Versicherungskäufer haben Kanzlerin auf dem Sofa

Klingeln und auf dem Sofa sitzen ist ihr Metier. Die Versicherungsverkäufer der Vertriebsfirmen DVAG und AWD verkaufen in jedem Herbst wieder Millionen von Verträge an alte und neue Kunden. Dabei können sie sich seit Jahren der Unterstützung der Politik gewiss sein.

Die DVAG hält bei der CDU Händchen, ihr Chef Reinfried Pohl ist seit Jahrzehnten mit Ex-Kanzler Helmut Kohl befreundet. Der AWD ist traditionell mit der SPD verbunden. AWD-Chef *natürlich Carsten* Maschmeyer bezahlte 1998 die berühmten Anzeigen: Ein Niedersachse muss Kanzler werden. Der AWD hat seinen Hauptsitz in Hannover. Später wurde Schröders Pressesprecher Bela Anda der Kommunikationschef des AWD.

In den vergangenen Wochen hat sich diese enge Liaison wieder deutlich gezeigt. Der AWD konnte Bert Rürup, den Vorsitzenden des Sachverständigenrates und langjährigen Rentenberater Nobert Blüms, Walter Riesters und Ulla Schmidts als Chefökonomen verpflichten. Schon in den vergangenen Jahren hatte Rürup als geübter Moderator zahlreiche Renten-Veranstaltungen für den Versicherungsverkäufer MLP gecoacht.

Die DVAG schlug angesichts der Werbeoffensive der Konkurrenz hart zurück.  Kanzlerin Angela Merkel persönlich mußte mit Familie Pohl und dem DVAG-Manager und Ex- Kanzleramtsminister Friedrich Bohl im Heiligendammstrandkorb Platz nehmen und sich für eine wohltätige Aktion in der BILD ablichten lassen.

Hoffentlich haben die Herrn Pohl und Bohl der Kanzlerin verraten, wie sicher die Altersvorsorgeverträge sind, die Pohls Vertretertruppe Millionen Deutschen verkauft hat. Um die Altersvorsorge der CDU-Granden muss man sich keine Sorgen machen. Neben Bohl haben auch Ex-Regierungschef Friedhelm Ost, Ex-Finanzminister Theo Waigel und einen warmen Platz im Reich des Reinfried Pohl gefunden.

Frau Prokop hätte sich über die Sofa-Session gewundert, Sarko und Gordon, das geht ja, aber Reinfried und Friedrich….

Kommentare (6)

  1. wann endlich kommt der Tag, an dem Halbwissende keine Statements mehr zu Finanzdienstleistungen abgeben dürfen? Ich sehne ihn herbei…
    Der Autor selbst arbeitet natürlich selbst nur aus caritativen Gründen, wundert sich dann gelegentlich, warum er nur so wenig Geld verdient und die anderen soviel. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen…

  2. Da behauptet ein Leserbriefschreiber, die z.B. „Riester-Rente“ sei sicher. Ja natürlich, wenn der Versicherungsgeber pleite macht haftet wieder einmal der staatliche Volksgemeinschaft. Ferner wird gefordert „private Vorsorge sei Bürgerpflicht“, obwohl die Politiker (die private Vorsorge fordern) und deren willfährige Beamten sich grundsätzlich staatlich alimentieren lassen als Rentner (Pensionäre).

  3. zur Sicherheit der Verträge hätte ich da mal eine Frage.
    1. über welche Verträge sprechen wir? davon hängt ja schon mal der sicherheitsfaktor ab. die verträge mit den namen riester und rürup sind bspw. so sicher, dass zumindest die gezahlten beiträge + zuschüsse wieder ausbezahlt werden müssen. eine garantie die schon mal deutlich über der der gesetzlichen rente liegt, denn dort bekomme ich weniger raus als ich einbezahle.
    2. weiß denn der autor irgendetwas über die sicherheit der verträge? oder haut er einfach mal auf die selbe kerbe, auf die grade jeder einprügelt?
    es mag dem linken spektrum nciht passen, aber private altersvorsorge ist bürgerpflicht, und von einem mündigen bürger kann erwartet werden, dass er sich über die risiken die seine anlage beinhaltet im klaren ist. diesen risikofaktor kann übrigens jeder selbst bestimmen, je nachdem welches vorsorgeprodukt er wählt. die auswahl ist groß und die angebotspalette der hier kritisierten unternehmen so umfangreich, dass vom zocker bis zum festzinssparer jeder bedient werden kann.
    vll sollte sich der autor einfach mal fragen was die politiker und experten für die altersvorsorge bewegt sich diesen unternehmen anzuschließen. wer hernn riester schon einmal persönlich erleben durfte, weiß, dass es nciht das geld ist, sondern die erkenntnis, dass die politik und die sozialen systeme nur zu einem gewissen grade funktionieren und man die private vorsorge einfach dringend benötigt.

  4. Der Chef von AWD heißt CARSTEN Maschmeyer – hoffentlich stimmt bei dieser Recherche jedenfalls der Rest 😉

  5. Ehre, wem Ehre gebührt! Man sollte auch Prof. Diether Stolte nicht unerwähnt lassen: der Mann hatte als Intendant das angeblich staats- und parteienferne ZDF geleitet und sitzt nun neben dem halben Kabinett Kohl im Aufsichsrat der Deutschen Vermögensberatung (DVAG).