22.03.2012 von Felix Milkereit

Die junge Künstlerin Manami N. aus Japan verarbeitet ihre Gefühle zu den Ereignisse am 11. März in einer Kunstausstellung in Berlin.
(Berlin) In Niigata, 300 km nördlich von Tōkyō und knapp 190 km von Fukushima, steht das größte Atomkraftwerk der Welt. Die in Berlin lebende japanische Musikerin, Manami N. ist dort aufgewachsen. Bis zu der Katastrophe am 11. März 2011 hat sie sich, wie viele Menschen in Japan, nicht mit Atomkraft beschäftigt, sie wusste nicht einmal von dem Reaktor in ihrer Heimatstadt. Erschüttert von den Ereignissen vor einem Jahr begann sie sich mit dem Thema zu beschäftigen und verarbeitete ihre Ängste, Gedanken und Gefühle zu einer audio-visuellen Performance zur Aufführung, die im Rahmen der Ausstellung und Katalogpräsentation der britischen Scherenschnittkünstlerin Charlotte McGowan-Griffin in den Räumen der Galerie fruehsorge contemporary drawings uraufgeführt wird.
“Ich habe realisiert, dass ich die Menschen in der betroffenen Region mit allen mir… weiter lesen
09.03.2012 von Felix Milkereit
Seit einiger Zeit ist der Trend der Twitter-Demos auch nach Japan vorgedrungen. Und immer mehr Menschen folgen ihm. So auch im vergangenen Januar bei der achten Twitter-Anti-AKW-Demo im Tokyoter Stadtteil Shibuya, an der mehr als 1200 Menschen teilnahmen. „Let’s go Demo!“ heißt das Motto der Veranstalter TwitNoNukes, die sich zum Ziel gesetzt haben den Japanern eine neue Form der Protestkultur zu vermitteln.

Twitter-Demonstranten auf ihrem Weg durch den Trend-Bezirk Shibuya in Tokyo
Es war schon ein etwas ungewohntes Bild als am 29. Januar 2012 über 1200 Menschen mitten durch den Tokyoter Stadtteil Shibuya zogen. Mit Plakaten, Musik, Trommeln und Sprechchören bahnten sich die Anti-AKW-Demonstranten ihren Weg durch die geschäftigen Straßen des Trend-Bezirks, einer der beliebtesten Treffpunkte junger Japaner. Normalerweise wird hier gefeiert, gegessen, geshoppt und geflirtet. Aber demonstriert? Bisher nicht. Doch seit April vergangenen Jahres finden hier monatlich Anti-AKW- Demos statt.
Diese Protestumzüge werden von… weiter lesen
28.02.2012 von Felix Milkereit
Am 27. Januar 2012 versammelten sich über 800 Aktivisten in Tokyo und demonstrierten erfolgreich gegen die Räumung des Protest-Camps der Mütter von Fukushima vor dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie. Sie forderten die Regierung auf, ihre Pläne, die beschädigten Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen, zu verwerfen und alle AKWs zu stoppen.

800 Demonstranten protestierten am 27. Januar 2012 gegen den Räumungsbefehl des Fukushima-Protest-Camps vor den MITI
Anfang September errichteten die Frauen des Fukushima-Netzwerks zum Schutz der Kinder vor Strahlung (Kodomo Fukushima Network) ein Protest-Camp vor dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (MITI), um gegen die Pläne der Wiederinbetriebnahme und für den Stopp aller AKWS zu demonstrieren.
„Wir erhielten so viel Zustimmung und Unterstützung“ sagte Chieko Shiina, eine der Camp-Initiatoren und Mitglied des Fukushima-Netzwerkes. „Vom ersten Tag an kamen viele Frauen und schlossen sich uns an.“
Mehr als vier Monate steht… weiter lesen
28.02.2012 von Felix Milkereit

Sayonara, Atomkraft! - Schulmädchen werben für die Anti-Atomkraft-Konferenz in Yokohama
Seit März 2011 gewinnt die japanische Anti-AKW-Bewegung langsam an Zulauf und Unterstützung in der Bevölkerung. Aber noch gibt es viele Probleme. Das Hauptproblem: die mangelnde Vernetzung unter den einzelnen Gruppen. Hierbei half die Weltkonferenz für eine atomfreie Welt 2012 in Yokohama. Mehr als 10.000 Aktivisten kamen aus ganz Japan zusammen. Um gemeinsam zu diskutieren, sich auszutauschen und zu vernetzen.
Ein Problem der wachsenden Anti-AKW-Bewegung in Japan stellt die Vernetzung unter den einzelnen Akteuren dar. Bisher war alles sehr individuell organisiert. Auch mangelte es an gemeinsamer Planung und internationaler Unterstützung.
Dabei zu helfen, diese Probleme anzugehen, war eines der Hauptziele der am 14. und 15. Januar veranstalteten Weltkonferenz für eine atomfreie Welt 2012 in Yokohama. Organisiert wurde sie von den großen NGOs Greenpeace Japan, Peace Boat, Citizen’s Nuclear Information Center (CNIC), Institut für erneuerbare Energie… weiter lesen
14.02.2012 von Felix Milkereit

Never Again! - Demonstrant auf Anti-AKW-Demonstration in Tokyo
Nach dem großen Erfolg der Demonstrationen von April bis September begannen die Teilnehmerzahlen wieder zu sinken. Die Gruppe Shiroto no Ran (Aufstand der Amateure) hat sich zurückgezogen. Doch die Bewegung ist weiter gewachsen. Neue Gruppen sind entstanden und Aktionen haben landesweit zugenommen. Allmählich entwächst die junge Anti-AKW-Bewegung ihren Kinderschuhen. Aus den Aufstandsamateuren werden nun Protestprofis.
Im Herbst 2011 erreichten die Teilnehmerzahlen der Anti-AKW-Demos ihren bisherigen Höhepunkt, als am 19. September mehr als 20.000 Tokyoter zusammen mit 60.000 Menschen in ganz Japan für einen sofortigen Stopp aller AKWs im Land der aufgehenden Sonne protestierten.
Seitdem wurden die Demonstrationen jedoch wieder kleiner. Die Tokyoter Gruppe Shiroto no Ran (Aufstand der Amateure), Initiator der größten Demos, hat sich inzwischen zurückgezogen. Man hatte nicht mit so großem Zulauf gerechnet, fühlt sich mit der Verantwortung für die vielen Gruppen überfordert.
Innerhalb… weiter lesen
14.02.2012 von Felix Milkereit

"Noch 150 Kilometer bis Fukushima"-Logo von Shiro46
Lange waren Proteste in Japan eine Seltenheit; eine Demo-Allergie hatte Japan in den 60ern befallen. Der 11. März änderte dies. Seitdem demonstrieren Japans Bürger zunehmend für einen Ausstieg aus der Atompolitik und machen die Regierung und den Energiekonzern Tepco für die Krise im havarierten AKW Fukushima I verantwortlich.
Im Atomkraftwerk Fukushima war es am 11. März 2011 nach einem verheerenden Erdbeben und einem Tsunami zur Kernschmelze gekommen. Seitdem hat die Protestbewegung in Japan an Zulauf gewonnen.
Bald gingen Zehntausende auf die Straßen, hielten Schilder mit dem Slogan „Genpatsu iranai!“ („Atomkraft? Nein, danke!“) oder „Kodomo-o mamore!“ („Schütz die Kinder!“) hoch, angeführt von Umzugswagen, auf denen Bands spielten oder Reden gehalten wurden.
Alle Schichten der Gesellschaft waren vertreten: Von der Hausfrau bis zum Punk, vom Firmenchef bis zum einfachen Angestellten. Einige trugen Kostüme, Gasmasken oder weiße Schutzanzüge. Lehrer, Studenten,… weiter lesen