Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, UNODC, hat es nun in ihrem Bericht weltweit offiziell gemacht: Neue Psychoaktive Substanzen (NPS) stellen eine Herausforderung dar.
Die Substanzen, die bisher Designerdrogen, Research Chemicals, Badesalze oder Legal Highs genannt wurden, haben eine Abkürzung bekommen, unter der sie zusammengefasst werden. Wobei neu nicht heißen muss, dass die Substanzen neu entwickelt wurden, sondern dass sie erst seit kurzem auf dem Markt sind. Und Markt bedeutet hier in erster Linie Online-Markt. Diese NPS werden, da sie eben neu sind, von der Gesetzgebung der meisten Länder nicht erfasst.
Waren es 2007 noch 15 NPS, die auf dem europäischen Markt von der EMCDDA registriert wurden, so wurden im vergangenen Jahr 73 NPS bemerkt. Insgesamt weiß man seit Mai 2005 von 236 NPS. Letztes Jahr wurden in Deutschland 28 dieser Substanzen in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen. Die Regierung kann also kaum mit dem… weiter lesen
Archive for the ‘Legal Highs’ Category
Nachdem Österreich schon ein Konzept erarbeitet hat, hat nun auch die Schweiz ganze Substanzgruppen verboten. Auerßdem wurden 51 Einzelsubstanzen ins Betäubungsmittelgesetz aufgenommen. Diese stehen mit den 7 verbotenen Verbindungsklassen im sogenannten Verzeichnis e, das “Rohmaterialien und Erzeugnisse mit vermuteter betäubungsmittelähnlicher Wirkung” auflistet. Es reicht also schon die Vermutung eine Substanz könne psychoaktiv wirken, um sie zu verbieten. Auch wenn die Substanz noch gar nicht existiert. Das Verbot von Substanzgruppen schließt nämlich auch Substanzen ein, die aus einer bestimmten Grundstruktur abgeleitet werden könnten. Auch wenn dies noch nicht geschehen ist. Die Unschuldsvermutung gilt vielleicht für Menschen, aber nicht für Moleküle.
Mit diesem Gesetz “ist die Schweiz wieder in der Lage, der Geschwindigkeit des Designer-Drogen-Marktes wirkungsvoll entgegen zu treten.” Weniger beliebte Substanzen werden sicherlich fast verschwinden von einem Markt, der sich durch Gewaltlosigkeit auszeichnet. Substanzen mit großer Nachfrage werden weiter gehandelt werden – von organisisierten Kriminellen.
So gesehen… weiter lesen
Vor vier, fünf Jahren noch waren synthetische Drogen, deren Namen meist aus Buchstaben/Zahlenkombinationen bestanden wie 4-Ho-Met oder JWH-018 einem relativ kleinen Kreis von Menschen bekannt und die Anzahl der Bezugsquellen war überschaubar. Spätestens seit dem Medienhype um Spice, der rasanten Verbreitung von Mephedron vor allem in Großbritannien und dem EU-weiten Verbot letzterer Substanz stehen die Dinge anders.
Es gibt eine große Palette an noch nicht illegalisierten Substanzen und jede Menge Headshops und Online-Händler, die sie vetreiben, vor allem die Anzahl der Cannabinoide ist gestiegen, einfache Verfügbarkeit und Legalität mögen ein Kaufargument sein.
In Österreich hat man nun einen Vorschlag erarbeitet, der Konsumenten schützen und Händler bestrafen soll, das Neue-Psychoaktive-Substanzen-Gesetz (NPSG). “Mit dem neuen Gesetz wollen wir ganze Substanzgruppen und auch ihre gesundheitsgefährdenden Abwandlungen verbieten.”, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger. Diese Substanzgruppen sollen nicht im Gesetz, sondern per Verordnung festgelegt werden, was eine schnelle Reaktion auf… weiter lesen
Den “Kick von Kaffee ohne Tasse” verspricht ein neues Gerät, das der Medizintechniker David Edwards auf den Markt gebracht: der Koffein-Inhalator. Dazu heißt es auf Telepolis: “Wie hoch der Koffeingehalt tatsächlich ist bleibt unklar. Unklar ist auch, ob das Koffein tatsächlich in der Lunge landet oder aber über die Mundschleimhäute und den Magen aufgenommen wird. Der Preis pro Stick auf dem US-Markt: Rund 3 US-Dollar. Was kommt als nächstes? Injizierbarer Earl Grey?”
Erst unlängst hatte der britische Neuopharmakologe David Nutt die Entwicklung künstlichen Alkohols vorgeschlagen, der nur die angenehmen Aspekte des Rauschs simuliert, Leber Magen und Kreislauf aber nicht belastet, und durch ein Gegenmittel auch wieder ausgeschaltet werden kann. Bis zur Entwicklung zur Marktreife wird es allerdings noch dauern und ob Saufen ohne zu Trinken sich wirklich durchsetzt scheint genauso fraglich wie die Verbreitung des Inhalierens von Kaffee.
Bis 1902 erhielt Coca-Cola die stimulierenden Extrakte der Koka-Pflanze, der das Getränk seinen Namen verdankt. Jetzt kommt in Bolivien wieder ein Erfrischungsgetränk mit Koka-Gehalt auf den Markt – Coca Colla. Mehr über diese Rückkehr zu den Wurzeln und andere legale Koka-Produkte in Bolivien im taz-Blog Latinorama
Ich schreibe gerade an eine Buch über 100 Jahre Drogenprohibtion unter dem Arbeitstitel “Sucht und Ordnung” (erscheint im Herbst) – und da paßt es prima, dass die taz ein Blog zur Drogenpolitik eröffnet, zu dem ich aus dem reichlichen Fundus, der bei den Recherchen so anfällt, hier gelegentlich Historisches und Aktuelles beisteuern will. Heute eine mail, die mir der Kollege Helmut Hoege gestern schickte, zum Thema Alkohol und Männer:
Wein oder Weib.
Im Jahr 1805/06 veröffentlichte der Populärphilosoph und braunschweigische Hofrath Carl Friedrich Pockels “eines der wichtigsten Werke zum Männlichkeitsdiskurs um 1800″: das zweibändige “Der Mann. Ein anthropologisches Charaktergemälde seines Geschlechts”. Wie fast alle Aufklärer vor und nach ihm kommt er darin zu der Auffassung, dass der Mann seiner Natur nach asozial/egoistisch, aggressiv und unzivilisiert ist, erst durch den Einfluß einer Ehefrau wird aus ihm ein das Soziale nicht mehr gefährdendes Individuum. 2008 hat der Soziologe Christoph Kucklick die
