Ex-Bankenpräsident Klaus-Peter Müller hat heute in Köln ein leidenschaftliches Plädoyer gegen komplizierte Finanzprodukte wie Zertifikate gehalten. Müller sagt vor rund 200 Wirtschaftsjournalisten: „Ich denke, dass die Komplexität von Produkten, die an Privatkunden verkauft werden, drastisch reduziert werden muss.“ Müller räumte zudem selbstkritisch auch ein, dass es „Banken in Deutschland gibt, die im Ratenkreditgeschäft mit Methoden arbeiten, die nicht akzeptabel sind.“ Zu seinen eigenen Fehler befragt sagte Müller: Seine Bank – die Commerzbank – habe „das Geschäft mit Subprime Papieren erst Ende 2006 eingestellt, doch das ist schon zu spät gewesen“. Gleichzeitigt nahm Müller allerdings die 680.000 Mitarbeiter der Bankenbranche gegen Pauschalvorwürfe in Schutz: „Sie sind nicht alle blöde, gierig und korrupt und haben auch nicht alle Fehler gemacht.“
In der Führungsstruktur der Banken allerdings müsse sich so einiges ändern. Frauen fänden sich auf den Führungsebenen viel zu wenige. In den Aufsichtsräten immerhin sei der Frauenanteil auf 8 bis 11… weiter lesen
Posts Tagged ‘Zertifikate’
55 Millarden Euro sind der deutschen Zertifikatebranche in den vergangenen 15 Monaten abhanden gekommen. Damit ist die Branche um etwa 40 Prozent geschrumpft, meldete die FAZ am Dienstag.
Ins öffentliche Bewußtsein gerückt ist die Branche im September mit der Pleite der amerikanischen Lehman Brothers Bank. Banken und Sparkassen hatten Zertifikate der Lehman Brothers an ihre Kunden verkauft. Mit der Pleite der Bank waren diese Zertifikate für die Kunden wertlos geworden.
Dabei: Lehman Brothers ist auf dem deutschen Zertifikatemarkt kein großres Licht gewesen. Die Bank lag mit ihren Wertpapieren auf Platz 31 der größten Emittenten. Marktführer bei den komplizierten Wertpapieren ist die Deutsche Bank, die mehr als ein Viertel des deutschen Marktes beherrschte.
Eigentlich sind Zertifikate Wetten auf dem Finanzmarkt. Der Anleger stellt der herausgebenden Bank sein Geld für diese Wetten zur Verfügung. Der Wettpartner ist dabei also die Bank, die das Zertifikat herausgibt. Das Risiko für den Kunden ist erstens, dass er… weiter lesen
“Hart aber fair” am Mittwoch abend: Der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, wird gefragt, wie er selbst sein Geld anlegt. Koppers Antwort: “Konservativ”. Zertifikate habe er keine.
Solche Zertifikate sind im Kern Anleihen. Das heißt der Kunde gibt einer Bank Geld, dass diese für eine Wette an der Börse nutzt. Gelingt die Wette, profitieren Kunde und Bank, geht die Wette in die Hose, gewinnt nur die Bank.
Doch nicht nur die Wette kann für den Kunden verloren gehen. Das machte Kopper wenig später deutlich. Ein Zuschauer hatte geschrieben, er besitzen Fonds der Pleite gegangenen US-Bank Lehman Brothers. Alle stöhnten, doch Senior-Bankier Kopper stellte zu Recht klar: Wenn es ein Fonds ist, hat der Anleger Glück gehabt, der gehört ihm weiter und wandert nicht ins Insolvenzvermögen.
Anders bei einem Lehman Zertifikat: Da ist bei einer Pleite der Bank nicht nur die Wette verloren, sondern auch der komplette Einsatz des Kunden - bitter, so Kopper.… weiter lesen
-
Amerikanische Zeitungen beschreiben das Ende der Investmentbank Lehman Brothers als Western ohne Helden. Die US-Regierung habe am Freitagabend die Wall Street aufgefordert, die Bank zu retten und gleichzeitig erklärt, für diese Rettung – anders als bei Fällen in der jüngsten Vergangenheit – selbst kein Geld bereit zu stellen.
Zu einer solchen Rettung konnten sich die Bankiers nicht verständigen. Stattdessen verbrachten sie das Wochenende damit, möglichst viel Wüste zwischen sich und die sterbende Stadt Lehman zu bringen. Auch das konnte teuer werden. Wer zehn Millionen Dollar Anleihen von Lehman in Händen hielt und diese gegen einen Bankrott absichern wollte, sollte dafür zuletzt 8.000 Dollar Versicherungsprämie bezahlen, schreibt die New York Times (www.nytimes.com). Das wird sich die Citibank, den Berichten zufolge der größte Halter solcher Anleihen, sicher überlegt haben.
Auch diese Chance ist nun vorbei. Mit der Insolvenz nach Chapter 11 amerikanischen Rechts bekommen die Geldgeber von Lehman für ihre
Der Philosoph auf dem Mainzer Bischofsstuhl hat seine Wette gewonnen: Karl Kardinal Lehmann hat in den vergangenen Tagen 100.000 Euro vom Chef der Landesbank Rheinland-Pfalz überreicht bekommen. Mit dem Geld aus den Geschäften der Bank mit einer sogenannten Dom-Anleihe soll die Domstiftung unterstützt werden, damit notwendige Sanierungsarbeiten an der Mainzer Bischofskirche vorangehen.
100.000 Euro, das ist sogar fast doppelt so viel wie Bischof Lehmann vor einigen Wochen mit den Bankiers vereinbart hatte. Damals war abgemacht worden, dass der Dombauverein das Agio aus einer 100 Millionen Anleihe bekommen sollte. Daraus wären bisher erst 56.000 Euro fällig gewesen.
Bankchef Friedhelm Plogmann ließ sich zum 1. Advent mit dem deutlich größeren Scheck jetzt gern in der Lokalzeitung abbilden und freute sich über den gelungenen PR-Coup. Und der Bischof freute sich sowieso.
Frau Prokop hätte das schon geahnt. Aber welche Kerzen will der Mainzer Bankiers an den kommenden Advent-Wochenenden noch abbrennen?
Ob die… weiter lesen
Die katholische Kirche, mindestens in ihrer rheinischen Ausprägung kann erstaunlich undogmatisch sein. Das gilt insbesondere, wenn´s um das liebe Geld geht. Frau Prokop verwies früher immer auf den Kölner Kardinal Josef Frings, der nach dem Krieg das Klauen von Kohlen und Lebensmitteln zum Überleben legitimiert hatte. Fringsen hieß das.
Die Kölner Katholiken leiden derzeit unter einem nicht rheinischen Kardinal, dem Ostimport Joachim Meisner (in Breslau geboren), nicht liberal, nicht undogmatisch, nicht kunstverständig. In kleiner Runde schimpfen sie ihren Erzbischof angesichts der lebensweltlichen Defizite schon mal den Kalifen von Köln. Als ob der was von 1001 Nacht wüßte.
Dafür haben die Mainzer Glück. Ihr Kardinal Karl Lehmann (gelernter Philosoph) verkörpert auf das Vortrefflichste den rheinischen Katholizismus. Und was macht ein solcher rheinischer Kardinal, wenn ihm Geld für die Renovierung der Kirche fehlt. Er wendet sich an einen rheinischen Banker und gemeinsam brüten sie eine rheinische Idee aus. Die Mainzer Dom-Anleihe: 100 Millionen Euro schwer.… weiter lesen