Borussia Dortmund ist heute Abend schon mal eingestiegen. Könnte glatt sein, dass das Stadion in Fröttmaning in der nächsten Saison nicht mehr das Größte in der Zweiten Liga ist. Im kicker-Live-Ticker stand bei der letzten Einwechslung der Dortmunder in der 84. Minute: “Amoah soll noch einmal für Gefahr sorgen.” Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Lüdenscheid Beck’s regnet ist im Moment größer als die Chance, dass ein Dortmunder Stürmer “Gefahr” entwickelt. Das Spiel folgte dem klassischen Drehbuchverlauf: Hier der mit allen Wassern gewaschene Abstiegsdauerkandidat, wild entschlossen, wie ein in die Enge getriebenes Frettchen. Nicht majestätisch, aber gefährlich. Dort die aufgeblasene Millionentruppe, bei der von Watzke bis Doll seit Wochen jeder nur Beschwichtigungsformeln zum Besten gibt, bei der die Spieler jeden Morgen in den Spiegel schauen und sagen: Wir doch nicht. Schwerer Boden, regensattes Abstiegskampfwetter, ein spätes Tor Marke hochverdienter Glücksschuß. Aus die Maus. Dortmund hat noch vier Auswärts- und drei Heimspiele,… weiter lesen
Archive for März, 2007
Der kicker hat heute eine Prognose für die letzten acht Spieltage veröffentlicht, nach der Schalke Meister wird, Bayern Vierter, der HSV und Mainz absteigen. Leider haben sie verzichtet, die mutmaßlichen 72 Einzelergebnisse zu veröffentlichen. Nürnberg zum Beispiel, am Ende Sechster, kommt in den letzten acht Spielen nur auf weitere zehn Punkte. Das ist – mit Verlaub – ein bißchen kärglich gerechnet bei noch vier Heimspielen und auswärts in Bremen, Leverkusen und auf Schalke, also bei Mannschaften, die dem Club weniger Kopfzerbrechen bereiten als Bielefeld oder Cottbus. Nicht so wichtig. Hier stattdessen mein Tipp für den kommenden Spieltag, wobei von Fachverstand nicht notwendig die Rede sein sollte. Der gemeine Fan glaubt immer, IMMER, dass sein Team gewinnt. Verliert die Mannschaft das Hinspiel in der Championsleague zuhause mit 0:4, dann erscheint ein 5:1 im Rückspiel plötzlich nicht mehr völlig ausgeschlossen. Wer gegen die eigene Mannschaft wettet, kann auch darauf wetten, dass sein… weiter lesen
Am meisten hat mich an diesem europäischen Wochenende der Superlative der Bondscoachmantel beeindruckt. Der Bondscoachmantel wird, ähnlich wie der Iffland-Ring unter Schauspielern, im holländischen Fußball von Bondscoach zu Bondscoach weitergereicht, wenn es an der Zeit ist. Mit dem Bondscoachmantel kann man finster dreinblicken, wenn es Nullzunull steht, seinem imbezilen Fußvolk dort draußen auf dem Platz durch wildes Gestikulieren vergeblich seine ingeniöse Taktik nahzubringen versuchen und vor allem ausgewechselte Spieler keines Blickes würdigen, sondern wie die so früh verschiedene Mrs. Bates starr an ihnen vorbeiglotzen. All dies hat Marco van Basten beim Spiel gegen Rumänien in höchster Vollendung vorgeführt, und ich hätte an diesem Abend – so wie an den anderen etwa 15000 Abenden meines Lebens – kein holländischer Nationalspieler sein wollen. In Deutschland wollen Reporter immer listiglistig wissen, ob es laut geworden ist in der Kabine. In Holland war die Halbzeitpause stressig, wenn die Spieler den Saum des Mantels des… weiter lesen
Seit heute besteht kein Zweifel, dass es die EU ernst meint mit dem Rauchverbot in Europa. Ausgerechnet in der Raucherhintertürchenhochburg Bayern, wo sogar Rauchbier verkauft wird, wird Werner Lorant seine missionarische Tätigkeit aufnehmen. Zusammen mit seiner reizenden Assistentin Nico Tinell wird er seine ganze Erfahrung und seine ganze Überzeugungskraft in die Waagschale werfen, um die giftigen Glimmstängel zu ächten. Erster Erfolg: In Unterhaching gibt es seit heute Abend, 18.42 Uhr keine funktionsfähigen Zigarettenautomaten mehr. Der Ruf, kompromißlos durchzugreifen, der Lorant vorauseilt, erweist sich wieder einmal als seine eindrucksvollste Waffe. Der sympathische Endfünfziger, der zuletzt als afghanischer Nationaltrainer im fußballerischen Bereich tätig war, unterschrieb einen leistungsbezogenen Einjahresvertrag (“Länger werde ich nicht brauchen.”). Ende kommender Woche wird er bereits in Nordrhein-Westfalen erwartet.
Die Bundesliga pausiert, das EM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien liegt noch in ferner Zukunft. Zeit, einen Blick auf die unteren Ligen zu werfen.
In Liga Zwo ist es wie in Liga Eins, nur umgekehrt. Oben kämpfen zehn Mannschaften gegen den Abstieg, unten zehn um den Aufstieg. Der KSC müßte schon Fußballgeschichte schreiben, um sich die Bundesliga noch zu versauen, und auch Rostock scheint schon “durch”, wie es so schön heißt. Oben durch nicht unten durch. Die Kicker von der Ostsee schwächeln jedoch seit einiger Zeit, so dass auch Platz zwei in der Verlosung ist. Es tummeln sich hinter den ebenfalls unter mentalen Konditionsproblemen leidenden Duisburgern mit Kaiserslautern und Freiburg zwei weitere Ex-Bundesligisten sowie mit Aue, Fürth und Augsburg drei potenzielle Novizen für die höchste deutsche Spielklasse. Köln gehört logischerweise zum Mittelfeld, weil Daums Mannschaft zum Aufstieg jedes sportliche Mittel fehlt. Und 1860 ist schon seit längerem eine Klasse für sich. Dass mir… weiter lesen
Noch acht Spieltage. Zu den Momenten, di der Bundesliga philosophische Tiefe verleihen gehört, dass Hinrunde und Rückrunde siebzehn Spieltage haben. Es gibt zwar eine Winterpause, aber man kann die Saison nicht glatt vierteln, so wie ein Football-Spiel oder einen Apfel. Weshalb vor dem 26. Spieltag mehr als ein Viertel auf dem Spielplan stand, nach seinem Abschluß weniger als 25 % zu spielen sind.
Das 1:0 der Schalker fiel nicht nur in der Schlußviertelstunde, sondern auch bereits im letzten Saisonviertel. Es erinnerte mich spontan an Frankreich gegen Paraguay, WM-Achtelfinale 1998. Irgendwann kommt der Lange aus der Abwehr mit nach vorne (einst Laurent Blanc, eben neulich Mladen Kristajic) und stochert das Ding irgendwie rein. Wobei fairererweise gesagt werden soll, dass Stuttgart im Spiel gegen S04 mehr Torchancen hatte als Paraguay in seiner gesamten Länderspielgeschichte. Er war knapp, dieser Sieg, um eine Hitzlspergersche Pfostenbreite knapp.
Aber dass Schalke nicht mehr blind nach vorne… weiter lesen
Wie’s da drin aussieht, geht koan was o, heißt ein altes Couplet aus dem Alpenraum. Und wie es am Freitag Abend in dem gebürtigen Münchner Gerhard Tremmel aussah, wußte nur er allein. Es wäre aber denkbar, dass in seinem Herzen ein grundzufriedenes grimmiges, kaltes, inwändiges Lächeln darüber saß, es auf so überragende Weise jenem Verein besorgt zu haben, der ihn ohne triftige sportliche Begründung jahrelang auf der Bank hatte schmoren lassen. Rache ist ein Gericht, das kalt serviert wird, und kühl bis ins Mark hielt der Ersatzmann von Piplica die Null. Elegant wäre es jetzt, Piplica bis zum Saisonende krank zu schreiben und die Torwartposition in der neuen Saison in aller Ruhe neu zu vergeben.
Natürlich würde Tremmel niemals zugeben, dass er an diesem 26. Spieltag eine persönliche Rechnung beglichen hat. In solchen Konstellationen spricht der wohlerzogene Vollprofi immer nur von der Mannschaft, der Mannschaft und der Mannschaft. Roy… weiter lesen
Röber für van Marwijk, Hitzfeld bei Bayern, Magath bei Premiere, Stevens für Doll, Doll für Röber. Mir fällt dazu ein Witz ein: Nach sechs Monaten an der Front kehren die Soldaten in ihren Stützpunkt zurück. Der Vorgesetzte brüllt: “Männer, nach eurem heldenhaften Einsatz will ich mal nicht so sein. Ihr habt jetzt endlich die Gelegenheit, eure Unterwäsche zu wechseln. Und zwar wechselt Huber mit Maier, Schneider mit Müller, Weber mit Becker undsoweiter.” So ein Wechsel wird meistens überschätzt in seiner Wirkung.
Soll ich mich über die doppelte Sperre vcn van Bommel freuen? Doch, irgendwie ist das angemessen. Der kleine agent provocateur, Komponist zahlreicher mitreißender Aggressivlieder, hat sich verzockt. Andererseits ist er mir auch als Schlitzohr nicht unsympathisch und wenn ich daran denke, wie penetrant Magath den Elfmeter wegen Ismaels im letzten Hinspiel gegen Milan ausgeschlachtet hat, muß man auf einiges gefaßt sein. Aber doch, das geht schon in Ordnung.
Wie immer in dieser Saison hat Schalke sportliche Widrigkeiten und eilfertige Eiferer kaltblütig weggesteckt. Wie immer seit seit dem 4. Februar sind sie Tabellenführer. An diesem Wochenende wollte wie immer jemand anders Erster sein. Wie schon so oft hatten die Verfolger vor allem mit sich selbst zu kämpfen. Beim VfB Stuttgart merkt man, wie schwierig herzerfrischender Offensivfußball sein kann, wenn man dafür keine Stürmer hat. Schalke hat das Problem schon länger. Nicht Lincoln, Lövenkrands fehlt an allen Ecken und Enden. Werder Bremen hat sein Krislein noch nicht ganz ausgestanden, aber eine engagierte zweite Halbzeit reichte aus, um die Bayern auf Platz vier zu halten. Erinnert sich noch jemand daran, dass dort unlängst der Titan tönte, man müsse halt mal “acht, neun Spiele hintereinander” gewinnen? Nun, es waren ganze zwei Siege in Serie, die den Möchtegern-Schalkejägern glückten. Gegen Wolfsburg und gegen Hertha. Kleine Kinder verhauen kann jeder, aber in der ”Ära Hitzfeld Zwo” holten die Bayern in sechs Spielen zehn Punkte. Hitzfeld ist bekanntlich trotzdem die Idealbesetzung für den Job, der Mann, der alles richtig macht,… weiter lesen