vonfuchsbau 08.10.2018

Der Fuchsbau

„Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

Mehr über diesen Blog

An einer Strebe des verrosteten, gusseisernen Einfahrtstors zur Brauerei war ein weißes Blatt Papier mit einer gelben Wäscheklammer befestigt. Darauf war eine handschriftlich verfasste Nachricht zu lesen: Aufgrund eines persönlichen Zwischenfalls bleibt die Brauerei heute geschlossen. Morgen um 10 Uhr geht es wieder los.

»Schön blöd«, meinte Maksio. »Der ganze Weg aus der Stadt umsonst.«

»Ach, was soll’s? Anders musst du es betrachten. Keine Arbeit für heute, das Wetter ist gut und die Luft auch. Was will man mehr?«, erklärte Mateusz zutiefst überzeugt von seiner Sicht der Dinge. »Ich weiß«, antwortete er sich selbst, »Ein Bier!«

Seinem neuen Freund warf er einen bedeutungsvollen Blick zu, nickte in Richtung Brauerei, zögerte nicht lange, zog sich am Tor hoch, die Klinke als Stufe missbrauchend, kletterte rüber und landete elegant auf dem grauen Betonboden, der sich deutlich vom Grasboden auf der anderen Seite des Zauns abhob.

»Komm, worauf wartest du?«

»Aber, wenn jemand kommt?«

»Aber, Gelaber! Keiner wird kommen. Und wenn doch, ich arbeite hier, weißt du noch?«

Nach kurzem Zögern ging Maksio wenige Meter an der Umzäunung entlang.

»Komm schon! Lass mich jetzt nicht im Stich!«, fing Mateusz an zu nörgeln.

Maksio hingegen machte zielsicher eine Stelle im Maschendrahtzaun aus, lehnte sich mit dem Rücken dagegen, das grobmaschige Gitter gab nach und er schlüpfte aufs Grundstück.

»Die Vorzüge eines Ortsansässigen«, bemerkte der Junge besserwisserisch, mit einem Finger und der Nase erhoben wie ein Lehrer. Die beiden fingen wieder lautstark an zu lachen.

»Mann, schau mal deine Hose an!«, quiekte Maksio. »Sie ist hinten komplett aufgerissen.«

»Ach, Mist. Schon wieder? Das passiert mir ständig. Macht ja nichts, ich hoffe wir finden dafür fette Beute.«

Maksio war von der lässigen Art des Städters beeindruckt, der sein Geld in den Taschen verteilt trug, ohne genau zu wissen, wie viel es war, die teure Hose hatte er sich zerrissen und es war ihm egal gewesen, stattdessen waren seine Gedanken fest auf die Flausen gerichtet.

Eine Pause gab es nicht. Gleich rannte Mateusz wieder los, fand ein längliches, hohles Leichtmetallrohr und hob es auf, um es als Gehstock zu verwenden. Mit seinem neugewonnenen Accessoire zeigte er auf das Brauereigebäude und sah dabei aus wie ein Eroberer, ein Abenteurer voller Tatendrang.

»Kapitän, ich habe unser Ziel ausgemacht. Piep, piep, piep.« Mateusz ahmte das Geräusch eines Sonargerätes nach. »Der Schatz ist nicht mehr weit.«

Maksio folgte und lachte mit, war aber zu schüchtern, um bei dem Spiel mitzumachen. Am Gebäude angekommen, machte sich Mateusz ans Werk, zog an jeder Tür und lehnte sich gegen jedes der Fenster. Lange dauerte es nicht, bis eines nachgab. »Bingo!«

*

Am 15.10 geht es weiter.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/fuchsbau/2018/10/08/der-fuchsbau-14/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.