18.08.2008
von Ben Gerten
In Deutschland wird viel zu wenig Wert auf die Vorschulbildung gelegt und damit die Ungleichheit von Bildungschancen zementiert. Zu dieser Überzeugung sind jetzt auch die Redakteure der Frankurter Allgemeinen Sonntagszeitung gekommen. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hatte die fehlenden Anstrengungen des Staates für die Vorschulbildung zuletzt skandalisiert. Staatliches Handeln vertiefe die Ungleichheit von Bildungschancen statt sie zu beheben, so Lauterbach in Berlin http://blogs.taz.de/frauprokop/2008/07/16/experimentes_r…_nicht-wissensexperimentes_regieren_unter_den_bedingungen_des_nicht-wissens.
Unter der Überschrift “Mehr Bildung für die armen Babys” berichten nun die FAS-Redakteure über die Arbeiten des Bildungsökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträgers James Heckmann. Ihre Zusammenfassung:
Je früher im Leben wir vom Schicksal benachteiligte Kinder fördern, desto größer ist ihre Aussicht auf Erfolg. Und desto billiger wird es für die Gesellschaft.
Dann legt die Zeitung Statistiken vor, nach denen in Deutschland für Vorschul- und Grundschulkinder besonders wenig Geld, für Gymnasiasten und Studierende besonders viel Geld ausgegeben wird. Um dann deutsche Bildungsforscher zu zitieren, die das Ungleicheitsproblem hierzulande für noch gravierender als in den USA halten.
Frau Prokop würde in die Hände klatschen. Endlich setzt sich in diesem Bereich die Vernunft durch. Jetzt muss das Geld nur noch ausgegeben werden. Das aber ist die höchste Hürde, wie man derzeit am Widerstand des rot-roten Berliner Senats gegen das Berliner Kita-Volksbegehren sehen kann.
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16.07.2008
von Ben Gerten
Endlich haben wir eine Antwort. Die rot-grüne Bundesregierung war einfach nur mit der Realität überfordert. Sie wußten nicht, was sie taten, als sie den Spitzensteuersatz auf 42 Prozent senkten. Oder mit den Worten des Kasseler Politikprofessors und ehemaligen IG-Metall Funktionärs Wolfgang Schröder: Es ging um “experimentelles Regieren unter den Bedingungen des Nicht-Wissens”.
Sie wußten eben nicht, warum sie die Riester-Rente nicht obligatorisch machten – obwohl ihr Arbeitminister Walter Riester dies wollte. Und sie wußten auch nicht, warum in Deutschland Kindergartenplätze auch für benachteiligte Familien immer noch Geld kosten während Studienplätze gebührenfrei werden sollte.
Schöder analysiert Tapsigkeit, der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach formuliert am Dienstag in der Friedrich-Ebert-Stiftung schärfer. Er sieht auch zu Zeiten von Rot-Grün den Zwei-Klassen-Staat am Werk, ein Staat, der die Klassengesellschaft unterstützt.
Lauterbach ätzt, dass es kein Industrieland gebe, in dem die Bildungschancen für Akademikerkinder besser und für Arbeiterkinder schlechter seien als in Deutschland. Das gehe mit der mangelnden Förderung bildungsferner Schichten schon vor der Schule los. Pädagogisch sei unstrittig, den besten Effekt erreiche man mit Förderung im Vorschulalter: “Der Eintritt in die Schule ist schon die Nachspielzeit.”
Wenn beide Eltern Arbeiter ist die Chance auf das Abitur in Deutschland fünf Prozent, sind beide Eltern Akademiker liegt sie bei 90 Prozent. Hier habe der Staat mit seiner Bildungspolitik für die größte Differenz aller OECD-Staaten gesorgt, so Lauterbachs Fazit. In den USA seien die Chancen jedenfalls deutlich gleicher verteilt.
Frau Prokop, die rheinische Grundschullehrerin, hätte Lauterbach für so viel Klarheit ins Herz geschlossen. Sie hätte vielleicht auch gewußt, ob der am Dienstag abend in der Ebert-Stiftung geäußerte Vorwurf stimmt. Schon in den sechziger jahre hätten internationale Bildungsforscher das Debakel des deutschen Schulsystems beschrieben. Und wie hätten die Kultusminister damals reagiert: Weitere Studien wurden einfach abbestellt.
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