Posts Tagged ‘Rio’

12.04.2010 von Ben Gerten
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Rio zu Ostern IV – Maracanã

von Ben Gerten

Begeistern kann man sich auch für Fußball. Sonntags lohnt es sich zum Beispiel das schöne – und mindestens zeitweise weltgrößte – Stadion Maracanã zum Fußball aufzusuchen, sogar an diesem Ostersonntag 2009.

Rozane ließ sich nur widerwillig zum Fußballnachmittag überreden. Ihre Bedingung: „Keine Kamera, kein Portemonnaie und kein teure Sonnenbrille!“ Auf dem Spielplan stehe schließlich das emotionale Pokalderby zwischen den beiden lokalen Traditionsclubs Flamengo und Fluminense. Schon auf der Rampe vom U-Bahnhof zum Stadion muss sie aber einräumen, dass viele Familien mit Kindern hier zum Spiel unterwegs sind, dass es so  gefährlich also gar nicht sein kann. 

Tatsächlich haben die Sicherheitsbehörden das Vorspiel, das Spiel und das Nachspiel voll im Griff. Nicht mal eine Plastikflasche mit Wasser darf man auf das Gelände mitnehmen. Alkohol ist ohnehin verboten. Brauchen die Cariocas, so nennen sich die Bewohner von Rio, auch nicht für die aufgeregte Stimmung beim Derby.

72.400 Fans meldet die Stadionanzeige. Ich… weiter lesen

10.04.2010 von Ben Gerten
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Rio zu Ostern III – Bar dos B

von Ben Gerten

Der Samstagabend gehört der Metropole Rio selbst. Im alten Zentrum und angrenzenden Stadtvierteln haben in Jugendstil- Häusern  hinreißende Sambabars ihre Tore geöffnet. Und Rozane  – meine Stadtführerin – traut sich abends wieder in immer mehr Ecken der alten Stadt.

Live-Musik tönt abends auch jenseits des Zentrums überall in der Stadt.  Am U-Bahnhof Catete spielt jede Nacht eine andere Band im Freien – nur so für das  vorbeistromernde Publikum. Ein paar Blocks weiter am Largo da Marchado geht man die Straße hinauf und findet eine Art Flohmarkthalle, Mercandinho Sao Jose. Schon zwanzig Meter vor der Tür erreicht mich der Blues. Pedro heißt der Schlagzeuger der Bluesband. Im wohnzimmergroßen Laden wippen zwanzig  Zuschauer mit, zumeist selbst Musiker. Die Wirtin hat ihrem Etablissement den Namen Bar dos B gegeben. Pedro und seine Mitstreiter spielen hier seit Oktober regelmäßig.

Während Dillo, der Gitarrist der Band, drei jungen langhaarigen Musikern ein paar Tricks erklärt, wundert… weiter lesen

09.04.2010 von Ben Gerten
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Rio zu Ostern II – Bin Ladens Cage

von Ben Gerten

…..In der Nähe der Universtät überrascht Touristen „Caverna do Bin Laden“ (Bin Ladens Höhle). Über dem Eingang des Clubs hängt die freundliche Schild „Wo die Taliban sich treffen!“

Der Wirt ist Nachfragen gewohnt. Tatsächlich sei er selbst Bin Laden, lacht er. „Die Studenten haben mich seit Jahren so gehänselt“, erklärt der bärtige aus Italien stammenden Sergio Urzai. Und als sie seine Bar dann auch noch „Bin Ladens Bar“ genannt hätten, habe er die Chance beim Schopf ergriffen und seinen ersten Laden auch offiziell „Bin Ladens Bar“ genannt. Die junge regionale Brauerei Itaipava habe gern mitgemacht. „Ich war einer der erste Kunden in Niteroi.“

2005 habe er dann umziehen müssen und in dem gekauften Haus dann „Bin Ladens Höhle“ eröffnet. „Mein Sohn meinte, bei dem alten Bau biete sich das Wort Höhle doch eher an.“ Sohn Luciano, ein Kunststudent,  hat auch die aktuellen Bin Laden Poster entworfen, auf den das Bier… weiter lesen

08.04.2010 von Ben Gerten
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Rio zu Ostern I – Mars Attacks

von Ben Gerten

Niteroi liegt am anderen Ufer. Dort schläft man, in Rio geht man zur Arbeit. Der bürgerliche Vorort bietet  seinen knapp 500.000 Einwohnern einen schönen Blick auf den Zuckerhut und die Metropole, deutlich weniger Krimalität, ein weltberühmtes Museum und eine ruhige Universtät.

Und doch ist dem Frieden in Niteroi nicht ganz zu trauen. Denn hinter den ordentlichen Fassaden verbirgt sich ein radikales Völkchen. Der Architekt jenes Museums zum Beispiel, Oscar Niemeyer, ist bekennender Kommunist.  Mit über 100 ist er vielleicht weniger gefährlich. Für einen Provokation ist der alte Mann aber immer noch gut. Und er wird im ganzen Land gehört. Der Mann hat vor über 50 Jahren die Hauptstadt Brasilia geplant.

Besucher denken, wenn sie das Raumschiff-Museum auf der Felsspitze vor der Stadt sehen, zunächst an „Mars Attacks“. Für Niemeyer soll am Ufer der Bucht hingegen eine  Blume aufblühen. Grandios ist das Gebäude, aber mit der Blumentheorie hat er weder Touristen… weiter lesen

17.04.2009 von Ben Gerten
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Rio V: Brasilien Banken gesund, Kunden abgezockt

von Ben Gerten

Brasiliens Präsident Luiz Ignacio Lula da Silva verkündete in den vergangenen Tagen auf dem Weltwirtschaftsforum für Lateinamerika, dass es den Banken seines Landes gut gehe. Brasilien werde gestärkt aus der Krise hervorgehen. 

Tatsächlich haben Banken in Brasilien nichts auszustehen, wie Frau Prokop gesagt hätte. Zu Hause lassen sich viel bessere Geschäfte machen als auf den internationalen Finanzmärkten.

Die Zinsen für Ratenkredite bewegen sich häufig im hohen zweistelligen Bereich. Fernseher oder Waschmaschinen auf Raten zu kaufen kostet bei den entsprechenden Ketten oft zwischen 50 und 70 Prozent Zinsen im Jahr. Angegeben wird nur der monatliche Zins, der dann zwischen vier und fünf Prozent liegt.

Dieses besonders teures Angebot fand ich vergangene Woche in Rios Stadtteil Flamengo.  5,8 Prozent im Monat sollte der Ratenkredit für die Klimaanlage kosten, oder fast 100 Prozent im Jahr.

Nichts auszustehen, Frau Prokop? Das ist doch Wucher.

 

13.04.2009 von Ben Gerten
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Rio III: Fussballfest im Maracanã-Stadion

von Ben Gerten

Stadion beim Derby

Fußball an Ostern? Da kennen die Brasilianer nichts. Zum Halbfinale des Bundesstaates Rio de Janeiro (16 Millionen Einwohner) treffen sich an diesem Sonntag die Lokalrivalen Flamengo und Fluminense im größten Stadion der Welt – Maracanã.

 Gut 72.000 Zuschauer verfolgen an dem bedeckten Nachmittag das Lokalderby und veranstalten einen Zirkus als ob es um die Weltmeisterschaft ginge. Die Anhänger von Flamengo sind dabei deutlich in der Überzahl. Dafuer verspruehen die Anhaenger von Fluminense zu Beginn des Spiels eine Seifenwolke, so dass man im Stadion die Hand vor den Augen nicht sieht.

1:0 durch ein Tor von Juan siegen die Schwarzroten aus Rios Strandkommune Flamengo schließlich. Nach Chancen hätte es auch 4:0 ausgehen können. Der Sechsjaehrige nebenan heult, die an langen Bambusstangen befestigten Transparente werden wiederweiter lesen

13.04.2009 von Ben Gerten
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Rio II: Ostergottesdienst mit Armenspeisung

von Ben Gerten

Die Kirche Nossa Senhora da Gloria am Largo do Machado ist an diesem Ostersonntag natürlich picke-packe-voll. Morgens um neun, als ich die Brötchen für das Frühstück mitbringen will, ist sie völlig ausgelastet. Knapp zwei Stunden später nach dem Frühstück unterscheidet sich das Bild beim dritten Morgengottesdienst nur unwesentlich.

Ostergottesdienst in Rio – das kann ich mir eigentlich nicht entgehen lassen. Eine kunterbunte Gemeinde, Ventilatoren, die die Gläubigen und den Priester kühlen, eine Predigt, die immer wieder vom Gelächter der Gemeinde unterbrochen wird und schließlich ordentlich Beifall bekommt. Und bei den Kirchenliedern in der golden ausgemalten Kirche aus dem 19. Jahrhundert Arme schwenken wie bei einem Rockkonzert oder früher beim Katholikentag. Solche Erwartungen werden an diesem Morgen voll erfüllt.

Nicht auf der Rechnung hatte ich die große Weihwasseraktion, mit der Priester und Diakon alle Gläubigen abkuehlen, vorweiter lesen

11.04.2009 von Ben Gerten
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Rio I: Taenzerinnen und ein affektierter Pilatus

von Ben Gerten

Karfreitag in Rio: Im Stadtzentrum von Rio haben sich einige tausend Glaeubige zu einer Auffuehrung der Leidensgeschichte Jesu versammelt. Von weitem hoert sich das Spektakel am historischen Arcos da Lapa  wie eine Demonstration an. Auch die Militaerpolizei, die ueberall praesent ist, erinnert eher an Demonstrationsbegleitung. Erst als man dem Platz naeher kommt, entpuppt sich der Auflauf als gaenzlich katholische Veranstaltung.

Den Europaer verblueffen an einem solchen Abend nicht die Musik und nicht das grosse Aufgebot an Statisten oder die roemischen Soldaten mit ihren goldenen Uniformen und dem roten Puschel auf dem Helm. Verblueffend findet er die weissgekleideten Balett-Taenzerinnen beim Auftritt von Pilatus und vor allem den affektierten Auftritt des Pilatus selbst. Der soll dann wohl schwul sein, schimpft meine befreundete brasilianische Journalistin.

Frau Prokop haette gesagt: Peter Ustinov hat doch als Nero den ultimativen durchgeknallten Diktator gegeben. Der Auftritt gestern in Rio war weder religioes noch komisch.