“Experimentelles Regieren unter den Bedingungen des Nicht-Wissens”
von Ben GertenEndlich haben wir eine Antwort. Die rot-grüne Bundesregierung war einfach nur mit der Realität überfordert. Sie wußten nicht, was sie taten, als sie den Spitzensteuersatz auf 42 Prozent senkten. Oder mit den Worten des Kasseler Politikprofessors und ehemaligen IG-Metall Funktionärs Wolfgang Schröder: Es ging um “experimentelles Regieren unter den Bedingungen des Nicht-Wissens”.
Sie wußten eben nicht, warum sie die Riester-Rente nicht obligatorisch machten – obwohl ihr Arbeitminister Walter Riester dies wollte. Und sie wußten auch nicht, warum in Deutschland Kindergartenplätze auch für benachteiligte Familien immer noch Geld kosten während Studienplätze gebührenfrei werden sollte.
Schöder analysiert Tapsigkeit, der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach formuliert am Dienstag in der Friedrich-Ebert-Stiftung schärfer. Er sieht auch zu Zeiten von Rot-Grün den Zwei-Klassen-Staat am Werk, ein Staat, der die Klassengesellschaft unterstützt.
Lauterbach ätzt, dass es kein Industrieland gebe, in dem die Bildungschancen für Akademikerkinder besser und für Arbeiterkinder schlechter seien als in Deutschland. Das gehe mit der mangelnden Förderung bildungsferner Schichten schon vor der Schule los. Pädagogisch sei unstrittig, den besten Effekt erreiche man mit Förderung im Vorschulalter: “Der Eintritt in die Schule ist schon die Nachspielzeit.”
Wenn beide Eltern Arbeiter ist die Chance auf das Abitur in Deutschland fünf Prozent, sind beide Eltern Akademiker liegt sie bei 90 Prozent. Hier habe der Staat mit seiner Bildungspolitik für die größte Differenz aller OECD-Staaten gesorgt, so Lauterbachs Fazit. In den USA seien die Chancen jedenfalls deutlich gleicher verteilt.
Frau Prokop, die rheinische Grundschullehrerin, hätte Lauterbach für so viel Klarheit ins Herz geschlossen. Sie hätte vielleicht auch gewußt, ob der am Dienstag abend in der Ebert-Stiftung geäußerte Vorwurf stimmt. Schon in den sechziger jahre hätten internationale Bildungsforscher das Debakel des deutschen Schulsystems beschrieben. Und wie hätten die Kultusminister damals reagiert: Weitere Studien wurden einfach abbestellt.
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schröder analysiert tapigkeit….
ich analysiere einen eklatanten mangel an schreibkompetenz.
lauterbach liegt mit seiner aussage hinsichtlich der verschärfung sozialer unterschiede unter rot – grün meiner ansicht nach richtig! von gerechten umverteilungsprojekten war jedenfalls nicht viel zu merken.
Riotgirrl,
stimmt. Der Computernutzer hat durch Tapsigkeit eine frühe unkorrigierte Version ins Netz gestellt. Sorry!