26.02.2009 von Ben Gerten
Die Sparkasse KölnBonn wird ihrer Rolle als rheinische Ausgabe der auch so kundenfreundlichen Sparkassen in ganz besonderer Weise gercht. Das Kreditinstitut, dass in den vergangenen Wochen durch hochdotierte Beraterverträge vergeben nach Gutsherrenart aufgefallen ist, berechnet seinen Kunden mit die höchsten Überziehungszinsen in der Republik. Man könnte auch sagen, die Sparkasse KölnBonn entpuppt sich als perfektes Vehikel der Umverteilung von unten nach oben.
Einerseits berichten Zeitungen und Onlinedienste im Rheinland, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen unter anderem gegen Ex-Bürgermeister Josef Müller und Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder aufgenommen hat, wegen Beraterverträgen zwischen der Sparkasse und einigen „gut gestellten“ Geschäftsleuten. Der ehemalige Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Rolf Bietmann zum Beispiel hatte von der Sparkasse 900.000 Euro an Honoraren erhalten, Ex-Bürgermeister Müller immer noch einen kleineren sechsstelligen Betrag.
Gleichzeitig verlangt die Sparkasse von Kunden, die ihren Dispo überziehen und in der geduldeten Überziehung stecken knapp zwanzig Prozent Zinsen. Das sichert bundesweit einen Spitzenplatz. Und angesichts der gefallenen EZB-Zinsen kann die… weiter lesen
25.02.2009 von Ben Gerten
US-Präsident Barack Obama hat in seiner ersten Rede vor dem Kongress ein Konjunkturprogramm angekündigt, mit dem er die Nutzung alternativer Energien in den kommenden drei Jahren verdoppeln will. 15 Milliarden Dollar im Jahr will der Präsident dafür ausgeben.
Es können nicht angehen, dass man die Solarenergie erfinde, dann aber die Arbeitsplätze den Industrien in Deutschland und Japan un den Bau von Batterien für Hybridautos Korea überlassen müsse. Der Maßstab für Obamas Energiepolitik sind inzwischen die Chinesen. Sie hätten das größte Programm für mehr Energieeffizienz in der Geschichte der Menschheit aufgelegt.
Finanziert werden soll das Programm nicht nur über höhere Schulden. Obama will auch die Steuern für Reiche erhöhen. Haushalte, die mehr als 250.000 Dollar im Jahr verdienen, sollen draufzahlen. Alle anderen sollen von Steuererleichterungen profitieren, 95 Prozent der Haushalte, wie Obama sagt.
Frau Prokop hätte bemerkt, über längere Laufzeiten für Atomkraftwerke will der offenbar nicht streiten.
23.02.2009 von Ben Gerten
Der deutsche Börsenindex Dax ist das erste Mal seit 2003 2004 unter die Marke von 4.000 Punkten gefallen. Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, hatte zuvor ein Minus von fünf Prozent für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2009 vorhergesagt.
Verantwortlich dafür ist auch die Gier der obersten Manager. Sogar der Focus rechnet vor, dass die Vorstände deutscher Unternehmen im Jahr 2007 52 mal so viel verdienten wie ein durchschnittlicher Angestellter. Zwanzig Jahre zuvor waren es nur 14 mal so viel. Auf sieben Seiten rechnet das konservative Magazin aus München vor, wie wenig die Gier der Manager mit einem langfristigen wirtschaftlichen Erfolg korrespondiert. Und während die Arbeitnehmer ihren Job verlieren oder in Kurzarbeit geschickt werden, lassen sich Manager Millionengehälter und deftige Boni auszahlen.
Obwohl jetzt auch die Aktionäre, also auch die Besitzer, leiden, müssen die Chefs bislang nur selten Konsequenzen fürchten.
Frau Prokop hätte nur… weiter lesen
22.02.2009 von Ben Gerten
Im Berliner KW Institute for Contemporary Art wird derzeit der Beitrag der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zum modernen Film gezeigt. Die Ausstellung heißt “Vorspannkino”.
Mitte der fünfziger Jahre hatten sich Hollywoods Filmgesellschaften nach Auseinandersetzungen mit den Künstlergewerkschaften verpflichten müssen, alle an einem Film beteiligten Künstler im Vorspann des Filmes zu zeigen. Eine Herausforderung an Regisseure und Titelsdesigner, die in einer eigenen Kunstform mündete – dem Vorspann.
Bei einigen der 54 in der Berliner Auguststaße gezeigten Filmvorspänne kann man in den Kredits sogar den Hinweis auf den amerikanischen Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO mitlesen. Die Ausstellungsmacher zeigen u.a. die Intros für mehrere James Bond Streifen, Filme von Hitchcock, Martin Scorsese, Orson Welles und Jean Luc Godard.
Für die Werbung nutzen sie den viereinhalb Minuten Raumanzug-Striptease, den Jane Fonda 1968 als Intro zum Roger Vadims Film “Barbarella” hinlegte. Schön!
www.kw-berlin.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Barbarella_(Film)
19.02.2009 von Ben Gerten
In Deutschland müssen nach Erkenntnissen der Bundesregierung mehr als 100.000 Erwachsene ohne eigenes Konto auskommen, obwohl dieses “Ausgeschlossensein …zu einer Vielzahl von gesellschaftlichen wie auch finanziellen Nachteilen” führt. Allein die Bundesagentur für Arbeit müsse im Jahr über 17 Millionen Euro Gebühren an Banken zahlen, damit diese kontolosen Bürgern die ihnen zustehenden Summen bar auszahlen, so die Bundesregierung in einer Unterrichtung für den Finanzausschuss des Bundestages.
Das Leben ohne Konto kostet die meist armen Betroffenen zudem im Jahr durchschnittlich 480 Euro an Gebühren, ein Vielfaches der Kosten eines normalen Girokontos. Das Geld könnte “aus Sicht des Bundesfinanzministeriums sinnvoller eingesetzt werden”, heißt es in der Bundestagsdrucksache. Gutverdiener bekommen Konten von vielen Banken heute gebührenfrei angeboten. Die Bundesregierung moniert, dass sich die Situation der Kontolosen auch fast 15 Jahre nach einem ersten Hilfsversprechen der Banken und Sparkassen “nicht verbessert hat. Das Problem besteht unvermindert fort.”
Banken und Sparkassen haben nicht nur… weiter lesen
18.02.2009 von Ben Gerten
55 Millarden Euro sind der deutschen Zertifikatebranche in den vergangenen 15 Monaten abhanden gekommen. Damit ist die Branche um etwa 40 Prozent geschrumpft, meldete die FAZ am Dienstag.
Ins öffentliche Bewußtsein gerückt ist die Branche im September mit der Pleite der amerikanischen Lehman Brothers Bank. Banken und Sparkassen hatten Zertifikate der Lehman Brothers an ihre Kunden verkauft. Mit der Pleite der Bank waren diese Zertifikate für die Kunden wertlos geworden.
Dabei: Lehman Brothers ist auf dem deutschen Zertifikatemarkt kein großres Licht gewesen. Die Bank lag mit ihren Wertpapieren auf Platz 31 der größten Emittenten. Marktführer bei den komplizierten Wertpapieren ist die Deutsche Bank, die mehr als ein Viertel des deutschen Marktes beherrschte.
Eigentlich sind Zertifikate Wetten auf dem Finanzmarkt. Der Anleger stellt der herausgebenden Bank sein Geld für diese Wetten zur Verfügung. Der Wettpartner ist dabei also die Bank, die das Zertifikat herausgibt. Das Risiko für den Kunden ist erstens, dass er… weiter lesen
10.02.2009 von Ben Gerten
Zeitgemäß. sehr zeitgemäß, Konrad Wolfs 70 mm Film über den spanischen Maler Goya. Der DDR-Film aus dem Jahr 1971 zeigt, wie sich die Kunst gegen die Herrschenden in Kirche und die Politik zur Wehr setzen muss. Und er zeigt, dass die katholische Kirche – zumindest damals noch – zur Verteidigung ihrer gesellschaftlichen Stellung über Leichen ging.
Die Berlinale-Macher konnten bei der Planung ihrer 70 mm Retrospektive natürlich nicht wissen, dass der Papst pünktlich zum Start der Filmfestspiele die Skepsis gegen die neue Rolle der katholischen Kirche als Mahnerin gegen die schlimmen Seiten der Globalisierung bestätigt und statt als moralische Instanz zu fungieren Holocaust-Leugner und Juden-Hasser in den Schoß der Kirche zurückholt. Die Festival-Planer konnten auch nicht wissen, dass das von Konrad Wolf virtuos gezeichnete Spiel der spanischen Inquisition mit Erkenntnis und Macht das heutige Spiel der Kirchenoberen mit dem Antisemitismus gleichsam karikiert. Der Botschafter der Inquisition kokettiert mit der… weiter lesen
07.02.2009 von Ben Gerten
Die Zahl der Arbeitslosen in den USA hat in den vergangenen 15 Monaten um 3,5 Millionen Menschen zugenommen. Allein im Januar verloren knapp 600.000 Menschen ihren Job.
Arbeitslosigkeit bedeutet in den USA sofortige Not. Denn das Arbeitslosengeld ist nicht nur von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich, es ist auch noch sehr niedrig. NPR, eine Art amerikanischer Deutschlandfunk*, hat jetzt ein paar Eckdaten zusammengetragen. Am niedrigsten startet das Arbeitslosengeld in Hawaii, mit 5 Dollar in der Woche. Dafür können aber im Gegensatz zu vielen anderen Bundesstaaten dort auch ehemalige Minijobber eine Unterstützung bekommen.
Im Bundesstaaat Mississippi, im tiefen Süden, liegt das höchstmögliche Arbeitslosengeld bei gut 200 Dollar in der Woche, egal was man vorher verdient hat. In Massasuchetts kann man das höchste Arbeitslosengeld beziehen, bis zu über 800 Dollar in der Woche.
Frau Prokop hat immer gesagt, dass mit dem Sozialstaat, das können die Amerikaner nicht. Sieht so aus,… weiter lesen
04.02.2009 von Ben Gerten
Die Wirtschaftredaktion der “Welt” hat pünktlich zum Beginn des Atomforums in Berlin die versammelten Atommanager mit Jubelartikeln begrüßt. Der Wirtschaftsteil startet mit einem Ein-Quellen-Artikel über das Scheitern der erneuerbaren Energien. Zitiert wird ausführlich aus einer Studie der Beratungsfirma A.T.Kearney, nach der die EU-Ziele für erneuerbare Energie wegen der Finanzkrise nicht mehr erreichbar seien. Die Beraterfirma A.T.Kearney hatte schon Ende Januar weniger Klimaschutz gefordert – für energieintensive Industrien müsse es Ausnahmen vom neuen CO-Zertifikate-Regime geben. Und im vergangenen Jahr hatte der Chef des Atomforums Walter Hohlefelder A.T. Kearney für eine Studie gelobt, die behauptete, dass Klimaschutz ohne Atomkraft nicht möglich sei.
Die Kerbe, in die die Redaktion zu schlagen hatte, war also bekannt. Und die “Welt” kommentierte die Studie denn auch gleich neben dem Artikel im Sinne der Atomlobby: “Womöglich hatten die sehr optimistischen Ausbauszenarien der Ökostrombranche nur einen Zweck: Sie sollten dem sich abzeichnenden Gesinnungswandel der Bevölkerung zurück zur… weiter lesen
03.02.2009 von Ben Gerten
Es gibt immer noch den einen oder anderen katholischen Bischof, der seinen Chef in Rom in der Öffentlichkeit verteidigt. Der habe den Antisemitismus der Pius-Bruderschaft nicht gekannt und sei in seinem tiefsten Herzen ein Ökumeniker, der die Gläubigen zusammenführen wolle etc.
Glaubt Ihnen nicht, hätte Frau Prokop gesagt. Ein Besuch im Petersdom mit dem Audioguide des Vatikan sorgt für ein korrektes Bild der Kirchenobrigkeit. Gefeiert wird in dem triumphalistischen Bau Christina von Schweden, die Tochter des berüchtigten Schwedenkönigs Gustav Adolph. Sie sei zum Katholizismus konvertiert und habe den “staunenden Ketzern” damit die Größe der katholischen Kirche deutlich gemacht.
Auch alle anderen Päpste gehörten immer nur zu den Größten. Bei der Audiotour kann man sich dann auch anhören, dass Papst Pius XII – das ist der, der als Chefdiplomat des Vatikan mit dem Reichskonkordat die Nazis international hoffähig machte und als Papst ab 1939 so diplomatisch war, die Gaskammern bis… weiter lesen