vonfuchsbau 23.09.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Aus der Jackentasche kramte er ein kleines, durchsichtiges Tütchen mit etwas Pulver darin, wandte sich zu Lilith und meinte: »Möchtest du auch was, Süße?« Böswillig meinte er es nicht, sondern er war schlichtweg nicht mehr dazu fähig, vernünftig zu denken. Er begriff nicht, was er da tat. Auch als am Tisch vor dem Trinkschuppen belustigtes Gebrüll und Gelächter ausbrach, weil das Gefolge missverständlicherweise annahm, einen Scherz wahrgenommen zu haben, verstand Mateusz nicht, worum es ging und sah sich verwirrt nach dem Ursprung der guten Stimmung um.

Michał schüttelte seinen Kopf und bedeckte vor Scham sein Gesicht mit einer Hand, Valeska sah Maksio mitleidig an, Lilith lachte mit, etwas zaghaft, weil sie nicht wusste, weshalb, und Mateusz schien langsam wie in Watte gepackt zu begreifen, dass gerade etwas nicht so gelaufen war, wie er es geplant hatte.

»Hör mal, Maksio«, begann Mateusz sich zu entschuldigen, kam aber nicht weit. Beim Versuch, seinen Freund zu umarmen, fiel er beinahe vom Stuhl und hielt sich deshalb am Tisch fest, brachte diesen zum Wackeln und die Gläser drauf zum Umfallen.

»Nein! Jetzt hörst du einmal zu!«, schrie Maksio. Alle Augen waren nun auf ihn gerichtet, der zum ersten Mal, seitdem die Füchse sich kannten, derart laut geworden war. So kannte man den zurückhaltenden jungen Mann vom Lande nicht. Aber derart in Rage gab es kein Halten mehr. Er stand auf, schlug Mateusz das Tütchen aus der Hand – der gleich damit anfing, es auf dem Boden zu suchen und deshalb ein noch jämmerliches Bild abgab als zuvor – und brüllte ihn an, wie es sich kaum jemand traute. »Spinnst du, meiner kleinen Schwester Drogen anzubieten? Sie ist erst sechzehn und du weißt, wie schwer sie es hatte. Schau dich nur mal an! Du bist grad mal am Anfang deiner Karriere und eigentlich schon wieder am Ende. Du kannst einem leidtun!« Er nahm Lilith bei der Hand, die ihn auch noch nie dermaßen aufgeregt gesehen hatte und sofort wusste, dass es Zeit war, auf ihren großen Bruder zu hören.

Schnurstracks gingen die Geschwister Nowak über den Hauptplatz. Maksio ohne zurückzublicken und Lilith widerwillig, doch zu eingeschüchtert, um zu protestieren.  Die Gruppe hinter ihnen war still geworden und keiner lachte mehr. Stattdessen sahen die beschämten jungen Damen und Herren den beiden nach, bis diese hinter der nächsten Häuserecke verschwunden waren.

Etwas hatte sich verändert, dort am Tisch, vor dem BaniaLuka. Maksio hatte geschrien, Mateusz war angeschrien worden, und aus dem hilflosen, provinziellen Maksio war an diesem Abend unwiederbringlich Maksymilian der Städter geworden.

*

Mit der Entwicklung der Füchse von den Bolzplatzkindern zu zielstrebigen jungen Erwachsenen kamen die Probleme, kamen Streitigkeiten und Reibereien; inmitten der tiefen und ehrlichen Freundschaft schlichen sich Missgunst, Neid und Verrat.

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