Endlich angekommen. Das Doppelbett ist komfortabel, die Matratze richtig gut. Das kleine Apartment verfügt über neben der Einbauküche sogar über eine Waschmaschine und einen Staubsauger. Die hätte ich gar nicht gebraucht.
Dafür aber gerne eine andere Schließanlage. Die hätte geholfen, eine nächtliche Stadtrundfahrt in Essen zu vermeiden. Um den Schlüssel für das Apartment zu bekommen musste ich um kurz vor zwölf am Essener Hauptbahnhof ein Taxi nach Stoppenberg nehmen, dort den elektronischen Schlüssel und ein Bier abholen und dann von Stoppenberg nach Essen-Huttrop zu Apartment fahren. Apartment über einem Lidl-Markt (;-).
Rechne ich die 22 Euro dem Apartmentpreis zu, war das Bett über dem Laden ein teurer Spaß. Zu teuer. Andererseits könnte ich dem Hotel auch den Unterhaltungswert des Gesprächs mit dem Taxifahrer gutschreiben. Ein junger Araber, der um seine Begeisterung für die Jasmin-Revolution in Tunesien keinen Hehl machte. „Saddam war ein lausiger Diktator. Aber es ist ein… weiter lesen
Archive for the ‘Reisen’ Category
Capitol Hill ist das nette Viertel von Seattle, dort wo die Schwulen siedeln und die Bürger hinterherziehen. So nett ist es dort, dass ich im Auto dieses Zentrum des Seattle Way of life gar nicht bemerkte. Erst am Ende des Broadway ging mir auf, dies könnte es gewesen sein.

Ein Spaziergang entlang der unscheinbaren Straße bestätigte die Theorie. Der Linienbus lud ein Fahrrad vorne auf, die Tüte roch bemerkenswert gut und der Kaffee hielt alle Versprechen der Kaffeestadt Seattle.
Am Nachmittag habe dann noch eine Runde auf Mercer gedreht, einer Insel östlich der Innenstadt. Zwischen all den Villen am Hang fand ich im Südosten eine schöne Badestelle. Sich sonnen, ins Wasser gehen und den Hausberg, den Mt. Rainier, betrachten – das war hier eines.

Am anderen, nördlichen Ende der Insel sollte man einen Blick auf die… weiter lesen
Bilder sagen mehr als tausend Worte, hätte Frau Prokop gesagt.
Schaufenster aufgenommen in der Innenstadt von Seattle im August 2010

Begeistern kann man sich auch für Fußball. Sonntags lohnt es sich zum Beispiel das schöne – und mindestens zeitweise weltgrößte – Stadion Maracanã zum Fußball aufzusuchen, sogar an diesem Ostersonntag 2009.
Rozane ließ sich nur widerwillig zum Fußballnachmittag überreden. Ihre Bedingung: „Keine Kamera, kein Portemonnaie und kein teure Sonnenbrille!“ Auf dem Spielplan stehe schließlich das emotionale Pokalderby zwischen den beiden lokalen Traditionsclubs Flamengo und Fluminense. Schon auf der Rampe vom U-Bahnhof zum Stadion muss sie aber einräumen, dass viele Familien mit Kindern hier zum Spiel unterwegs sind, dass es so gefährlich also gar nicht sein kann.
Tatsächlich haben die Sicherheitsbehörden das Vorspiel, das Spiel und das Nachspiel voll im Griff. Nicht mal eine Plastikflasche mit Wasser darf man auf das Gelände mitnehmen. Alkohol ist ohnehin verboten. Brauchen die Cariocas, so nennen sich die Bewohner von Rio, auch nicht für die aufgeregte Stimmung beim Derby.
72.400 Fans meldet die Stadionanzeige. Ich… weiter lesen
…..In der Nähe der Universtät überrascht Touristen „Caverna do Bin Laden“ (Bin Ladens Höhle). Über dem Eingang des Clubs hängt die freundliche Schild „Wo die Taliban sich treffen!“
Der Wirt ist Nachfragen gewohnt. Tatsächlich sei er selbst Bin Laden, lacht er. „Die Studenten haben mich seit Jahren so gehänselt“, erklärt der bärtige aus Italien stammenden Sergio Urzai. Und als sie seine Bar dann auch noch „Bin Ladens Bar“ genannt hätten, habe er die Chance beim Schopf ergriffen und seinen ersten Laden auch offiziell „Bin Ladens Bar“ genannt. Die junge regionale Brauerei Itaipava habe gern mitgemacht. „Ich war einer der erste Kunden in Niteroi.“
2005 habe er dann umziehen müssen und in dem gekauften Haus dann „Bin Ladens Höhle“ eröffnet. „Mein Sohn meinte, bei dem alten Bau biete sich das Wort Höhle doch eher an.“ Sohn Luciano, ein Kunststudent, hat auch die aktuellen Bin Laden Poster entworfen, auf den das Bier… weiter lesen
Niteroi liegt am anderen Ufer. Dort schläft man, in Rio geht man zur Arbeit. Der bürgerliche Vorort bietet seinen knapp 500.000 Einwohnern einen schönen Blick auf den Zuckerhut und die Metropole, deutlich weniger Krimalität, ein weltberühmtes Museum und eine ruhige Universtät.
Und doch ist dem Frieden in Niteroi nicht ganz zu trauen. Denn hinter den ordentlichen Fassaden verbirgt sich ein radikales Völkchen. Der Architekt jenes Museums zum Beispiel, Oscar Niemeyer, ist bekennender Kommunist. Mit über 100 ist er vielleicht weniger gefährlich. Für einen Provokation ist der alte Mann aber immer noch gut. Und er wird im ganzen Land gehört. Der Mann hat vor über 50 Jahren die Hauptstadt Brasilia geplant.
Besucher denken, wenn sie das Raumschiff-Museum auf der Felsspitze vor der Stadt sehen, zunächst an „Mars Attacks“. Für Niemeyer soll am Ufer der Bucht hingegen eine Blume aufblühen. Grandios ist das Gebäude, aber mit der Blumentheorie hat er weder Touristen… weiter lesen
Reisen bildet. Auf meiner jüngsten Portugalreise konnte ich entdecken, wie vielseitig die Buchstabenkombination CDU ist. Im Europawahlkampf prangten die drei Buchstaben groß und in blau auf einem Plakat mit roten Fahnen im Hintergrund. Klein auf dem Plakat findet man einen Hinweis auf Hammer und Sichel und eine nicht grüne Sonnenblume.

Eigentlich das richtige Plakat für den jetzt kommenden Wahlkampf in Schleswig-Holstein, oder?
Frau Prokop hätte gesagt, die Portugiesen hätten sie schon in den siebziger Jahren erstaunt – vielleicht ist das auch gar keine Sonnenblume – sondern eine Nelke.
Ich muss was ergänzen. Nicht alle Störche auf der iberischen Halbinsel haben es mit der katholischen Kirche. Manche sind auf deutlich modernere Strukturen aus. In Portugal kann man 50 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Lissabon ganze Storchenkolonien auf Hochspannunngsmasten entlang der Autobahn nach Spanien beobachten.
Und im südlichen Kastilien, in Trujillo, der Heimatstadt des Inka-Schächters Fernando Pizarro nistet ein Storchenpaar sogar auf dem Mobilfunkmast über der örtlichen Post.

Deutsche Artenschutzexperten, denen ich von meiner Beobachtung mit den Strommasten erzählte, zuckten nur die Schulter. In Mecklenburg-Vorpommern würden sogar die Fischadler auf Strommasten nisten.
Frau Prokop hat damals immer gewettert, diese Technik werde das Ende der Natur sein – sieht so aus, als ob die Natur sich zu helfen wüßte.
Frau Prokop ist in ihrem Leben selten geflogen. Deswegen hätte sie für folgenden Ärger sicher zunächst wenig Verständnis gehabt.
Kurz nach halb zwölf nachts landet der Ferienflieger aus südlichen Gefilden auf dem kommenden Großflughafen Schönefeld in Berlins Süden. Bis das Gepäck vom Band gehoben ist dauert es gar nicht so lange und um fünf vor zwölf steht der Reisende an der Bushaltestelle, die ihn mit dem Nahverkehr der Metropole zu Berlins südlichstem U-Bahnhof nach Rudow bringen sollen. Wartezeit 15 Minuten.
Dann fährt der Bus der Berliner Verkehsbetriebe BVG schließlich ab und liefert den Fahrgast am U-Bahnhof Rudow ab, wo ihn ein weiterer Hinweis empfängt. In wiederum 15 Minuten werde die U-Bahn zum Pendelverkehrsbahnhof Grenzallee verkehren. Abstimmung zwischen dem Pendelbus und dem U-Bahntakt – keine.
Gut einen Stunde vom Touchdown bis zum U-Bahn-Start ist schon grenzwertig. Doch dann schafft es die U-Bahn auch noch mit dem angekündigten Pendelverkehr den Fahrgast zu einer… weiter lesen