21.12.2009 von Ben Gerten
Eiskalter Sonntagabend: Der Schaffner sagt. der ICE dürfe bei dem Wetter gar nicht schneller nach Berlin fahren als mit 200 km/h. 50 Minuten Verspätung hatten wir zu der Zeit schon. Und nun werde die Verspätung noch größer werden.
Egal, Hauptsache im Zug ist es wenigstens warm. Den warmen Platz, den ließ die Bahn in den Stunden vorher nämlich stark vermissen. Das Weser-Städtchen Vlotho begrüßt den frierenden Reisenden mit einer backsteinrote Ruine als Bahnhof, die in jedem Horrorfilme ein gute Rolle spielen könnte. Und in Hameln macht pünktlich um zwanzig Uhr jeder Platz im Bahnhof zu, der zum Aufwärmen der Reisenden geeignet wäre.
Die Schaffnerin von der Weserbahn immerhin immerhin schaffte es, den Ausweichzug über Hannover zu benennen, nachdem auf dem Weg nach Hildesheim vereiste Weichen drohten.
PS: Liebe Stadtväter und Mütter von Vlotho, liebe Hotelmanager dortselbst – in dem Zustand ladet ihr am besten eine Splatter-Crew aus Hollywood oder Babelsberg ein, um in Eurem… weiter lesen
10.11.2009 von Ben Gerten
Görlitz strahlt an diesem Samstag, fast 20 Jahre nach dem Fall der Mauer. Viele Fassaden sind renoviert, ein paar Touristen haben sich sogar an dem kalten Novemberwochenende in die Stadt an der Neisse verirrt. Am Barockhaus Obermarkt 29 liest man mit Erstaunen, dass hier neben dem sächsischen Kurfürst August dem Starken schon Napoleon und der russische Zar Alexander I. genächtigt haben sollen. Hinter der prächtigen Fassade scheint das Haus aber leer zustehen
Bei der Suche nach Informationen zu den vielen renovierten Fassaden und Türeingängen lande ich im Buchladen Via Regia. Frank Vater, Buchhändler und Verleger in der Brüderstraße, stellt fest, dass die deutsche Ausgabe seines Stadtführers ausverkauft ist und empfiehlt dem Touristen stattdessen ein Produkt der Konkurrenz. Draußen am Zeitungsstand hängen erfreulicherweise mehrere Exemplare der taz.
Wichtiger aber noch an diesem Abend, er empfiehlt ein nettes Lokal in der Schwarzen Gasse fürs Abendbrot. “Kurze Karte, gute Küche, wenn Sie mit Menschen ins… weiter lesen
09.11.2009 von Ben Gerten
Die Internet-Platform Twitter, ein nettes Spielzeug um mit Zeitgenossen über kurze Nachrichten in Verbindung zu bleiben und Links auszutauschen, ist dem Nutzeransturm am Jahrestag des Mauerfalls offenbar nicht gewachsen. Berlin Wall taucht zwar bei den am meisten erwähnten Stichworten prominent auf, in Berlin selbst kommt man nicht rein bei Twitter nicht ins Netz von Twitter nicht.
Dabei wollte ich doch nur eine Nachricht hinterlassen, das exakt am Jahrestag des Mauerfalls der berühmteste Tunnel unter dem Mauerstreifen in der Bernauer Straße von Baggern in seiner Ruhe gestört wird. Die Bauarbeiter in der Bernauer Straße 31 graben genau da, wo der 80 Meter lange Tunnel damals entlanglief. Wenig geschichtsbewußt die Bauverwaltung und auch die Bauherren.
Frau Prokop hätte gesagt, schön wenn auch Amerikaner mal überwältigt sind.
30.09.2009 von Ben Gerten
Wolfgang Wieland, Direktkandidat der Grünen in Berlin Mitte, hat ein weiteres Direktmandat für seine Partei verpatzt. Im Wahlkreis 76 in Berlin-Mitte bekamen die Grünen am Sonntag 22,1 Prozent der Zweitstimmen und ließen damit alle anderen Parteien hinter sich.
Beim Kampf um das Direktmandat mußte Wieland aber der 20 Jahre jüngeren unbekannten Sozialdemokratin Eva Högl den Vortritt lassen. Dabei haben die Grünen rund um den Arkonaplatz die 40 Prozent-Marke geknackt und auch im Wedding gab es Wahllokale mit über 30 Prozent grünen Zweitstimmen.
Frau Prokop hätte allerdings vor schnellen Schlüssen gewarnt. Am Alter kann es nicht gelegen haben. Christian Ströbele ist schließlich 70 und gewann seinen Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg mit 47 Prozent – fast 20 Prozent mehr als die Partei an Zweitstimmen erhielt.
Vielleicht aber doch am Engagement für den Wahlkreis. Ströbele ist im politischen Alltag seines Wahlkreises fast omnipräsent. Wieland nur auf Plakaten.
20.09.2009 von Ben Gerten
Die ostdeutsche Schriftstellerin Monika Maron hat am Freitag auf dem internationalen literaturfestival berlin ihr neuesBuch “Bitterfelder Bogen” vorgestellt. Sie las aus dem Bericht über das Wiedererstehen der dreckigsten Industriestadt Europas im Geiste der Solarenergie.
Sie berichtete von ihren Kontakten mit den westberliner Öko-Freaks von Wuseltronik, die die Keimzelle für die Solarfirma Solon und den Solarkonzern Q-Cells lieferten und von der Chance, die eine solche Umgestaltung für eine Stadt wie Bitterfeld bietet. Maron, die vor dreissig Jahren berühmt wurde mit ihrem Roman “Flugasche” über die 180 Tonnen Flugasche, die auf die Menschen in Bitterfeld und Umgebung herunter regneten, hat die Solarfreaks vom einst sozialistischen kreuzberger Ingenieurskollektiv Wuseltronik gefunden und vertraut ihren Ideen die Zukunft an. Sie hat sich von den Ideen der Macher um den längst verstorbenen Wuseltronik-Gründer Reiner Lemoine anstecken lassen und einen optimistischen Bericht geschrieben.
Allein Florian Höllerer, der Maron im Haus der Berliner Festspiele vorstellen sollte, die Tochter eines DDR-Innenministers,… weiter lesen
16.09.2009 von Ben Gerten
Im Wahlkampf in Berlin bekommt das Thema Mindestlohn einen immer höheren Stellenwert. Die Kandidaten-Befragungen beim RBB-Sender Radio 1 drehen sich um das Thema und an den Plakatwänden wird die Auseinandersetzung hart geführt.
Zwei der besten Pro-Mindestlohnplakate will ich hier vorstellen:
Dieses stammt eigentlich von Verdi und steht am Schiffbauerdamm im Stadtzentrum:

Und dieses von der FDP steht in Berlin-Zehlendorf. Auf den Kampf der FDP für den Mindestlohn hat Sascha Lobo bei twitter zuerst aufmerksam gemacht. Danke, Sascha!

Frau Prokop hätte gesagt, so kann man Wahlkampf sogar mit Jugendlichen diskutieren und die finden das spannend. Anders als beim TV-Duelle. Da sind sie zu den Simpsons abgewandert.
12.09.2009 von Ben Gerten
Wer beim S-Bahnfahren in Berlin seinen Fahrschein vergisst, bekommt eine Zahlungsaufforderung der Bertelsmann-Tochter Infoscore. Ganz abseits der Frage, ob das erhöhte Beförderungsentgelt im konkreten Fall berechtigt ist, interessiert mich, was Infoscore, einer der berüchtigten Datensammler in der Republik, eigentlich mit den so gesammelten Daten macht?
Auf der Homepage von Infoscore heißt es beispielsweise: “Branchenspezifische Verfahrens-Tools, wie z. B. flexible Schnittstellen oder Online-Kontoauszüge, und der Einsatz eines optischen Archivs ermöglichen eine effiziente und transparente Bearbeitung. ”
http://www.infoscore.de/de/dienstleistungen/forderungsmanagement/technik/index.html
Was heißt hier optisches Archiv? Wer kennt sich mit Infoscore aus? Die in einer Studie für Verbraucherministerin Ilse Aigner geäußerte Einschätzung ist jedenfalls nicht vertrauenserweckend.
http://www.gp-f.com.de/pdf/ak_visco.pdf
Frau Prokop wären solche Fragen eingefallen, als sie heute die Bilder der Bürgerrechts-Demo in Berlin sah.
07.09.2009 von Ben Gerten
Das Problem war nicht schwierig zu lösen. Ich hatte den Speicherchip meiner zwei Jahre alte Fuji Digitalkamera zu Hause liegen lassen und wollte unterwegs in Münster einen neuen kaufen. Ich weiß nicht, wie die Chips heißen und hatte die Kamera auch nicht zur Hand. Aber in dem Photo Porst Shop in der Innenstadt von Münster würden sie mir sicher helfen können, nahm ich an.
Der Mitarbeiter verkaufte mit denn auch einen 4 GB Chip von Agfa zum stolzen Preis von 19,99 Euro. Mit der Maßgabe: “Wenn er nicht paßt, dann lassen sie ihn in der Packung und bringen ihn zurück.” Von der Größe her paßte er, also zerriss ich die Verpackung um an den Chip zu kommen. Doch dann weigerte sich die Kamera mit dem neuen Chip zu arbeiten.
Es kam wie es kommen mußte. Der Laden wollte am nächsten Morgen den unnützen Chip nicht zurück nehmen. Es stellt sich… weiter lesen
01.09.2009 von Ben Gerten
Die Helmholtz-Gesellschaft hat als Betreiberin der Atommüllkippe Asse die Menge des dort eingelagerten Plutoniums nicht im Griff gehabt. Am Wochenende kam heraus, dort unten lagern 28 Kilo Plutonium, dreimal so viel wie bislang eingeräumt.
Sie hat in dem einsturzgefährdeten Bergwerk trotz vieler öffentlicher Warnungen immer weiter Atommüll einlagern lassen. Die schlimmsten Sünden kommen jetzt nach der Übernahme der gefährlichsten Müllkippe der Republik durch das Bundesumweltministerium heraus.
Die gleichen Wissenschaftler produzieren übrigens weiter Atommüll und gehen dabei mit größeren Mengen gefährlicher Atombrennstoffe um - als größter Nutzer des Forschungungsreaktor Garching bei Mnchen.
Frau Prokop kann nur stauen: Wie kann es sein, dass der Freistaat Bayern einen für die atomaren Risiken so wenig sensiblen Wissenschaftsladen in der Atomanlage Garching vor den Toren von München weiter forschen läßt?
26.08.2009 von Ben Gerten
Meine Digitalkamera ist kaputt, genauer gesagt zieht sich ein schwarzer Strich durch jedes Bild. Aber glücklicherweise ist die Kamera noch nicht zwei Jahre alt, ich habe das Gerät also zum Mediamarkt zurückgebracht und um kostenlose Reparatur gebeten.
Das war vor zwei Wochen. Gestern stach mich der Hafer und ich dachte, muss doch mal nachfragen. Nach drei Minuten Telefonschleife bat mich die freundliche Stimme Namen und Telefonnummer zu hinterlassen. Eine halbe Stunde später habe ich es noch einmal versucht – wieder die freundliche Computerstimme. Ich spreche den Automaten also mit genervtem Unterton auf mein Anliegen an.
Und tatsächlich, später während der Tagesschau ruft eine junge Dame an, erkundigt sich und teilt mir mit, dass Mediamarkt vom Reparaturdienstleister leider noch nichts gehört habe. “Demnächst könnten wir ihn mahnen.” Ich erkläre nur kurz, dass mir der interne Ablauf egal ist, schließlich sagen die Geschäftsbedingungen des Mediamarktes, dass der Konzern den Reparaturshop aussucht. Ich… weiter lesen