vonfuchsbau 09.07.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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»Brauchst du noch etwas, Maksio?«, fragte Oma besorgt, denn schon lange war ihr Enkel nicht mehr so viele Nächte hintereinander bei den Großeltern geblieben. Die beiden Greise, Maksio und Lilith hatten gerade fleischgefüllte Piroggen mit Sauerrahm und selbstgemachten Birnenkompott zu Mittag gehabt. »Danke, Oma. Es war sehr lecker«, sagte der Junge, während er seinen Teller in die Spüle stellte. Rechtzeitig erwischte die betagte Dame ihn noch im Türrahmen, zupfte ihn am Hemdsärmel und fragte erneut: »Ist auch wirklich alles gut? Du siehst traurig aus.« Maksio drehte sich um und sah zum Opa, der ihn ruhig wie eine alte Eiche und wohlwollend begutachtete. Gegenüber von ihm, auch beim Fenster, saß Lilith, die ebenfalls besorgt aussah. »Alles gut. Keine Sorge.« Diese Worte sagte er derart leise, dass sie nur von der Oma wahrgenommen und schnell wieder vom Luftzug entführt wurden. Er küsste seine Großmutter auf die Stirn und verschwand wieder im Garten, um auch diesen Tag Trübsal blasend und nachdenklich zu verbringen. Derart antriebslos hatte die Oma ihren Enkel noch nie erlebt.

Nach den unrühmlichen Ereignissen der vergangenen Woche hatte sich Maksio ein paar Tage Abstand zu den restlichen Füchsen gegönnt. Er musste verarbeiten, was geschehen war.

Es war bereits der vierte Tag, den er bei seinen Großeltern im Garten verbrachte, auf dem hölzernen Schaukelstuhl von Opa hin und her wippend. Ab und an riss Maksio ein paar der Wildbeeren von den Sträuchern im Garten, aß sie geistesabwesend, streichelte den auf seinem Schoß sitzenden Rex und überlegte, weshalb passiert war, was passiert war, und was als Nächstes passieren würde. Zwischen ihm und Valeska herrschte Funkstille, mit Michał, der sich in seine Arbeit vergrub, sprach er momentan auch nicht, und die zwei, drei Anrufe von Mateusz hatte er absichtlich überhört, denn um einen draufzumachen, war der konsternierte junge Mann momentan nicht in der Stimmung.

Vorwiegend beobachtete Maksio die Natur um ihn herum, blätterte etwas in seiner aktuellen Lektüre, Vom Tod zum Morgen von Thomas Wolfe, und kam nicht weit mit seinen Überlegungen rund um Valeska, also tat er das Einzige, was ihn seiner Meinung nach weiterbringen konnte: Er rief die Tatbeteiligte an. Bisher wusste er nur, dass sie etwas Schlimmes getan hatten und es sich nie wiederholen durfte. Außerdem mussten sie es Michał sagen, was den schwierigen Teil der ganzen Situation darstellte.

Schlimm ist es, schlimm.

Passieren konnte so etwas ja schon mal, aber die Konsequenzen mussten auch von jemandem getragen werden, also gab sich Maksio einen Ruck und rief Valeska an, um die Lage zu besprechen. Als die herzensgute Betrügerin abhob, verwunderte sie ihn.

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