18.11.2010 von Ben Gerten
Frau Prokop hätte seit Tagen nach der wichtigsten Detailinformation der Woche gesucht: Wer in Deutschland hat eigentlich den Iren mehr als 100 Milliarden Euro geliehen. In der Press ist immer nur die Rede von 103 Milliarden Euro, mit denen die Iren in Deutschland in der Kreide ständen – aber keine Details.
In der Donnerstagsausgabe hat das Handelsblatt einen ersten Versuch gemacht, die Gläubiger zu identifizieren. Auf Seite 6 der Zeitung gibt es eine Liste, aus der die Gläubiger für rund 13 Milliarden Euro hervorgehen. Vorneweg die Hypo Real Estate mit über zehn Milliarden Euro. Ihre Tochter Depfa, die sie ins Verderben gerissen hat, hatte ihren Sitz in Dublin.
Die Deutsche Bank ist mit gut 300 Millionen dabei, die Commerzbank mit unter hundert Millionen Euro, einige Landesbanken mit jeweils einigen hundert Millionen Euro.
Doch 90 Milliarden Euro fehlen.
Auf der Titelseite des Handelsblattes heißt es: “Banken und Versicherer fürchten… weiter lesen
01.11.2010 von Ben Gerten
Deutsche Großkonzerne finanzieren den Wahlkampf von Klimaschutzgegnern in den USA. Bayer, BASF und Eon unterstützen nach einem Bericht des Climate Action Network amerikanische Senatoren, die die Klimapolitik der Obama-Regierung bekämpfen. Die Studie mit dem Titel “Think globally sabotage locally” listed detailiert die entsprechenden Spenden der Energiekonzerne.
http://climnet.org/component/docman/cat_view/318-position-papers-and-research/232-energy-and-climate.html
Die Finanzierung der Klimaschutzgegner passt fein in die politische Landschaft in Deutschland. Gerade erst hat die Koalition aus Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftminister Rainer Brüderle (FDP) die Verlängerung der Energiepreissubventionen für die Konzerne beschlossen. Frau Merkel hat dabei kurzzeitig vergessen, dass sie 1995 Gastgeberin des ersten UN-Klimagipfels in Berlin war.
Climate Action Network hat in seiner Studie nur zusammengetragen, welche deutschen Konzerne welche Klimaskeptiker im US-Senat und Repräsentatenhaus finanziell unterstützen und kontrastiert die Positionen der geförderten Politiker mit den Sonntagsreden der Konzerne.
http://wonkroom.thinkprogress.org/gop-senatedeniers/
Die deutschen Wahlkampfausgaben in den USA sind aber nur Teil einer großen Kampagne. Auf die… weiter lesen
20.04.2010 von Ben Gerten
Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Managern der weltgrößten Investmentbank Goldman Sachs Anlagebetrug vor. Die Manager der Großbank hätten ihre Kunden gleichzeitig auf einen weiteren Immobilienboom wetten lassen und Wetten auf das Platzen der Immobilienblase finanziert. Das allein ist aber noch ncht illegal. Illegal werde die Politik der Investmentbank aber, wenn man Wertpapiere schon mit dem Ziel auflege und verkaufe, sie vor die Wand fahren zu lassen und dabei bestimmten Kunden Extraprofite zukommen zu lassen. Ein Hedgefonds soll die später entwerteten sogenannten Abacus Anleihen der Goldman mit entwickelt haben und beim Wetten gegen die Anleihen eine Milliarde Dollar verdient haben. Goldman Sachs bestreitet nach den Berichten jeden Rechtsverstoß.
Die International Herald Tribune allerdings beschreibt ausführlich, wie die Arbeit der entsprechenden Abteilung intensiv vom Top-Management der Bank überwacht gewesen sei. Die Zeitung schreibt weiter, dass das deutsche Bundesfinanzministerium angekündigt hat, im Zusammenhang mit dem Verfahren 140 Millionen Dollar an Verlusten der IKB bei… weiter lesen
14.04.2010 von Ben Gerten
In der SIPRI Liste der 100 wichtigsten Rüstungskonzern finden sich für das Jahr 2008 auch sieben deutschen Unternehmen. Ganz vorne mit dabei ist EADS auf Rang 7, es folgen die Rüstungsmillardäre Rheinmetall (29), Krauss Maffei Wegmann (42) und Thyssen Krupp (49). Knapp unter einer Milliarde liegt die Nürnberger Panzerschmiede Diehl (57) und noch etwas weiter zurück MTU (79). Bei den Exporten landet Deutschland hinter den USA, Russland und Großbritannien auf Platz vier.
Würden die chinesischen Rüstungsunternehmen ordentlich erfasst, sähe die Liste womöglich deutlich anders aus, räumt Bates Gill, Direktor von SIPRI in der International Herald Tribune ein. Die Zeitung weist außerdem darauf hin, dass mit BAE erstmals ein nicht amerikanischer Konzern die Liste anführt. Die Briten allein haben 2008 Waffen im Wert von 32,4 Milliarden Dollar verkauft. Auf den Plätzen 2 bis 5 folgen die US-Konzerne Lockheed Martin, Northrop Grumman, Boeing und General Dynamics. Insgesamt haben die 100 größten Rüstungskonzerne nach der Liste… weiter lesen
28.03.2010 von Ben Gerten
Rating-Agenturen, die von den Firmen bezahlt werden, deren Produkte sie bewerten, taugen nichts. Diese Einsicht hat sich zwei Jahre nach der Fehlbewertung der großen amerikanischen Investmentbanken sogar im Heimatland des Kapitalismus durchgesetzt. USA Today, immerhin die auflagenstärkste Zeitung der USA kommentierte kürzlich, “nur ein neues Geschäftsmodell kann den fundamentalen Interessenkonflikt hier beenden”.
Der Kommentar der Redaktion lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: “Wenn Sie sich gewundert haben, warum die Agenturen Pakete von Immobilienkredite mit AAA bewerteten, die dann die Kreditkrise ausgelöst haben, die Antwort ist einfach. Sie haben dafür gutes Geld erhalten.”
Die Redakteure wählten deutliche Worte, weil z. B. Harvard Professor Lawrence Tribe die Arbeit von Standard & Poors und Moodys im Auftrag der Firmen mit der von Comsumer Reports verglich, also der amerikanischen Stiftung Warentest. Der Unterschied sei aber, Consumer Reports lasse sich nicht von den Firmen finanzieren, deren Produkte es bewerte .
http://www.huffingtonpost.com/2009/11/11/how-credit-raters-fended_n_354190.html
Frau Prokop hätte an… weiter lesen
24.03.2010 von Ben Gerten
Die Financial Times hat in ihrer Dienstagsausgabe eine Reisewarnung für Schweizer Bankiers veröffentlicht. Bestimmte Bankiers der Credit Suisse sollten nicht nach Deutschland reisen, es bestehe die Gefahr einer Festnahme. Credit Suisse habe daher die Reisen von Bankiers reicher deutscher Privatkunden mit Schweizer Konten eingeschränkt. “In the current climate we have become very restrictive regarding travel to Germany” wird Bankmitarbeiter Andres Luther in der Zeitung zitiert.
Hintergrund ist die Auswertung einer CD mit Daten von 1100 Kunden der CS durch die nordrhein-westfälischen Behörden. Frau Prokop hätte sich über die Sorge der Schweizer Bankiers gefreut.
09.03.2010 von Ben Gerten
Schöne Volte – die ehemaligen Chefs der Kommunalen Wasserwerke in Leipzig (KWL) haben sich verzockt. Die Versicherungsgeschäfte des städtischen Unternehmens können die sächsische Kommune in den kommenden Jahren bis zu 290 Millionen Euro kosten. Über den Tisch gezogen wurden die beiden Wassermanager dabei von einer Kombination aus der Schweizer Großbank UBS, der baden-württembergischen Landesbank LBBW und der inzwischen via Hypo Real Estate wieder dem Staat gehörenden Depfa Bank aus Dublin (Irland).
Frau Prokop hätte die sächsische Staatsregierung gefragt, was sie eigentlich dazu sagt, dass die Stuttgarter Mutter ihrer eigenen Landesbank sich daran beteiligt, die größte Stadt des Landes finanziell zu ruinieren.
26.02.2010 von Ben Gerten
Heute morgen hat der Bankenverband (BDB) einen ganz ordentlichen Entwurf für ein Produktinformationsblatt präsentiert. Das meinen wohl selbst Verbraucherschützer http://news.google.de/news?q=Produktinformationsblatt&um=1&ie=UTF-8&sa=N&hl=de&tab=wn .
Die entscheidende Frage ist nun, ob diese Blätter nicht nur die richtige Information auf wenig Raum bieten und den Vergleich zwichen unterschiedlichen Anlagen erlauben, sondern vor allem, ob sie in der Praxis der Banken eingeführt werden. Hans-Joachim Massenberg vom Bankenverband eierte an dieser Stelle ziemlich: Die Mitgliedsbanken seines Verbandes (Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank , HVB und andere) wollten die Blätter “sukzessive” einführen für die Produkte, die “aktiv vertrieben werden”, so seine Formulierung. Auf Nachfrage räumte Massenberg ein, man müsse jetzt die Mitgliedsunternehmen bearbeiten. Die Einführung sei mit Sicherheit “nicht zum 31. August 2010 abgeschlossen”.
Zugutehalten muss man die Privatbankern, sie haben nach monatelanger Verzögerungstaktik im Verband mal was vorgelegt. Ohnehin hatte das BDB-Mitgliedsunternehmen ING-Diba schon vor Monaten gute Produktinformationsblätter einfach praktisch eingeführt.
Volksbanken und Sparkassen rennen… weiter lesen
10.02.2010 von Ben Gerten
Der ein oder andere hat es sicher schon registriert: In der Schweiz herrscht ein anderes Rechtsverständnis als in anderen Teilen Europas. Wer seinen Verpflichtungen als Steuerzahler nicht nachkommt, das heimische Finanzamt belügt und sich durch die Republik nassauert, ist aus Schweizer Sicht nicht vor allem Gesetzesbrecher sondern jemand der “sich einer als zu schwer und inquisitorisch empfundenen Steuerlast entzieht”. Eine Unterscheidung zwischen “Hinterziehung und Betrug ist richtig und wichtig”, so das Schweizer Wirtschaftsblatt NZZ auf der Seite 1 – vor allem angesichts der “gigantischen Umverteilungsmaschinerie”, die andere europäische Länder betrieben. Die Schweiz gewähre nur Bürger anderer Staaten mit unversteuertem Geld “Unterschlupf”.
Wer einen solchen Steuerhinterzieher hingegen auffliegen läßt, ist ein “Denunziant” und “Datendieb”, so die NZZ am Wochenende. Die Schweiz müsse jetzt Lösungen finden, Amnestien für Steuerhinterzieher erwirken angesichts “der gewaltigen Bestände an schwarzem Vermögen in der Schweiz”. Auf Schweizer Konten ausländischer Bürger lagern laut NZZ rund 2400 Milliarden Franken… weiter lesen
16.01.2010 von Ben Gerten
US-Präsident Barack Obama will die Banken für die Kosten der Finanzkrise bezahlen lassen. Obama präsentierte einen Plan, mit dessen Hilfe er in denn kommenden 12 Jahren mindestens 117 Milliarden Dollar zusätzlich von großen Finanzinstitutionen in den USA zurückholen will. In einer kämpferischen sechs Minuten Rede im Weißen Haus kündigte der Präsident an, angesichts hoher Gewinnen und obzöner Boni jeden Cent bei den Banken zurückholen zu wollen .
Ziel sind die großen US-Banken, aber auch europäische Banken mit einem größeren Geschäft in den USA. Aus Deutschland gehören die Deutsche Bank und die Commerzbank zu den Geldinstituten, die zur Kasse gebeten werden sollen.
Gleichzeitig ermutigt Obamas Truppe ausdrücklich die Partner und Verbündeten, mit eigenen Steuerplänen bei den großen Finanzinstituten auf die Jagd nach den Euros und Dollars zu gehen, die es zur Finanzierung der Krisenkosten braucht.
Frau Prokop hätte gesagt, na ja die Amerikaner sind schuld. Aber… weiter lesen