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Beiträge getaggt mit ‘bmw’

07.01.2009

Altindustrie Auto VI – die schlimmen Dezemberzahlen

von Ben Gerten

Autokonzerne konnten auch im Dezember 2008 deutlich weniger Blechkisten verkaufen als im Vorjahr. Frau Prokop hat nach einem solchen Satz immer gesagt: Beispiele bitte! Voila.

- Chrysler verkaufte in den USA im Jahr 2008 rund 30 Prozent weniger als im Vorjahr, General Motors 23 Prozent und Ford zwanzig Prozent. Auch Toyota verkaufte 2008 in den USA 16 Prozent weniger Autos. Porsche lag übers Jahr bei einem Minus von 25,2 Prozent und BMW bei knapp zehn Prozent minus.
- Im Dezember war es noch schlimmer – für Chrysler minus 53 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, für Toyota minus 37 Prozent, für General Motors minus 31 Prozent und für die Kernmarke BMW bei vierzig Prozent. Nur der Mini verkaufte sich in den USA halbwegs.
- Auch in Japan gingen die Autozulassungen insgesamt um 6,5 Prozent gegenüber 2007 zurück auf den niedrigsten Stand seit 32 Jahren, im Dezember lag der Rückgang sogar bei 22 Prozent.
- Toyotas Luxusmarke Lexus traf es dort mit einem Minus von 25 Prozent besonders hart, auch Mitsubishi verlor mehr als 22 Prozent. Die ausländischen Marken verloren 2008 16 Prozent an Zulassungen, lediglich Honda konnte sechs Prozent mehr Zulassungen verbuchen.
- Frankreich spürte die Krise erst milde, insgesamt gingen die Zulassungen um 0,7 Prozent zurück.
- in Südkorea muss der chinesische Konzern Shanghai Automotive Industry den kleinsten Hersteller SSang Yong mit einer Kapitalspritze am Leben erhalten. Insgesamt hatten die koreanischen Marken Hyundai, Kia, Daewoo, Samsung und Ssang Yong ihren Absatz 2008 noch um 2,4 Prozent auf 5,35 Millionen Autos stiegern können, davon mehr als die Hälfte von Hyundai.
- 5,35 Millionen Autos, dass sind nur unwesentlich weniger Fahrzeuge als die 5,5 Millionen, die in Deutschland 2008 gefertigt wurden. In Deutschland fielen Herstellung und Export von Autos im schlechten Dezember um jeweils 22 Prozent. Die Orders aus dem Ausland gingen sogar um über 30 Prozent zurück.

03.12.2008

Altindustrie Auto II

von Ben Gerten

Im Augenblick lohnt es sich Hiobsbotschaften zu sammeln über den Zustand der Autoindustrie.

Die Deutsche Bank hält General Motors für komplett wertlos und legt das Kursziel auf 0 fest.

Die drei großen amerikanischen Autokonzerne wissen nicht mehr wie sie die Krankenversicherungskosten für ihre 700.000 Pensionäre aufbringen sollen – 240.000 Beschäftigten geben sie heute Arbeit in den USA. Allein im Januar sollen 18 Milliarden Dollar für den entsprechenden Gesundheitsfonds fällig werden.

Gleichzeitig werden General Motors, Chrysler und Ford weniger wichtig in den USA. Sie machen nicht einmal mehr die Hälfte des amerikanischen Marktes aus. Und die gesamte US Autoindustrie ist noch verantwortlich für 2,3 Prozent des amerikanischen Sozialprodukts. 1990 waren es noch fünf Prozent.

Die drei großen Us-Hersteller beschäftigten im September noch 127.000 Arbeitnehmer an den Bändern – nach 151.000 zum Jahresbeginn. Bei den Zulieferern arbeiten noch 415.700 Arbeitnehmer nach 490.000 zu Jahresbeginn, berichtet das US-Arbeitministerium.

Allein seit 2000 hat General Motors die Zahl seiner gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer halbiert. Um das Lobbying hat man sich aber gut gekümmert. Zum Board des größten US-Autokonzerns gehören Erskine Bowles, Bill Clintons Stabschef, John Bryant, Fundraiser für Obama und Armando Codina, ein persönlicher Freund George Bushs, schreibt das Wall Street Journal.

Weil die Hummer-Fahrer von der General Motors Konzernzentrale in Detroit kein Geld mehr haben, soll Opel jetzt die Bundesregierung anpumpen. US-Experten wie der New Yorker Ökonom Edward Altman empfehlen Hilfen an Autokonzerne erst nach dem amerikanischen Konkurs nach Chapter 11 zu gewähren. Aktionäre müßten ihr Geld verlieren, Anleihenhalter Aktionäre werden und Tarifverträge neu verhandelt werden

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz erklärt in der Presse, dass die Zentrale in Detroit sich mit fingierten Preisen eine zusätzliche Milliarde Dollar aus Europa geholt hat.

Der deutsche Versicherer Euler Hermes hält General Motors und Ford für so gefährdet, dass Automobilzulieferer die Bezahlung ihrer Rechnung durch die Konzerne bei Euler gar nicht mehr versichern lassen können.

Nicht ganz so dramatisch: BMW schickt seine Mitarbeiter für vier Wochen in Weihnachtsferien. Im Oktober hatte BMW acht Prozent weniger Autos verkauft als im Oktober des Vorjahres.

Bei Daimler sieht es schlechter aus. Im Oktober 2008 lagen die Autoverkäufe 18 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Bei der spritsaufenden S-Klasse lagen die Verkäufe um 30 Prozent niedriger, vom Smart wurden dagegen sogar 6,5 Prozent mehr verkauft.

General Motors hatte in den USA 45 Prozent weniger Autos verkauft.

Mit der vorausschauenden Weisheit der Börse ist es an dieser Stelle auch nicht weit her.

Vor einem Jahr, im Herbst 2007 blickten BMW, Daimler und VW offenkundig noch auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die drei deutschen Autokonzerne hatten zwar zu Hause weniger Autos verkaufen können, aber Amerikaner und Chinesen sorgten für fröhliche Gesichter. Der BMW-Kurs war von 2006 nach 2007 um 25 Prozent gestiegen, der von Daimer um gut 80 Prozent und der von VW sogar um 150 Prozent. Daimler war damals 75 Milliarden Euro wert, BMW knapp 30 Milliarden und VW rund 45 Milliarden Euro.

Frau Prokop fuhr schon in den siebziger Jahren nicht mehr Auto. Wenn auch alle Chinesen Auto fahren wollten, das überlebt der Planet nicht, sagte sie damals.

24.10.2008

Autoindustrie ist Altindustrie

von Ben Gerten

Mein Freund Erwin hat schon vor zehn Jahren gesagt, die Autoindustrie wird zur Altindustrie. Jetzt ist es soweit. Die Anzeichen:

- Daimler bewertet seinen 20 Prozent-Anteil, den es nach der gescheiterten Fusion noch an Chrysler hält heute mit 0 Euro, der Autokonzern Chrysler ist also wertlos.

- General Motors und Ford sind an den Börsen jetzt so viel wert wie Ende der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ihre Verkäufe in Europa sind im September um 18 bzw. elf Prozent zurückgegangen.

- Die BBC berichtet, der Verkauf an Autos in den USA sei allein im September um 27 Prozent zurückgegangen.

- In Europa ist der Verkauf von Autos von Juli bis September um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Das sind die niedrigsten Werte seit 1998.

- BMW verkauft sogar dreissig Prozent weniger Autos in den USA als vor einem Jahr, in Europa minus 15 Prozent.

- Daimler-Chef Zetsche nennt die ganze Entwicklung anläßlich der Quartalsbilanz einen abrupten Rückgang.

- US-Zeitungen berichten, Zocker-Milliardär Kirk Kerkorian verkauft Anteile am Ford-Konzern zu einem Schleuderpreis. Wirft er alle Anteile zum derzeitigen Preis ab, verliert er mehr als 600 Millionen Dollar. Der 91-jährige hatte seine Aktien vor einigen Monaten für 7 Dollar das Stück gekauft. Jetzt sind sie noch ein Drittel wert. Kerkorian war der größte Anteilseigner an Ford nach der Ford-Familie.

- In der deutschen Autoindustrie könnten 100.000 Jobs flöten gehen, meinten gestern Experten – auf nimmer wiedersehen.

- Von einem deutschen Konjunkturprogramm für spritsparende Autos würden deutsche Konzern nicht profitieren meinten andere Experten zu Beginn der Woche. Deutsche Autos schlucken zu viel. Gerade noch im Sommer hat sich Kanzlerin Angela Merkel in Brüssel dafür eingesetzt, dass die Konzerne in Deutschland nicht schnell in Richtung spritsparende Autos umsteuern müssen.

- Und jetzt das ultimative Signal: Die Vereinigung der europäischen Autobauer ACEA möchte von den Regierungen 40 Milliarden Euro pumpen, um ihre Hausaufgaben zu machen, nämlich die Produktion auf umweltfreundlichere Autos umzustellen. Von Angeboten zur Lohnzurückhaltung bei Automanagern ist allerdings immer noch nichts bekannt. 

Frau Prokop erinnert das alles an die Kohle-Kumpel im Ruhrgebiet. Die Ruhrkohle bekam zeitweise so viel Subventionen, dass man jedem Kumpel jedes Jahr eine neue Frittenbude hätte spendieren können.

20.06.2008

VW-Chef macht Kunden verantwortlich, BMW-Chef kann nicht rechnen

von Ben Gerten

VW-Chef Martin Winterkorn macht die Kunden für die spritschluckenden Modelle seines Konzerns verantwortlich. Das Problem der Autoindustrie und auch von VW mit ökologischen Autos sei gewesen, “dass der Kunde diese Modelle in den letzten Jahren kaum nachgefragt hat”, so der VW-Chef in BILD Anfang der Woche. Zudem leide die Autoindustrie “unter den unklaren Vorgaben der Politik”.

Wegen solcher lange fehlenden Vorgaben sieht VW Probleme sich auf die strengeren Abgasnormen der EU vorzubereiten. “Wir bauen schließlich ein Produkt, dessen Entwicklung Jahre dauert”.

BMW-Chef Norbert Reithofer ist am Freitag in der gleichen Zeitung ungleich optimistischer: “Der CO2 Ausstoß der BMW-Group-Flotte  hat sich im ersten Quartal des Jahres auf 158 Gramm je 100 Kilometer  im Schnitt reduziert, verglichen mit 187 Gramm im Vorjahr.”

Frau Prokop hätte geantwortet: “Setzen und noch mal nachrechnen.” 158 Gramm pro 100 Kilometer wären wohl Weltrekord. Die EU will 120 Gramm pro Kilometer.