Archive for November, 2007

26.11.2007 von Ben Gerten
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Saudische Verhältnisse in der deutschen Industrie

von Ben Gerten

Frauen dürfen in Deutschland wählen, Auto fahren und die Regierung führen, ein Großunternehmen leiten dürfen sie offenkundig nicht. Der Bahnstreik hat die deutschen Paschas wieder ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt. In den hundert größten deutschen Industrieunternehmen gibt es eine einzige Frau im Vorstand, die Personalchefin der Deutschen Bahn Margret Suckale. Auch in den Vorständen der aller DAX-Unternehmen, also auch bei Banken und Versicherungen sucht man vergeblich nach einer Frau im Vorstand.
Am Staat liegt das nicht, das sind Frau Merkel und Frau van der Leyern vor. Und auch Frau Prokop hat als Grundschullehrerin schon vor vierzig Jahren auf die Geschicke ihrer Gemeinde Einfluss genommen,

Die Industriekapitäne werden sich wohl an die eigenen Nase fassen müssen, wenn sie die Frage beantworten, wo der Unterschied zwischen einem deutschen Boardroom und dem saudischen Königshaus liegt.

Auch am Kapitalismus selbst scheint es nicht zu liegen, gibt es doch konkurrierende Volkswirtschaften, in denen die… weiter lesen

21.11.2007 von Ben Gerten
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Nepp bei Easyjet

von Ben Gerten

Das Umbuchen bei Easyjet ist teuer, so teuer, dass man Nepp vermuten kann.

Im konkreten Fall hat der Fluggast einen Flug von Berlin nach Sardinien gebucht. Den kann er nicht antreten und will das Ticket stattdessen für einen Flug von Paris nach Berlin Wochen später umrubeln.

Easyjet verlangt für die Umbuchung im konkreten Fall 26 Euro. Das hört sich nicht überhöht an, verglichen mit den Preisen traditionelles Fluggesellschaften.

Im konkreten Fall sorgt die 26-Euro-Gebühr aber dafür, dass das Umbuchen des Fluges teurer ist als das Neubuchen des Fluges von Paris nach Berlin.

Der Kunde bucht also zwei Flüge und tritt den einen einfach nicht an.
Frau Prokop hätte sich an dieser Stelle bestimmt gefragt, welche Logik hinter dieser Art von Kalkulation steckt. Vielleicht fragt die EU-Kommission die Fluggesellschaft auch mal.

21.11.2007 von Ben Gerten
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Den versprochenen Zins gibt es selten II

von Ben Gerten

Vor zwei Wochen hat die Verbraucherzentrale NRW einen Testbericht veröffentlicht, nachdem Kunden bei 15 Banken in NRW nur in jedem sechsten Fall den in der Werbung versprochenen Zins bekamen. Ich habe das berichtet.

Damals schrieb die VZ NRW, einzig bei der ING-Diba hätten alle 16 NRW-Testkunden zu den beworbenen Bedingungen ihren Kredit bekommen.  

Der Düsseldorfer Finanzjournalist Andreas Kunze, ein kritischer Beobachter insbesondere der ING-DIBA, hatte in seinem Blog (www.finblog.de) sofort Zweifel an dieser Darstellung geäußert.

Kunze hatte Recht. Die Süddeutsche Zeitung schreibt jetzt, dass der Vorstand der VZ NRW, Klaus Müller, in einem Brief an Kunze einen “fälschlich positive Darstellung” einräumt. Auch die DIBA erfülle ”nicht die von der Verbraucherzentrale geforderte Transparenz im Sinne der Kreditnehmer”.

Peinlich wird der Aussetzer der VZ NRW allerdings, weil  die Bank dem Förderverein der VZ NRW in den vergangenen Jahren insgesamt 200.000 Euro gestiftet hat.

Frau Prokop hätte nur die Augen verdreht.

20.11.2007 von Ben Gerten
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Zypries hätschelt Versicherungsvertreter

von Ben Gerten

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat die Versicherungsvertreter lieb. Zu diesem Ergebnis kommt heute überraschend ein Arbeitgeberverband, in dem Versicherungsvertreter organisiert sind. Frau Zypries wolle in der seit einem Jahr umstrittenen VVG-Informationspflichtenverordnung nämlich auf Drängen der Versicherungsvertreter auf die klaren Informationen für die Versicherungskunden verzichten. Endlich sind die Auskunftspflichten gekippt, gegen die der Verband AfW so vehement gekämpft habe.

Statt die Provision auf Euro und Cent nennen zu müssen, verspricht die Ministerin, “dass dem Kunden (nur noch B.G.) die in die Prämie einkalkulierten Kosten mitgeteilt werden müssen. Zu der von Ihnen befürchteten Bekanntgabe konkreter individueller Vergütungsbestandteile oder Provisionen kommt es damit nicht.”

Da hätte Frau Prokop die Ministerin nicht verstanden. Wieso taucht auf der Rechnung vom Klempner der Stundenlohn auf, auf der Rechnung vom Versicherungsvertreter der Allianz muss die Provision aber nicht auf genau ausgewiesen werden?

Einziges denkbares Argument: Die Ministerin läßt die Versicherungsbranche bei der Entbürokratisierung voran gehen. Künftig verzichtet… weiter lesen

19.11.2007 von Ben Gerten
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Air Berlin schwächelt wieder

von Ben Gerten

Pst, Herr Hunold weiß es noch nicht. Aber wenn man mit Air Berlin des abends von der Hauptstadt nach München fliegt, muss man stehen.

Nein, noch nicht im Flieger selbst. Nur im Warteraum am Air Berlin Drehkreuz in Tegel. Für die 180 Passagiere der Spätmaschine AB6205 nach München gibt es am Gate A3 nämlich nur 100 Sitzplätze, wenn man großzügig rechnet.

Startet der Flieger dann noch deutlich zu spät, steigt die Anforderung an die Höflichkeit der Passagiere. Ist da vielleicht noch eine ältere Dame oder ein älterer Herr, der dringend einen Sitzplatz im Wartesaal benötigt?

Frau Prokop hätte bestimmt gesagt: “Liebe Berliner, seien Sie so nett, mindestens bis Herr Hunold es erfährt.”

17.11.2007 von Ben Gerten
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Post ohne Telefon

von Ben Gerten

Haben Sie schon mal versucht, ein Postamt am anderen Ende der Stadt anzurufen. Geht nicht mehr, hat Herr Zumwinkel, das ist der Post-Vorstandsvorsitzende, abgestellt.

Sollten Sie also dummerweise in einer solchen Filiale ihre Ec-Karte liegen lassen, haben sie keine Chance, die Filiale telefonisch zu erreichen. Geht alles nur über die Zentrale.

Also Versuch in der Zentrale: 01802 3333. Am Telefon süddeutscher Akzent, der höfliche Herr bietet an, der betreffenden Filiale eine E-Mail zu schicken. Anrufen könne er nämlich auch nicht.

Der süddeutsche Dienstleister fragt nach Adresse und Telefonnummer und versichert, die Filiale werde dann zurückrufen.

Tut sie aber nicht, sie hat ja keine Telefonnummer.

Tage später in der Filiale: Die Damen versichern, ja die EC-Karte habe man gefunden, es habe auch ein Fax aus der Zentrale gegeben – Faxgerät, aber kein Telefon. Und eine eindeutige Regelung.

Alle liegen gebliebenen Karten würden zentral an die Postbank geschickt, und die schicke die… weiter lesen

15.11.2007 von Ben Gerten
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Stefan Aust bekommt Zeit für das Gestüt

von Ben Gerten

Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust hatte etwas von einem alten Landwirt. Er fühlte sich als Herr auf dem Hof und wer mit neumodischen oder alternativen Ideen kam, war nicht so wohlgelitten.

Jetzt geht es Aust wie jedem alten Bauern. Irgendwann sagen die Jungen: Wir arbeiten hier nur weiter, wenn wir den Hof an die neue Zeit anpassen dürfen. Das haben die Jungen in Hamburg jetzt offenbar getan.  

Der einst übermächtige Chef kann sich auf das Altenteil konzentrieren: Sein Pferdegestüt. Dort hat er zuletzt seine größten Erfolge gefeiert.

Ältere Landwirte rauchen Zigarre, spielen Karten und fahren heute mit dem Fahrrad über ihre Ländereien Vielleicht wird Aust ganz entspannt ausreiten.  

Frau Prokop hat immer gesagt, zurück zur Natur ist was feines. 

11.11.2007 von Ben Gerten
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Großkanzlei Lovells hilft Versicherungskonzernen gegen Verbraucher

von Ben Gerten

Die internationale Großkanzlei Lovells gibt im Versicherer-Branchenblatt Ass Compact Versicherungsvertretern Tipps, wie sie neue gesetzliche Pflichten umgehen können. Konkret geht es um die Information von Versicherungskunden über den Inhalt der Verträge, bevor sie unterschreiben. Lovells Anwälte Dr. Jan Schröder und Christina Rosch argumentieren in dem Beitrag, das neue Versicherungsvertragsgesetz verfolge das Ziel “den Verbraucher in seiner Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Dem Verbraucher wird deshalb die Möglichkeit eröffnet, auf umfassende Information vor Vertragsabschluss zu verzichten.” Mit großem Nachdruck hatten die Lobbyisten der Versicherungswirtschaft vor der Verabschiedung de Gesetzes versucht, diese Informationspflichten wie bisher zu begrenzen. Das Argument der Branche lautete damals noch, man müsse doch nicht für jede kleine Versicherung einen solchen Informationsaufwand betreiben. Das rechne sich nicht. Und tatsächlich erteilten die Bundestagsabgeordneten im Gesetzgebungsverfahren den Versicherern eine Ausnahmegenehmigung. Dabei hatte der Ombudsmann der Versicherungswirtschaft Professor Wolfgang Römer die Abgeordneten vor der Wirkung einer solchen Hintertür gewarnt. Bei den Lovell

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10.11.2007 von Ben Gerten
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Den versprochenen Zins gibt es selten

von Ben Gerten

Die Verbraucherzentrale NRW hat den Banken in dem Bundesland auf den Zahn gefühlt und jede Menge Karies entdeckt. Konkret sind die Verbraucherschützer falschen Werbeversprechen auf die Spur gekommen.Testkunden sind für die VZ NRW in 15 Banken gegangen und wollten einen Ratenkredit zu den in Schaufenstern und auf Plakatwänden aggressiv beworbenen günstigen Konditionen abschließen

Das ging häufig nicht. Nur in jedem sechsten Fall bekamen die Kunden den Kredit zu den beworbenen Konditionen angeboten. An der Bonität der Kunden kann das nicht gelegen haben. Denn die schlechteren Produkte wurden den Kunden bei den 232 Probekäufen schon aufgedrängt, bevor die Bonität des Kunden geprüft wurde. 

Die Royal Bank of Scotland, die Santander Consumer Bank und die Citibank verlangten bei jedem der 16 Testkundengespräche mehr als in der Werbung versprochen.

Einzig bei der ING-Diba sollen alle 16 NRW-Testkunden zu den beworbenen Bedingungen ihren Kredit bekommen haben.

Frau Prokop hätte nur den Kopf geschüttelt und… weiter lesen

10.11.2007 von Ben Gerten
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US-Vanity Fair bezahlt Rechercheure, Time die Bilder von Brad und Angelina

von Ben Gerten

Kürzlich berichtete ich von den wunderbaren Recherchen einiger Autoren der US Vanity Fair über die verschwunden Bargeldmilliarden im Irak. Diese Woche fand sich in der Süddeutschen Zeitung ein bisschen Hintergrund zu den Autoren Donald Barlett und James Steel.Thomas Schuler berichtet aus New York, dass die beiden Journalisten Unterschlupf bei der US-Ausgabe von Vanity Fair gefunden hätten, nachdem Time ihnen und etlichen Kollegen den Stuhl vor die Tür gesetzt habe.

Schuler schreibt, die Time-Chefredaktion haben argumentiert, die beiden seien zu teuer – nur um kurz darauf für vier Millionen Dollar exklusiv die Bilder der neuesten Kinder von Brad und Angelina zu kaufen.

Frau Prokop war kinderlieb, schließlich war sie Grundschullehrerin. Aber dafür haätte sie kein Verständnis gehabt. Ehrlich ein fataler Fehler, denn an den Riffiffi-Geschichten der zweimal mit einem Pulitzer-Preis geehrteen Journalisten Barlett und Steele kann man sich nicht satt lesen.