vonfuchsbau 23.10.2019

Der Fuchsbau

Der Fuchsbau“ ist ein Coming-of-Age-Fortsetzungsroman des poln.-österr. Schriftstellers Markus Szaszka.

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Während Maksymilian mit der Münze spielte und durch sein vorhangloses Fenster hoch zum Fuchsbau sah, setzte die Dämmerung ein. Er begann seine einstige Rasselbande zu vermissen. Aus dem Schlafzimmer, in welchem zwischen Umzugskartons nur eine Matratze lag, kam Maja, eine bedeutungslose Bettgeschichte, die Maksymilian am gestrigen Abend in der Rockbar Omega kennengelernt hatte. Sie sagte, dass ihr das Nickerchen gutgetan habe, aber er schwelgte in Erinnerungen und konnte ihr nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdiente.

»Schön«, bemerkte er gedankenverloren, während sie sich anzog.

Im Fuchsbau ging ein Licht an und Valeska trat an das Fenster, sah runter zu seiner Wohnung, erblickte ihn und begann freudig zu strahlen. Sie zwinkerte ihm zu, bedeutete ihm verlegen mit einer Kopfbewegung, zu ihr hinauf zu kommen und verschwand dann im Inneren der Wohnung. Maksymilian begann es im Bauch zu kribbeln.

Dieser verruchten, falschen und eindeutig abzuschlagenden Einladung folgte er blind. Viel zu weit waren die beiden Verräter schon in einen dunklen Kaninchenbau vorgedrungen, um zu jagen, wonach es ihnen gelüstete. Verliebt und an das Versteckspiel gewöhnt, sahen Maksymilian und Valeska das Falsche an ihren Treffen nicht mehr, und es war zu spät, um kehrtzumachen. Die vielen Abenteuer, die sie gemeinsam erlebten und vor allen anderen – vor allem den anderen Füchsen – geheim hielten, hatten die beiden nicht nur zusammengeschweißt, sondern ihnen auch vorgegaukelt, dass ihr Handeln zu rechtfertigen sei.

Maksymilian schnappte sich seine Schlüssel und ging in Richtung Eingangstüre. Gerade noch rechtzeitig, bevor es richtig peinlich wurde, bemerkte er anhand des leisen Knarrens der Bodendielen, dass Maja noch bei ihm war. Er blieb stehen, drehte sich um und da war sie schon bei ihm, umarmte und küsste ihn und sah ihn erwartungsvoll an.

»Was machen wir heute?«

»Hör mal, ich habe ganz vergessen, ich muss jetzt noch los, einen Freund treffen und ihm bei etwas helfen. Sorry, hatte ich ganz vergessen. Aber fühl du dich ganz wie zu Hause, bediene dich am Essen und zieh die Tür einfach zu, wenn du dann gehst. Okay?«

»Na gut«, antwortete Maja entzaubert und begann zu schmollen, während Maksymilian im Vorzimmer in seine Schuhe schlüpfte.

Seinem Hund Rex, den Maksymilian als Glücksbringer aus Miasto in die Stadt geholt hatte, rief er beiläufig »Ciao« zu und ignorierte sein Winseln, das vermutlich einem Spaziergang galt, aber gleichfalls eine Warnung darstellen konnte, die Reihe an unheilvollen Entscheidungen, sprich das lustgesteuerte Missachten des Anstandes oder einfacher, das Hintergehen der Freundschaft endlich zu beenden.

Doch dazu kam es nicht.

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