vonfuchsbau 27.05.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Aus ihrem Rucksack kramte sie die Platte hervor und entschuldigte sich, weil sie es nicht mehr geschafft hatte, das Geschenk einzupacken. Maksio nahm es freudestrahlend an und wusste nicht – wie sonst auch, wenn er beschenkt wurde –, wie er reagieren sollte. Solche Situationen beschämten ihn, da er sie nicht gewohnt war. Der unausgereifte Kavalier küsste Valeska ungeschickt auf die Finger, obwohl er ihren Handrücken angepeilt hatte, und ging zum Schallplattenspieler, um den hochgeschätzten Elvis gegen Ian Curtis und seine Spießgesellen auszutauschen. Kurz wartete er noch, über den Drehteller gebeugt, denn einen Song abzubrechen, während er noch lief, das war im Fuchsbau verpönt.

Den restlichen Nachmittag verbrachten Valeska und Maksio gemeinsam. Sie teilte ihre Stärkung mit ihm und er erzählte ihr begeistert von dem Buch, das er an diesem Morgen zu Ende gelesen hatte, Der Garten Eden von Hemingway. Valeska zeigte sich interessiert und versicherte, es auch lesen zu wollen. Des Weiteren berichtete das Mädchen über ihre Unlust, irgendjemanden an ihrer Universität näher kennenzulernen. Maksio zeigte sich verständig und meinte, dass er die Studenten an der philosophischen Fakultät auch nicht leiden konnte.

»Alle so steif und so ernst. Ich sage dir, es ist sogar gut, dass du nicht mit ihnen sprichst. Ihre schlichten Gedanken sind Gift für unsere Kreativität.« Maksio dachte nicht wirklich so, aber er wollte, dass sie sich besser fühlte.

Auch wenn Maksio es selbst verdrängt hatte, war er nach wie vor in Valeska verliebt, und wenn er mit ihr sprach, dann tat er dies voller Feingefühl, fürsorglich und vorsichtig. Sich selbst in dieser Hinsicht zu täuschen, war für Maksio leicht, denn er sprach mit den meisten seiner Freunde auf eine derartige Weise, doch Valeska vermochte genau zu verstehen, was seine kurzen Blicke auf ihre Strümpfe, die Ohrringe oder ihre Finger bedeuteten.

»Maksio, wollen wir raus? Ich hab noch immer Hunger, und etwas trinken würde ich auch gerne.«

»Klar, ich lade dich auch ein.«

»Das wird nicht nötig sein. Mateusz und Michał sind in der Stadt. Du weißt, wie die sind. Die machen das schon, wenn wir sie treffen.«

Maksio hatte zwar gerade mal zwanzig Złotych in der Tasche, und das war alles, was er zurzeit besaß, doch war es ihm nicht sehr angenehm, ständig von den anderen eingeladen zu werden. Aber darauf würde es wieder hinauslaufen und insgeheim war er auch froh darüber, denn so konnte er sich in den kommenden Tagen noch etwas zu Essen kaufen.

»Gut, gehen wir.«

»Wohin?«

»BaniaLuka

»So machen wir es!«

*

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