vonfuchsbau 03.12.2018

Der Fuchsbau

„Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Fünfzehn Minuten vor fünf begannen sich die Jungen aus der Nachbarschaft und aus der Stadt auf einem Rasen neben dem Wasserkraftwerk zu versammeln. Der stellenweise begrünte Erdboden erinnerte nur wenig an ein Fußballfeld. Lediglich die beiden abgegriffenen Torrahmen, an denen der Lack schon zur Hälfte abgeblättert war und die einst von den Belegschaften der umliegenden Betriebe aufgestellt worden waren, zeigten an, wohin der Ball musste. Nach wie vor trafen sich die Mitarbeiter der Kraftwerke, Fabriken und Unternehmen ab und zu nach getaner Arbeit, um erst ein kühles Bierchen zu trinken und dann gegeneinander anzutreten, bevor es nach Hause zu den Frauen und Kindern ging.

Maksio beobachtete, wie seine Altersgenossen, einer nach dem anderen, am Austragungsort ihres sportlichen Wettkampfes eintrudelten. Keiner hatte es explizit ausgesprochen, doch insgeheim ging es darum, wer besser war, die Städter oder die Bauern, wie sich die Jungen vom Lande selbst nannten. In sicherer Entfernung, im dichten und wildwachsenden Gras, saß Maksio im Schneidersitz und sah etwa fünfzehn Halbstarke und deren Anhang: Freundinnen, Schwestern, Cousinen und kleine Brüder. Mateusz und Michał erschienen mit als Letzte, und da traute sich auch Maksio aus seiner Deckung heraus.

»Schaut, wer da ist, Maksio, unsere Brillenschlange«, begann Bruno, der Rabauke, der sich einen Tag zuvor eine blutige Nase von Mateusz geholt hatte. Weiter kam er nicht, und wieder war es Mateusz, der ihm einen Strich durch die Rechnung machte.

»Lass ihn«, sagte er bestimmt. »Er gehört zu uns.«

»Na schau, ein Überläufer. Ein De-za-dör«, sprach der Störenfried das Wort falsch aus.

»Hey, komm, mein rothäutiger Freund!«, rief Mateusz dem ängstlichen Maksio zu. Bei beiden pellte sich an mehreren Stellen die Haut, als Ergebnis ihres berauschten Sonnenschlafs.

»Ja, es juckt ganz doll, nicht?«

»Wem sagst du das? Hör nicht auf den Penner. Wir sind jetzt Sonnenbrand-Brüder. Ich beschütze dich.« Mateusz war wie immer auch an diesem Tag voll der großen Sprüche.

Das Spektakel nahm seinen Lauf. Die noch konfus umherstehenden und schnatternden Grüppchen begannen Ordnung anzunehmen. Die Anhängsel versammelten sich am Spielfeldrand, während die Spieler mit ihren Dehnübungen begannen und letzte Vorbereitungen trafen, Schweißbänder und Wasserflaschen auspackten, sich umzogen oder ihren Freundinnen Küsschen gaben, wie die Großen es auch getan hätten. Witzig sahen die beiden Mannschaften aus, zu großen Teilen unbeholfen und unsportlich. Die Jungen vom Lande spielten überwiegend in kurzen Hosen, T-Shirts oder oben ohne, die aus der Stadt in sportlichen Trikots, manche in langen Anzughosen, manche sogar in feinen Lederschuhen. Maksio spielte als Einziger der Bauern zusammen mit den Städtern.

Kurz vor Anpfiff passierte etwas Außergewöhnliches, etwas, das vier Menschen fest miteinander verbinden sollte. …

*

Den „Fuchsbau“ gibt es jetzt auch als Taschenbuch zu kaufen und in voller Pracht als E-Book zu lesen 🙂


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