vonfuchsbau 18.02.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Gegen Ende des ersten Halbjahres an der Oberstufe drängten sich Veränderungen in das Leben der Füchse.

Michał war der Erste, der damit begann, sein Hobby, das Balletttanzen, mit einer gewissen Ernsthaftigkeit zu betreiben. Zunehmend stark packte ihn der Drang, nicht mehr zweimal in der Woche seine Tanzschule zu besuchen, wie es im Trainingsplan für wenig ambitionierte, künftige Statisten der Oper vorgesehen war, sondern nahezu jeden Nachmittag dort zu verbringen, wie es die talentiertesten Tänzer der Ballettschule taten, zu denen er nicht gehörte.

Auch wenn Michał sich seine Freizeitbeschäftigung nicht selbst ausgesucht, sondern sie als vierjähriger Junge von seinen Eltern indoktriniert bekommen hatte, war die Entscheidung, den Tanz nun professionell zu betreiben, seine eigene gewesen. Es war eine äußerst wichtige Entscheidung im Leben dieses Jungen gewesen, denn zur Abwechslung tat er etwas nicht, weil seine Eltern es wollten, sondern weil er besser werden wollte, mehr noch, weil er der Beste werden wollte. Erstaunlich, dass gerade Michał als Erster der Füchse den Trampelpfad des Kindes verließ, um nach dem Weg des Künstlers zu suchen. Gerade er, der dafür bekannt war, nichts selbst auf die Reihe zu kriegen, der entweder tat, was man ihm sagte, oder anderen blind folgte.

»Leute!«, sagte er eines schönen Mittags auf dem Pausenhof, während die vier auf einer der Holzbänke saßen und sich gegenseitig ihre neuen Buttons zeigten. Valeska hatte einen von Iron Maiden für ihren Rucksack erstanden und Mateusz einen von Van Halen für seine Jeansjacke. »Ich werde der beste Balletttänzer im ganzen Land – ach, der ganzen Welt!«

»Ja?«, fragte Mateusz unaufmerksam, der gerade an seiner Jacke herumfummelte.

Valeska fiel nur »Schön!« ein und Maksio steuerte ein »Mach das!« bei.

»Banausen!«, schallte es ihnen aufgebracht entgegen. »Merkt ihr eigentlich noch was? Ich habe gesagt …«

»Wir haben dich gehört.« Mateusz lächelte über seine trockene Bemerkung.

Es klingelte zur verhassten Mathestunde und die Füchse schlurften wiederwillig ins Klassenzimmer. Drei von ihnen so, wie sie aus dem Biologieunterricht zuvor in die Pause entlassen worden waren. Einer mürrisch und beleidigt. Weitere Versuche, den Füchsen – an deren Freundschaft Michał an diesem und den kommenden Tagen zweifelte – seine frisch entfachte Leidenschaft näherzubringen, unternahm er nicht. Er hatte Wichtigeres zu tun, nämlich Tanzschritte zu üben, Sprünge zu studieren und Musikstücke auf sich wirken zu lassen.

In den kommenden Wochen bekamen Valeska, Mateusz und Maksio den vierten Wildhund kaum noch zu sehen. Er kam zur Schule, sprach mit ihnen mehr oder weniger normal und verschwand nach der letzten Unterrichtsstunde schnell wieder in Richtung seiner Tanzakademie. Erst langsam begriffen sie, dass ihr Freund es mit seinem Vorhaben, der Beste zu werden, ernst gemeint hatte.

*

Dieser Beitrag wurde vom Korrektorat & Lektorat Selfpublishingo.com ermöglicht.

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