vonfuchsbau 22.07.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Maksio hatte noch ein paar Stunden, bevor er losmusste, um Valeska zu treffen, als erst Michał ihn anrief und kurz darauf Mateusz. Jetzt, da Maksio schon mit Valeska verabredet war, fand er auch den Mut, weitere Anrufe entgegenzunehmen. Was Mateusz wollte, war keine Überraschung, nämlich die Füchse aufscheuchen und im Bau eine Zusammenkunft veranstalten, was so viel bedeutete wie: erst zusammen trinken und dann in eine Bar oder einen Club feiern gehen. Der Anruf von Michał war da schon interessanter, der spazieren gehen und reden wollte, was untypisch und ein bisschen beunruhigend war, für Maksio zumindest.

Damit er die Bedürfnisse all seiner Freunde befriedigen konnte, verabredete sich Maksio um 16:00 Uhr mit Mateusz, zwei Stunden vor seinem Treffen mit Valeska, und mit Michał um 14:00 Uhr. Die komfortablen paar Stunden, die er hatte, um noch etwas zu essen, sich zurechtzumachen und für eine etwaige Übernachtung im Fuchsbau vorzubereiten, waren auf wenige Minuten zusammengeschmolzen. Er musste sich sputen, wollte er den 13.20 Uhr Bus nach Krakau noch rechtzeitig erwischen, der praktischerweise direkt vor dem Haus seiner Großeltern haltmachte. Die Linie 10A verkehrte erst seit kurzem und ersparte Maksio den zwanzigminütigen Marsch zum Bahnhof. Der einzige Nachteil war, dass der Bus nur alle zwei Stunden kam und nicht jede halbe Stunde wie der Zug.

Plötzlich wurde der träge Körper wieder lebendig. Der junge Mann sprintete wie ausgewechselt die Stufen nach oben in sein Zimmer. Mit dem stoppeligen Haar musste Maksio nicht viel tun, also bürstete er sich nur über seinen drei Zentimeter langen Bart, auf den er besonders stolz war, denn er stand ihm, und Maksio war der Einzige der Rüden im Fuchsbau, dem ein Vollbart wuchs. Die Zahnbürste, ein paar Bücher und Kleidung zum Wechseln packte er in seine Tasche, für eine etwaige Übernachtung im Bau. Zum Umziehen war keine Zeit, also würde Maksio in seiner alten Jogginghose, einem löchrigen T-Shirt und den guten alten Chucks fahren. Auf dem Weg nach draußen schnappte er sich ein Stück Brot und eine Trockenwurst vom Küchentisch und steckte den Proviant ebenfalls in seine Tasche. Oma, Opa und Lilith küsste er, wie sie es gewohnt waren, jeweils auf die Stirn und machte sich ein weiteres Mal auf, das behagliche Nest am Ende der Ulica Długa in Miasto zu verlassen, um eigene Abenteuer zu erleben. Beim Versuch, Rex über den Kopf zu streicheln, verpasste er diesen knapp und ließ den Belgischen Schäferhund, auf den Maksios Melancholie abgefärbt war und der lethargisch auf dem Boden lag, unglücklich zurück. Einen erneuten Versuch, den Hund zu streicheln konnte er nicht unternehmen, da der Bus bereits zu sehen war.

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