der Amphetamingehalt in analysierten Proben von auf dem Schwarzmarkt in Deutschland stammenden Speed nahezu kontinuierlich zwischen fünf und zehn Prozent. Ab dem Jahr 2012 setzte dann ein Aufwärtstrend ein, wie auf der folgenden Grafik zu sehen ist.

Die Grafik zeigt als Zeitreihe den jährlichen durchschnittlichen Wirkstoffgehalt in als Amphetamin deklarierten Proben. Die untere blaue Linie zeigt die Entwicklung in Deutschland von 1996 bis 2016, die obere rote Linie zeigt die Entwicklung in der Schweiz von 2007 bis 2016. Datenquellen: DBDD und Saferparty.
Durchschnittliche Wirkstoffgehalte in als Amphetamin deklarierte Proben – Zeitreihe 1996 bis 2016

Die Grafik zeigt als Zeitreihe den jährlichen durchschnittlichen Wirkstoffgehalt in als Amphetamin deklarierten Proben. Die untere blaue Linie zeigt die Entwicklung in Deutschland von 1996 bis 2016, die obere rote Linie zeigt die Entwicklung in der Schweiz von 2007 bis 2016. Datenquellen: DBDD und Saferparty.

Der in Deutschland seit 2012 bestehende Trend zu höheren Wirkstoffgehalten hat sich 2016 nicht fortgesetzt. Der Medianwert lag 2016 bei 13,8 Prozent und ist gegenüber dem Vorjahr leicht gefallen (2015: 14,6 Prozent). Bei den Zusatzstoffen war Coffein mit 96,1 Prozent in den ausgewerteten Proben am häufigsten vertreten. Die Behauptung in der Pressemitteilung vom 14. Dezember 2017 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, dass der markanteste Anstieg von Wirkstoffgehalten in diesem Jahr bei den Amphetaminen zu verzeichnen sei und dieser sich von 2015 auf 2016 vervierfacht habe, ist sachlich falsch und hat nichts mit der Realität zu tun. Diese Pressemitteilung gehört in die Kategorie Fake News.

Im Jahr 2016 kostete ein Gramm Speed in Deutschland durchschnittlich 11,80 Euro. In Relation zum Wirkstoffgehalt führt das zu einem Preis von etwa 85,50 Euro pro Gramm reines Amphetamin. Zum Vergleich: Ein Gramm reines Kokain kostete 2016 in Deutschland etwa 102 Euro, der Preis pro Gramm für Kokain in Straßenhandelsqualität lag 2016 bei durchschnittlich 75,80 Euro. Siehe hierzu auch: Wenn Koksnasen frohlocken.

In der Schweiz ist der durchschnittliche Amphetamingehalt seit dem Jahr 2011 kontinuierlich gestiegen und erreichte im Jahr 2016 den Wert von 44,6 Prozent. Der Amphetamingehalt der analysierten Proben variierte jedoch stark und lag zwischen einem und 97 Prozent. Neben den bekannten Nebenwirkungen stellen der stark variierende Amphetamingehalt, die Syntheseverunreinigungen und die Streckmittel ein Gesundheitsrisiko dar. Es ist optisch nicht erkennbar, wie hoch der effektive Amphetamingehalt der jeweiligen Probe ist und deshalb besteht die Gefahr einer Überdosierung.

Safer Sniffing

Was nur wenige wissen: Auch das Teilen von Sniff-Utensilien wie Röhrchen oder Banknoten kann gefährlich sein. Schon kleine Verletzungen in der Nasenschleimhaut, welche gerade beim Sniffen durch scharfkantige Röhrchen entstehen können, genügen, um sich beispielsweise mit dem Hepatitis-Virus oder Herpes zu infizieren. Deshalb: Kein gemeinsames Benutzen von Röhrchen oder Banknoten beim Sniffen!

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http://blogs.taz.de/drogerie/2018/01/22/schlechte-karten-fuer-speedfreaks/

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