vonfuchsbau 31.12.2018

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Das zweiflügelige Haustor, an dem Maksio angelehnt stand, begann zu zittern, als einer der Hausbewohner die Eingangstür öffnete und auf die Straße trat. Maksio hatte sich in seinen Gedanken verloren und kam nun zu sich. Ich muss bei Król klingeln, Nummer 20. Der Abend war jung, doch Maksio stand vor lauter Anstrengung bereits der Schweiß auf der Stirn. Viele neue Eindrücke waren während der letzten beiden Stunden auf ihn eingestürzt.

Erst hatte er seine besten Klamotten finden müssen, von denen er nicht wirklich welche besaß, dann aus seinem Zimmer schleichen, an Oma und Opa vorbei, was einfach war, dann den sieben Uhr Zug nach Krakau erwischen und den Weg zu Michałs Wohnhaus finden. Der Spießrutenlauf an den vielen betrunkenen Obdachlosen am Hauptbahnhof vorbei war dem bald Fünfzehnjährigen ganz gut gelungen, nur als zwei größere fluchende Rowdys ihn unterwegs nach einer Zigarette gefragt hatten, hatte er es mit der Angst zu tun bekommen und war davongelaufen.

Nun stand er da und versuchte sich zu beruhigen.

Ruhig Blut Mann, ruhig Blut!

Gleich musste er vor einer Gruppe Fremder den Eindruck vermitteln, dazuzugehören, ein unmögliches Unterfangen, und das wusste er.

»Möchtest du rein?«, fragte der freundliche Hausbewohner, der wie ein Mittelschullehrer aussah: Hemd, Strickweste, Brille.

»Nein, danke. Ich muss erst läuten. Danke.«

Maksio holte ein letztes Mal tief Luft, steckte sein Hemd noch einmal ordentlich in die Hose, richtete seine Gürtelschnalle mittig aus und läutete.

»Ja?«, fragte eine fremde Stimme.

»Maksio hier.«

»Zweiter Stock.«

Der Türöffner summte und Maksio trat in den Hausflur.

»Warte!«, hörte er Valeska rufen. Er drehte sich um, und beinahe rannte das aus vollem Lauf bremsende Mädchen erneut in ihn hinein. Rechtzeitig stützte sie sich an seinen Armen ab und kam direkt vor ihm zum Stehen.

»Hallo Maksio«, sagte sie mit zuckersüßer Stimme.

»Hallo V … Valeska.«

 Wieder roch er ihr Parfum und vergaß völlig sein ursprüngliches Ziel, die Party, zu der er gar nicht mehr musste, denn er war schon dort, wo er hinwollte, wie Maksio in diesem Moment realisierte.

»Komm, ich zeig dir, wo die Wohnung ist.«

»So? Woher willst du denn das wissen?«, blödelte er und nahm an, sie hätte einen Scherz gemacht.

»Ich war schon zweimal hier. Ach ja, seit Freitag hat sich so vieles verändert. Ich muss dir alles erzählen.« Sie hakte sich mit einem Arm bei Maksio ein, grinste ihn freudvoll an und ging vor. »Michał und ich sind jetzt zusammen …« Sie redete zwar weiter, doch Maksio hörte nicht mehr so genau hin.

Michał? Wieso?

Diese Nachricht traf auf ein unvorbereitetes junges Herz, das zu schmerzen begann. Aber er blieb souverän und ließ sich nichts anmerken.

»Wow, das freut mich aber. Herzlichen Glückwunsch«, erwiderte er reflexartig, ohne zu wissen, warum ihn das freuen sollte.

»Danke, das ist lieb von dir. Hier ist es schon.«

Gott sei Dank, dachte Maksio, der sich plötzlich nichts sehnlicher wünschte, als auf diese Party zu gelangen und mit irgendjemand anderem zu sprechen, nur nicht mehr mit ihr.

Die Tür stand einen Spaltbreit offen. Valeska schob sie auf und Maksio folgte ihr ins Ungewisse.

*

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