Autoindustrie ist Altindustrie
von Ben GertenMein Freund Erwin hat schon vor zehn Jahren gesagt, die Autoindustrie wird zur Altindustrie. Jetzt ist es soweit. Die Anzeichen:
- Daimler bewertet seinen 20 Prozent-Anteil, den es nach der gescheiterten Fusion noch an Chrysler hält heute mit 0 Euro, der Autokonzern Chrysler ist also wertlos.
- General Motors und Ford sind an den Börsen jetzt so viel wert wie Ende der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ihre Verkäufe in Europa sind im September um 18 bzw. elf Prozent zurückgegangen.
- Die BBC berichtet, der Verkauf an Autos in den USA sei allein im September um 27 Prozent zurückgegangen.
- In Europa ist der Verkauf von Autos von Juli bis September um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Das sind die niedrigsten Werte seit 1998.
- BMW verkauft sogar dreissig Prozent weniger Autos in den USA als vor einem Jahr, in Europa minus 15 Prozent.
- Daimler-Chef Zetsche nennt die ganze Entwicklung anläßlich der Quartalsbilanz einen abrupten Rückgang.
- US-Zeitungen berichten, Zocker-Milliardär Kirk Kerkorian verkauft Anteile am Ford-Konzern zu einem Schleuderpreis. Wirft er alle Anteile zum derzeitigen Preis ab, verliert er mehr als 600 Millionen Dollar. Der 91-jährige hatte seine Aktien vor einigen Monaten für 7 Dollar das Stück gekauft. Jetzt sind sie noch ein Drittel wert. Kerkorian war der größte Anteilseigner an Ford nach der Ford-Familie.
- In der deutschen Autoindustrie könnten 100.000 Jobs flöten gehen, meinten gestern Experten – auf nimmer wiedersehen.
- Von einem deutschen Konjunkturprogramm für spritsparende Autos würden deutsche Konzern nicht profitieren meinten andere Experten zu Beginn der Woche. Deutsche Autos schlucken zu viel. Gerade noch im Sommer hat sich Kanzlerin Angela Merkel in Brüssel dafür eingesetzt, dass die Konzerne in Deutschland nicht schnell in Richtung spritsparende Autos umsteuern müssen.
- Und jetzt das ultimative Signal: Die Vereinigung der europäischen Autobauer ACEA möchte von den Regierungen 40 Milliarden Euro pumpen, um ihre Hausaufgaben zu machen, nämlich die Produktion auf umweltfreundlichere Autos umzustellen. Von Angeboten zur Lohnzurückhaltung bei Automanagern ist allerdings immer noch nichts bekannt.
Frau Prokop erinnert das alles an die Kohle-Kumpel im Ruhrgebiet. Die Ruhrkohle bekam zeitweise so viel Subventionen, dass man jedem Kumpel jedes Jahr eine neue Frittenbude hätte spendieren können.
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abwarten und renaturaliseiren