Maueröffnung auf slowakisch-ukrainisch

Meine fast dreiwöchige Reise an die Außengrenze der EU ging heute mit einem völlig überraschenden Erlebnis zu Ende. Ja, es schien so etwas wie ein symbolisches Ende dieses Abenteuers zu sein. Denn an der slowakisch-ukrainischen Grenze zwischen Uzgorod und Cierna nad Tisou wurde die „Mauer“, die zwei einst zusammengehörende Dörfer trennt, entfernt. Zumindest sah es auf den ersten Blick genau so aus. Die Nachfrage in der „Euro-Bar“ ergab dann jedoch, dass es sich um eine Modernisierung des Übergangs handelt, der bereits jetzt von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden kann. Die Ukrainer können so zu den alkoholseeligen ungarischen Erntedankfesten photo_00378in die Slowakei kommen, denn hier sprechen die Menschn nicht mehr scharisch wie zehn Kilometer weiter nördlich, sondern schon ungarisch.

Entstanden ist das geteilte Dorf nach dem 2. Weltkrieg, als die Tschechoslowakei als „Dank“ für ihre Befreiung den östlichsten Teil des Landes an die Sowjetunion abtreten musste. In Cierna nad Tisou hatte Breschnew einst versucht, Dubcek von seinem „Prager Frühling“ abzubringen. Verhandelt wurde in einem Eisenbahnwagon, der nachts immer wieder zurück in die Sowjetunion fuhr und die riesigen Anlagen, die die Eisenbahnwagons von der russischen Breitspur auf europäisches Maß setzen, bestimmen neben Rapsfeldern und Störchen auch heute noch die Gegend. Vor allem aber: Selten habe ich eine ländliche Region gesehen, in der es so viele Kirchen gibt. Kein Dorf, in dem nicht mindestens drei stehen, eine römisch-katholische, eine griechisch-katholische und eine orthodoxe. Und manchmal kommt noch eine protestantische dazu. Nur die Synagogen, sie fehlen. So war und ist es noch immer-  im äußersten Osten des ehemaligen Habsburgerreiches, wie im äußersten Westen des Reiches der russischen Zaren. Ihr Erbe muss nun die EU bewältigen muss.

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