18.02.2009 von Ben Gerten
55 Millarden Euro sind der deutschen Zertifikatebranche in den vergangenen 15 Monaten abhanden gekommen. Damit ist die Branche um etwa 40 Prozent geschrumpft, meldete die FAZ am Dienstag.
Ins öffentliche Bewußtsein gerückt ist die Branche im September mit der Pleite der amerikanischen Lehman Brothers Bank. Banken und Sparkassen hatten Zertifikate der Lehman Brothers an ihre Kunden verkauft. Mit der Pleite der Bank waren diese Zertifikate für die Kunden wertlos geworden.
Dabei: Lehman Brothers ist auf dem deutschen Zertifikatemarkt kein großres Licht gewesen. Die Bank lag mit ihren Wertpapieren auf Platz 31 der größten Emittenten. Marktführer bei den komplizierten Wertpapieren ist die Deutsche Bank, die mehr als ein Viertel des deutschen Marktes beherrschte.
Eigentlich sind Zertifikate Wetten auf dem Finanzmarkt. Der Anleger stellt der herausgebenden Bank sein Geld für diese Wetten zur Verfügung. Der Wettpartner ist dabei also die Bank, die das Zertifikat herausgibt. Das Risiko für den Kunden ist erstens, dass er… weiter lesen
02.01.2009 von Ben Gerten
Hans Martin Bury, Vorstand der deutschen Lehman Brothers Tochter als die Pleite kam, wußte mehr über die Gefahren des internationalen Bankwesens, als er zuletzt in der Öffentlichkeit preisgegeben hat. Frau Prokop hat mir ein Buch von Bury zugesteckt: “Das Bankenkartell – Die Verflechtung von Geld, Macht und Politik”, erschienen bei Knaur schon 1996.
Damals kritisierte Bury den Lobbyismus in den Regierungsfraktionen von Union und FDP, schimpfte über die Deutschland AG und berichtete aus dem Inneren der SPD-Fraktion über den seltsamen Eiertanz des Deutschland AG-Protagonisten, Chemiegewerkschaftlers, SPD-Abgeordneten und Aufsichtsrats-Königs Hermann Rappe.
Bury outete sich aber auch schon als Fan des Chicagoer Nobelpreisökonomen und Termingeschäftsexperten Merton Miller. Der Markradikale Miller, für seine unorthodoxe Herangehensweise berüchtigt, ist der Doktorvater des vielleicht berühmtesten Pleite-Professors Myron Scholes. Scholes hatte im Herbst 1998, kaum ein Jahr nach seinem Nobelpreis für Ökonomie, den Hedgefund LTCM spektakulär vor die Wand gesetzt und damit beinahe eine Welt-Finanzkrise ausgelöst. Millers Kommentar… weiter lesen
01.01.2009 von Ben Gerten
Zum neuen Jahr muss das einfach mal gesagt werden: Die Herren Albrecht Müller und Wolfgang Lieb als ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und leitende Ministerialbeamte und ehemalige Staatssekretäre einer SPD-Landesregierung halten private Altersvorsorge für Teufelszeug. Dieses Bekenntnis kann man seit Jahren regelmäßig auf ihren “Nachdenkseiten” lesen
Politisch ist dies eine mögliche, in sich schlüssige Position. Eine hohe Grundrente für alle, die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, höhere Erbschaftssteuern, Abschaffung des Ehegattenplitting und die Erhöhung des Spitzensteuersatzes brächten schon Geld für eine großzügigere Versorgung der Senioren zusammen.
Und niemand kann den beiden Sozialdemokraten das Recht streitig machen, die Abschaffung der rot-grünen Reformen der Jahre 1998 bis 2005 zu fordern.
Was allerdings schließen die Normalverdienerin und der Normalverdiener jetzt aus Müllers Angriffen? Die Anstrengungen für die eigenen private Altersvorsorge einstellen, weil sie die Altersbezüge der verärgerten älteren Herren sowieso nicht erreichen können? Auf das zusätzliche Croissant und den Mallorca-Urlaub im Alter verzichten und dafür auf Sozialdemokraten setzen?
Wie wahrscheinlich ist es,… weiter lesen
20.10.2008 von Ben Gerten
US-Behörden gehen immer stärker dazu über, die wild gewordenen Bankiers an der Wall Street anzubinden, um weitere riskante Geschäfte zu stoppen und das Plündern der Staatskasse zu verhindern. Der Chef der Zentralbank Bernhard Bernanke gibt dabei den Ton vor: Die Investmentbank Lehman Brothers habe schlicht nicht vom Staat gerettet werden können. „Die konnten uns nicht genug Sicherheiten anbieten, als dass wir ihnen einen Kredit der Zentralbank hätten anbieten können“. Anders habe der Fall beim Versicherungsgiganten AIG gelegen, der habe genug Sicherheiten gehabt. Dazu gehörte zum Beispiel die größte Flugzeugleasingfirma der Welt.
In der vergangenen Woche hat sich die US-Regierung an den neun größten Bankhäusern des Landes beteiligt. Die Bedingungen für die Beteiligung waren für die Banken günstig – jedenfalls günstiger als sich das Geld bei Warren Buffett zu leihen.
Gleichzeitig erließ das Finanzministerium nach dem… weiter lesen
07.10.2008 von Ben Gerten
Während das Management der Investmentbank Lehman Brothers staatliche Hilfe suchte, um einen Bankrott zu vermeiden, gewährte es gescheiterten Managern gleichzeitig Mitte September Millionen an Dollar an Boni zur Entlassung. Das berichtet die New York Times am Montagabend.
Die Firma sei von einer “unverantwortlichen Führung” geradezu in den Ruin getrieben worden, so die Zeitung. Noch vier Tage vor der Insolvenz sei drei scheidenden Managern ein Bonuspaket von zwanzig Millionen Dollar geschnürt worden. Schlimmer noch – nach einer internen Liquiditätswarnung im Januar 2008 seien noch 5 Milliarden Dollar an Boni für das Jahr 2007 an leitende Mitarbeiter ausgezahlt worden. Lehmans Chef Richard Fuld erklärte dem US-Kongress in einer Anhörung dennoch, man habe die Krise nicht kommen sehen können.
Die NYT zitiert Fuld aus einer Kongreß-Anhörung:
“Nobody, including me, anticipated how the problems that started in the mortgage markets would spread to our credit markets and banking system and now threaten our entire… weiter lesen
19.09.2008 von Ben Gerten
Die Krise an den Finanzmärkten hat auch die deutschen Sparer und Sparerinnen stark verunsichert. Die Experten beschwören zwar alle, dass es in Deutschland nicht so schlimm werde, aber wer weiß das schon genau.
Schließlich hat die staatliche KFW bis zuletzt nichts kapiert und der bankrotten Bank Lehman Brothers hunderte von Millionen Euros überwiesen, die jetzt erstmal weg sind. Nach den Überweisungen bei den deutschen Großbanken und Versicherungen hat offenbar noch keiner gefragt.
Klar ist aber: Vorher hat z. B. die Dresdner Bank ihren Kunden munter Zertifikate der Lehman Brothers verkauft, die jetzt für die Kunden weitgehend wertlos sind.
Wie gut, dass es dit Stiftung Warentest gibt. Auf deren Homepage haben die Experten von Finanztest aktuell einen Risikocheck für die eigenen Anlagen (www.test.de) platziert. Da wäre Frau Prokop auch Nachschauen gegangen.
17.09.2008 von Ben Gerten
“Hart aber fair” am Mittwoch abend: Der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, wird gefragt, wie er selbst sein Geld anlegt. Koppers Antwort: “Konservativ”. Zertifikate habe er keine.
Solche Zertifikate sind im Kern Anleihen. Das heißt der Kunde gibt einer Bank Geld, dass diese für eine Wette an der Börse nutzt. Gelingt die Wette, profitieren Kunde und Bank, geht die Wette in die Hose, gewinnt nur die Bank.
Doch nicht nur die Wette kann für den Kunden verloren gehen. Das machte Kopper wenig später deutlich. Ein Zuschauer hatte geschrieben, er besitzen Fonds der Pleite gegangenen US-Bank Lehman Brothers. Alle stöhnten, doch Senior-Bankier Kopper stellte zu Recht klar: Wenn es ein Fonds ist, hat der Anleger Glück gehabt, der gehört ihm weiter und wandert nicht ins Insolvenzvermögen.
Anders bei einem Lehman Zertifikat: Da ist bei einer Pleite der Bank nicht nur die Wette verloren, sondern auch der komplette Einsatz des Kunden - bitter, so Kopper.… weiter lesen