vonfuchsbau 01.10.2018

Der Fuchsbau

„Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Während Maksio das zweite Käsebrötchen, die Schokoladenmilch, den Comic und seinen Ball zurück in den Rucksack packte, überraschte ihn der ominöse Besucher mit dem schwarzgelben Smiley-Anstecker auf der linken Sakko-Brusttasche erneut. Mateusz zog eine Packung Zigaretten aus seiner Hosentasche und zündete sich eine von ihnen mit einem zischenden Streichholz an. Die obsolete und nur mit Ja zu beantwortende Frage, ob er nicht zu jung für so einen Unfug war, stellte sich Maksio nicht, denn mit seinen vierzehn Jahren konnte er dieses Gehabe nur als cool bezeichnen.

Beim Hinaufsteigen, die paar Schritte von seinem verborgenen Versteck rauf auf den Wanderweg, rutschte Maksio auf einer Nacktschnecke aus und fiel beinahe hin. Gerade rechtzeitig fasste Mateusz nach einer ins Leere greifenden Hand, hielt sie fest und hievte Maksio hoch zu sich auf den Gehweg. Sofort hatte Maksio das Gleichgewicht wiedererlangt. Eine Hand um die Hüfte von Mateusz und eine Gesichtshälfte auf dessen Brust, kam er zum Stehen. Dem selbst beinahe aus der Balance geratenen Städter fiel die brennende Zigarette aus dem Mund und verschwand irgendwo im dichten Gras. Schnell richteten sich die beiden Jungen wieder auf, und während Maksio rot wurde, versuchte Mateusz Haltung zu bewahren, griff nach dem nächsten Glimmstängel und lenkte von der peinlichen Situation ab.

»Alles gut? Willst du auch eine? Übrigens, ich heiße Mateusz, und du?«

»Maksymilian, aber alle nennen mich Maksio. Nein danke, ich rauche nicht. Wie alt bist du überhaupt?«

»Fünfzehn, und du?«

»Vierzehn.«

»Na und?« Mateusz schnitt eine Grimasse und beide fingen an zu lachen.

An diesem Vormittag, auf dem Deich in Miasto, trafen zwei Welten aufeinander: das wohlhabende Bürgertum auf das Bauerntum. Deren junge Vertreter zeigten sich voneinander fasziniert und willig, alles über das Gegenüber zu erfahren, vielleicht, weil es neu war.

Während ihres kurzen Spazierganges, den zwanzig Minuten zur Brauerei, machten sich die beiden miteinander vertraut. Erst wurden die klassischen Kennenlernthemen abgeklappert: woher sie stammten, wo sie lebten, wo sie zur Schule gingen, ob sie Geschwister hatten und wer ihre Eltern waren.

Die Chemie stimmte. Von Beginn an waren sie sich wohlgesonnen, scherzten herum, versuchten den jeweils anderen mit witzigeren Kommentaren zu übertrumpfen und lachten viel. Inmitten einer ländlichen Kulisse spazierten zwei Jungs, die als beste Freunde hätten durchgehen können. Sie erinnerten ein bisschen an Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

*

Kommenden Montag geht es weiter!

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