Im Wirtschaftteil der Süddeutschen sind heute die Spinnweben zur Seite geräumt worden, um alte Deregulierungsmythen wieder zu beleben. Guido Bohsem gibt dort einem Jan Hagen das Wort, der – wie viele bankennahe Wissenschaftler schon vor 2007 – den deutschen Bankenmarkt zu deregulieren fordert. Er müsse so werden wie der Britische. Derzeit hätten die Privatbanken gegen Sparkassen und Volksbanken keine Chance und die armen Jungs von der Commerzbank seien quasi gezwungen ihr Glück im Investmentbanking zu versuchen.
Die Geschichte auf Seite 23 zeigt zwei Probleme dieser Art von “Journalismus”. Bohsem hat nur mit Jan Hagen gesprochen. Geschichten mit nur einer Quelle seien bei der Süddeutschen verpönt hat Chefredakteur Kilz früher mal erklärt. Und wie das so ist mit nur einer Quelle: Bohsem erwähnt in seiner Geschichte mit keinem Wort die Schwierigkeiten der britischen Regierung mit ihrem liberalisierten Bankenmarkt. Die Regierung mußte bis auf Barclays praktisch den gesamten Bankensektor verstaatlichen, weil… weiter lesen
Posts Tagged ‘Sparkassen’
Heute morgen hat der Bankenverband (BDB) einen ganz ordentlichen Entwurf für ein Produktinformationsblatt präsentiert. Das meinen wohl selbst Verbraucherschützer http://news.google.de/news?q=Produktinformationsblatt&um=1&ie=UTF-8&sa=N&hl=de&tab=wn .
Die entscheidende Frage ist nun, ob diese Blätter nicht nur die richtige Information auf wenig Raum bieten und den Vergleich zwichen unterschiedlichen Anlagen erlauben, sondern vor allem, ob sie in der Praxis der Banken eingeführt werden. Hans-Joachim Massenberg vom Bankenverband eierte an dieser Stelle ziemlich: Die Mitgliedsbanken seines Verbandes (Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank , HVB und andere) wollten die Blätter “sukzessive” einführen für die Produkte, die “aktiv vertrieben werden”, so seine Formulierung. Auf Nachfrage räumte Massenberg ein, man müsse jetzt die Mitgliedsunternehmen bearbeiten. Die Einführung sei mit Sicherheit “nicht zum 31. August 2010 abgeschlossen”.
Zugutehalten muss man die Privatbankern, sie haben nach monatelanger Verzögerungstaktik im Verband mal was vorgelegt. Ohnehin hatte das BDB-Mitgliedsunternehmen ING-Diba schon vor Monaten gute Produktinformationsblätter einfach praktisch eingeführt.
Volksbanken und Sparkassen rennen… weiter lesen
Sie kennen diese Anzeigen: 5000 Euro Kredit ab 4,99 Prozent. Und auch sie kennen niemand, der den Kredit zu diesen Konditionen bekommen hat. Damit soll jetzt Schluss sein, sagt die Bundesregierung – genauer Verbraucherstaatssekretärin Ursula Heinen-Esser. Die Kölner CDU-Politikerin versprach heute in der Katholische Akademi in Berlin, dass solche Anzeigen künftig nur noch erlaubt seien, wenn wenigstens zwei Drittel der Kunden den Kredit dann auch zu diesen Bedingungen bekommen.
Profitieren würden davon gerade auch die Kölner und Berliner Sparkassenkunden. In beiden Großstädten verlangen die Sparkassen unverschämt hohe Dispo-Zinsen, in Berlin sogar 14,5 Prozent. Gleichzeitig gibt es Banken, die Ratenkredite schon ab 4,85 Prozent anbieten: Die Sparda Berlin, sagt zumindest Finanztest.
Wer also knietief im Dispo steckt, aber für kämpft, da wieder rauszukommen, sollte unbedingt vom Dispo der Sparkassen auf so einen Ratenkredit umsatteln.
Dazu hätte auch Frau Prokop geraten. Die aber hätte gefragt, wie denn die Politikerin auf die kluge… weiter lesen
Einige zehntausend Menschen sind am vergangenen Samstag durch Berlin und Frankfurt gelaufen unter dem Motto: „Wir zahlen nicht für Eure Krise“. Gemeint waren damit die finanziellen und sozialen Kosten, die die von Banken und Finanzgenies eingerührte Weltwirtschaftskrise jetzt schon verursacht.
Demonstrieren allein ist ok, seinen Unmut über das Handeln der Bankiers und Versicherungsmanager zu äußern auch – aber praktisches Nicht-Zahlen ist für das eigene Konto definitiv der noch bessere Schritt.
Jeder und jede kann damit beim eigenen Giro-Konto beginnen. Die Überziehung des eigenen Kontos kostet z. B. bei der Commerzbank knapp 13,5 Prozent, bei der Berliner Volksbank genauso viel, bei der Berliner und Frankfurter Sparkasse sogar 14,5 Prozent. Diese hohen Zinszahlungen muss man den Banken nicht gönnen, die übrigens an dieser Stelle gerade das Geld zu verdienen suchen, dass sie an anderen Stellen verspekuliert haben.
Was sind die Alternativen: Die beste Alternative ist natürlich, das eigenen Konto möglichst nicht unter null… weiter lesen
In Deutschland müssen nach Erkenntnissen der Bundesregierung mehr als 100.000 Erwachsene ohne eigenes Konto auskommen, obwohl dieses “Ausgeschlossensein …zu einer Vielzahl von gesellschaftlichen wie auch finanziellen Nachteilen” führt. Allein die Bundesagentur für Arbeit müsse im Jahr über 17 Millionen Euro Gebühren an Banken zahlen, damit diese kontolosen Bürgern die ihnen zustehenden Summen bar auszahlen, so die Bundesregierung in einer Unterrichtung für den Finanzausschuss des Bundestages.
Das Leben ohne Konto kostet die meist armen Betroffenen zudem im Jahr durchschnittlich 480 Euro an Gebühren, ein Vielfaches der Kosten eines normalen Girokontos. Das Geld könnte “aus Sicht des Bundesfinanzministeriums sinnvoller eingesetzt werden”, heißt es in der Bundestagsdrucksache. Gutverdiener bekommen Konten von vielen Banken heute gebührenfrei angeboten. Die Bundesregierung moniert, dass sich die Situation der Kontolosen auch fast 15 Jahre nach einem ersten Hilfsversprechen der Banken und Sparkassen “nicht verbessert hat. Das Problem besteht unvermindert fort.”
Banken und Sparkassen haben nicht nur… weiter lesen
Amerikanische Wissenschaftler entdecken kleine Banken als stabilisierende Faktoren in der Volkswirtschaft. Philipp Langman und Ellen Seidman schreiben unter der Überschrift “Too small to fail”, dass in den USA die Wahrscheinlichkeit einer Bankpleite “bei großen Banken zuletzt acht mal so hoch ist wie bei Banken mit einer Bilanzsumme unter einer Milliarde Dollar”. Die Zahlen stammten vom der amerikanischen Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corp. und wurden in der vergangenen Woche in USA Today veröffentlicht.
Nimmt man die gängige ökonomische Theorie, die sich in der Vergangenheit für die Deregulierung der Finanzmärkte ausgesprochen hat, dürfte der Erfolg der kleinen Banken so nicht sein. Große Banken wären nach dieser Theorie viel eher in der Lage, für allen möglichen Finanzierungszwecke ein Angebot zu machen und damit wirtschaftlich überlegen.
Das Gegenteil sei aber richtig, so Langman und Seidman in USA Today. Kleine Banken hätten oft eine sehr viel genauere Kenntnis ihrer Kunden und seien in einem funktionierenden Markt sehr… weiter lesen