Slow Food aus Rumänien, Weine aus Moldova

Eigentlich wollte ich im rumänischen Iasi gestern zwei Studentinnen treffen, doch obwohl sie sich zunächst überaus bereit zeigten zu einem Gespräch, kamen sie nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Während ich auf sie wartete, entdeckte ich in der Uni ein Plakat von Slow Food Iasi, mailte an die angegebene Adresse und erhielt schon nach einer Stunde einen Antwort. Also traf ich mich mit der Gründerin der Geniesserbewegung in einm klitzekleinen Lokal, das sich gleich mehrere Ziele gesetzt hatte: vegetarisch sollte es sein, die Produkte aus der Region stammen und zu fairen Preisen bei den Bauern gekauft sein. Das Wasser kam aufbereitet durch einen Filter umsonst auf den Tisch und es gab Gerichte, die allein an diesem Tag aus frischen Zutaten vom Markt hergestellt wurden. Das Restaurant ist ein bißchen so etwas wie das alternative Zentrum Iasis und die Ziele, die die dahinterstehende NGO verfolgt, sind nicht so sehr verschieden von denen in Deutschland. So versucht man, alle Plastikverpackungen zu vermeiden, denn die Straßen der region sind voll von herumliegenden Plastiktüten. Und die Slow Food Gründerin war die erste Person, die ich seit meiner Ankunft an der Eu-Außengrenze vor zehn Tagen mit Mountainbike gesehen habe.

Ziemlich ungern verlies ich Iasi, wo ich mich einfach wie in meinem europäischen Zuhause gefühlt habe und kehrte mit unguten Gefühlen und dem Mercedes Sprinter zurück in das auf mich so chaotisch wirkende Chisinau. Doch dort machte ich an diesem Tag nur gute Erfahrungen. Ich war bei zwei Weingütern, einem ganz großen und einem sehr kleinen, und bei beiden waren die Weinmacher voll Optimismus für ihre Produkte. Und die Weine wirklich ausgesprochen gut, besser als in Rumänien. Die Chance auf dem europäischen Markt sehen die Winzer darin, dass sie „Naturweine“ produizieren, also „dank“ ihrer Rückständigkeit ohne künstliche Aromen aus der so genannten Reinzuchthefe auskommen, wie sie in Westeuropa immer öfter eingesetzt werden. Russland war stets der wichtigste Abnehmer für das kleine Land, doch Moskau hat wegen dem Assoziierungsabkommen Moldovas mit der EU die Weine als „belastet“ bezeichnet und ein Embargo verhängt. Exportiert wird dorthin nicht mehr und so sucht man nach neuen Absatzmöglichkeiten im Westen. Doch dort, so heißt es unisono, wisse eben kaum jemand, wo Moldava liege. Moldovas Weine jedoch sind meiner Ansicht nach besser als die rumänischen, tschechischen und slowakischen. Und sie haben natürlich ein sensationelles Preis-Leistungsverhältnis. Gesucht wird jetzt nur noch ein Importeur.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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