vonfuchsbau 15.10.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Der Vierte im Bunde, Maksymilian, war halbherzig dabei, sein Studium der Philosophie und Polonistik zu beenden. Es fiel ihm schwer, weil er lieber Bücher von Philosophen las, die ihn interessierten, als die vom Curriculum vorgegebenen. Doch selbst in den trockensten Fächern, solchen wie der Methodologie, der Logik oder Latein, schummelte er sich irgendwie durch die Klausuren – ein Leichtes, bei den greisen Professoren dieses Studiengebietes.

Es war aber nicht das Studium, sondern eine andere Beschäftigung, die Maksymilians Stunden fraß, und zwar das Schreiben, die schwierigste und schmerzhafteste aller Künste, die ihn seit dem Tag vereinnahmte, als er seinen ersten Text für Valeska geschrieben hatte. Wörter möglichst kunstvoll aneinanderzureihen, war seine Leidenschaft geworden, und somit konnten die Füchse nach einem Schauspieler, einer Malerin und einem Tänzer nun auch einen Schriftsteller zu ihren Reihen zählen.

Die Prominenz seiner drei Freunde half Maksymilian, Fuß in der großen Stadt zu fassen. Er schrieb über das, was ihn bewegte, und das waren vor allem die Füchse, der Fuchsbau, und das, was dort drinnen vor sich ging. Er schrieb aber nicht nur über ihre gemeinsamen Abende im Bau, sondern auch über Eskapaden in den Clubs und Bars, über frühmorgendliche Streifzüge durch die Straßen der Krakauer Altstadt und Spaziergänge unter freiem Nachthimmel. Des Weiteren beschrieb er, wie sich Mateusz auf seine Rollen vorbereitete, Michał auf Tanzaufführungen und wie Valeska ihre Gemälde anfertigte.

Die fertiggestellten Berichte, wie Maksymilian seine mehrseitigen Aufsätze nannte, waren unverschämt einfach zu veröffentlichen, denn sie beinhalteten Geschichten über eine erfolgreiche Künstlergruppe, von deren Existenz zuvor niemand gewusst hatte. Sie trugen den Titel Die Abenteuer der fliehenden Füchse und erschienen monatlich in der Ananas, einer Zeitschrift für Moderne Kunst, deren Verkäufe dank Maksymilians intimer Berichterstattung garantiert waren. Liebhaber des Balletts kamen ebenso auf ihre Kosten wie solche der Malerei und des Films, und der verantwortliche Schriftsteller erhielt ein geringes, monatliches Gehalt, über das er sehr glücklich war, auch wenn es ihn mehr schlecht als recht über die Runden brachte.

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