Ein rotes Tuch in Königsblau
vonFortsetzung der Diskussion aus “Lieber Freitag der Dreizehnte als Robinson der Achtzehnte”
Das mit der Nazi-Zeit ist tatsächlich schon ein bißchen länger her, dass Hertha-Fans mit dem Transparent “Unsere Ehre heißt Treue” im Olympiastadion aufliefen allerdings erst zehn Jahre. Was wäre los gewesen, wenn es so ein Transparent alle zwei Wochen im Parkstadion gegeben hätte?
Oder nehmen wir Leverkusen. Als in den neunziger Jahren die Diskussion um die Entschädigung der Zwangsarbeiter lief, gab es einen, der die schäbigen Beträge bei den Abfindungen, das jahrelange Lavieren der Industrie mit den Gehältern der Bayer-Spieler oder mit den charakterlichen Eigenschaften Rainer Calmunds in Verbindung gebracht hätte? Natürlich nicht.
Der HSV wirbt mit “Fly Emirates” für die Staatsairline der Vereinigten Arabischen Emirate. Wurde deswegen auch nur eine Zeile über die Menschenrechtssituation dort gedruckt?
In Tschetschenien geschieht ein Völkermord, und Putins Demokratie hat ihre eigenen Gesetze, keine Einwände. Aber dieses Lamentieren über Gazprom ist im Moment eben das, was sich anbietet, um gegen Schalke zu stänkern. Die meisten Leute, die darüber reden interessieren sich nicht die Bohne für russische Oppositionelle, sondern basteln liebevoll an ihrem Fußballfeindbild Nummer Eins weiter.
Als Schalke sich ein Stadion baute und anders als die Konkurrenz in Lüdenscheid so schlau war, den Rasen herausrollbar zu machen, nannte man sie größenwahnsinnig. Als sie den Generationenwechsel bei Trainer und Management erfolgreich vollzogen, feixte die halbe Medienbranche über Assauers Poltereien und ging vorsichtshalber schon mal gegen Slomka in Lauerstellung, die sie bis heute nicht verlassen hat.
Dass Schalke seit Jahren klug und gezielt ablösefreie Spieler verpflichtet und der einzige Verein ist, der in dieser Tugend den Bremern das Wasser reichen kann, dass sie neben Stuttgart seit vielen Jahren die erfolgreichste Jugendarbeit machen, spielt keine Rolle. Bremen ist in den Himmel gelobt worden dafür, dass sie dem abgeschriebenen Klose Entwicklungszeit gegeben haben. Die Verpflichtung von Lincoln wurde durch die Bank bespöttelt, heute ist er vielleicht nicht der fairste, aber einer der drei besten Mittelfeldspieler der Liga. Bremen hat Mertesacker in Hannover aus dem Vertrag rausgekauft und Fahrenhorst gegen seinen Willen dorthin abgeschoben. Man stelle sich vor, Schalke hätte so gehandelt. Stattdessen haben sie Pander selbst aufgebaut.
Wenn Bayern einen 100 Millionen-Deal an Land zieht, wird kein Mensch sagen, das müssen die machen, weil sie pleite sind. Dem “Branchenprimus” gesteht man das selbstverständlich zu. Es ist unsinnig und unseriös, die bloßen Schuldenbeträge von Schalke und Dortmund miteinander zu vergleichen, solange man nicht darüber spricht, welche Laufzeiten diese Schulden haben, wofür das Geld verwendet wird und welche Sicherheiten existieren.
Ich denke, die meisten Schalker wissen sehr genau, wo ihr Club Scheiße gebaut hat, wo er größenwahnsinnig und lächerlich war. Zu kauen haben im Moment aber vor allem die, die nicht in der Lage sind, dem Verein Respekt für seine hervorragende Arbeit der letzten zwölf Jahre zu zollen. Und den schönen, modernen und erfolgreichen Fußball nicht genießen können, den die Mannschaft spielt. Nicht immer, aber immer öfter.
Klare Worte: “…dieses Lamentieren über Gazprom ist im Moment eben das, was sich anbietet, um gegen Schalke zu stänkern…”.
Finde ich auch! Das Gas für den Herd kommt ja wie immer aus der Leitung. Wie der Strom vom Atom und der Braunkohle. (Fußballerischer)Fortschritt hat´s eben nicht so ganz leicht.
Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er Schalke-Fan trotz Gazprom ist, bei Lidl trotz Mitarbeiterausbeutung einkauft, unnötig Auto fährt trotz Klimawandel, das Standby beim Fernseher nicht ausmacht trotz Klimawandel, raucht trotz Lungenkrebs, Coca-Cola trinkt trotz der Wasserverschmutzung in Südamerika…
Wie schön, dass man viele gesellschaftliche Themen im Fußball wiederfindet, wenn man nur lange genug drüber redet.
Werde jetzt rauchend mit dem Rad ne Cola kaufen fahren und hoffen, dass Bremen morgen dranbleibt.
Drei Fakten, die jeder weiß:
1.) Die Gazprom-Kritiker denken unablässig an die Menschenrechte und den Umweltschutz. Am Samstag gehen sie auf die Demonstration für den zuletzt ermordeten russischen Journalisten und nicht ins Stadion, um Schalke auszupfeifen.
2.) Fly Emirates ist die einzige Fluglinie der Welt, die nicht das Ozonloch schädigt.
3.) Opel (früher Sponsor Bayern München) baut das einzige abgasfreie Auto der Welt.
Drei Fakten, die nicht jeder weiß:
1.) Die RAG, Hauptsponsor des BVB, veröffentlichte am 19. Februar 2007 in Vorkuta und Saarbrücken folgende Presserklärung zu ihrer Energiesparte STEAG:
“Die russische Gesellschaft Severstal Resurs und die deutsche STEAG Saar Energie AG haben eine Kooperationserklärung unterschrieben, ein Projekt zur Optimierung der Systeme zur Entgasung und Verwertung von Grubengas auf den Bergwerken der Gesellschaft Vorkutaugol zu realisieren. Um die Finanzierung des Projekts zu ermöglichen, wird von beiden Parteien ein Joint Implementation Projekt im Rahmen des Kyoto Protokolls angestrebt, das sowohl von Russland als auch von Deutschland ratifiziert wurde. In einer Stellungnahme zu der unterzeichneten Vereinbarung sagte der Vorstandsvorsitzende von STEAG Saar Energie, Dr. Wolfgang Cieslik: „Wir freuen uns, die Zusammenarbeit mit der Firma Severstal Resurs im Rahmen des Kyoto Abkommens aufnehmen zu können, um die Kapazitäten des in Vorkuta gewonnen Grubengases sinnvoll zu nutzen.
Der Generaldirektor von Severstal Resurs, Roman Deniskin, erläuterte: „Wir rechnen mit einer effektiven Projektrealisierung in Vorkuta, da dies wesentlich die Betriebssicherheit bei der Kohle-förderung verbessert, und den Anteil an eigener Wärme- und Stromerzeugung bei Vorkutaugol steigert. Wir freuen uns über die Möglichkeit, ein solches Projekt mit einem derart erfahrenen Partner wie der STEAG Saar Energie realisieren zu können“.
Zu ihrem neuen Partner schreibt die STEAG:
“Severstal Resurs – das Unternehmen steuert alle Kohleabbaubetriebe der russischen Severstal-Industriegruppe, darunter auch Vorkutaugol. Unter der Leitung von Severstal Resurs befinden sich die Kohleabbaubetriebe Vorkutaugol (fünf Kohlenbergwerke, ein Tagebau, drei Kohleaufbereitungs-anlagen), Kuzbassugol (zwei Kohlenbergwerke und eine Kohlenaufbereitungsanlage) und zwei Eisenbergbauunternehmen, Karelsky Okatysh und Olkon sowie eine Reihe von Recyclinganlagen.”
2.) Auf der Homepage von ARD-Börse (http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_166064 )heißt es unter der Überschrift”Der russische Stahlkönig”:
“Severstal? Der neue Partner von Arcelor ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Dabei ist Severstal Russlands größter Stahlproduzent und weltweit Nummer 19. Strippenzieher von Severstal ist der Milliardär und “Putin-Oligarch” Alexej Mordaschow.
3.) Und um in den grün-weißen Heiligenschein eine kleine Delle zu machen: Auf der Startseite von Werder Bremen finden wir als einen Sponsor die Beluga Group, ein Frachtschiffunternehmen.
Dazu folgende Pressemitteilung von 30. Juni 2005: Werder Bremen-Presseservice: Werder Bremen schließt Sponsorvertrag mit Beluga Shipping. Bremen (ots) – Werder Bremen präsentiert zum Saisonstart einen
neuen Co-Sponsor. Die Bremer Reederei Beluga Shipping GmbH wird ab dem 01.07. den Sponsorenpool verstärken und mit den Grün-Weißen werben. Werder-Geschäftsführer Manfred Müller: “Wir freuen uns über
diese Verstärkung, insbesondere weil es sich um ein Bremer Unternehmen handelt, das sich klar zu Werder bekennt und eine Branche
besetzt, die bislang bei uns noch nicht vergeben war.”
“Das Besondere an der Partnerschaft ist die direkte werbliche Präsenz an der Mannschaft”, erläutert Werders Marketingleiter Oliver
Rau. “Beluga wird sowohl auf der Aufwärm- wie auch auf der Präsentationskleidung Flagge zeigen. Daneben wird man die überdimensionale Walfluke auf allen TV-relevanten Flächen und im
Stadionbild deutlich wahrnehmen. Promotion- und Incentive-Massnahmen runden das Paket ab.”, so Rau.
Die Fußballbegeisterung von Beluga-Präsident Niels Stolberg und Verbundenheit zur Mannschaft um Werder-Trainer Thomas Schaaf resultiert auch aus den guten Erfahrungen in der abgelaufenen Saison. Stolberg: “Wir haben ein VIP-Kontingent auf der Nordtribüne für den Aufbau und die Pflege von Kundenbeziehungen erfolgreich genutzt und wollen durch das umfangreiche Sponsoringpaket nunmehr diese Beziehungen intensivieren und neue Kunden gewinnen.” Der Wunsch, Werder einerseits auch weiterhin zu begleiten und die sportlichen Aktivitäten und Ziele zu unterstützen, hat Niels Stolberg Anfang 2005 mit Werder Bremen auf einer neuen Ebene an einen Tisch gebracht. Gemeinsam wurde ein Sponsoring-Vertrag ausgearbeitet, der Beluga Shipping zum Auftakt der Saison 2005 / 2006 zum offiziellen Co-Sponsor von Werder Bremen macht.”
Auf ihrer Homepage http://www.beluga-group.com wirbt diese Firma unter anderem mit den Referenzen Alstom und Siemens. Alstom verdient sein Geld unter anderem mit Kernkraftwerken und – höre und staune! – Gasturbinen, Siemens gehört bekanntlich zur Familie. Dass damit die Mafia gemeint war, wissen wir erst jetzt. Zur Flotte von Beluga gehört auch die 1999 gebaute “MS Werder Bremen”. Wenn die “MS Werder Bremen” mithin keine Kraftwerkskomponenten durch die Welt schippern darf, ist beim “SV Werder Bremen” kein Geld für den neuen Vertrag von Klöschen da. Der Kaiser würde sagen: So läuft’s Business.
Unverbesserliche Heuchler können ihren moralischen Sondermüll auch weiterhin gerne auf der Deponie in Gelsenkirchen abladen, allen anderen rufe ich ein herzliches “Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen!” zu.
PS: Schalke ist übrigens Tabellenführer.
Lieber Herr Alef,
wo Schalke doch nun Tabellenführer ist und Nürnberg auch gewonnen hat, könnten Sie doch etwas cooler bleiben und müssten sich nicht so echauffieren.
Ich finde, dass Sie nun allen Gazprom Schalke-Kritikern unterstellen, sie wollten moralisch reine Fußballklubs. Dass das nicht realistisch ist, wissen wir alle. Aber irgendwo ist eben eine Grenze, und die ist bei der Unterstützung durch einen mörderischen Staat. Zwischen Mord und Umweltverschmutzung ist doch noch ein Unterschied.
Warum man Fan von dem einen Klub ist und nicht von einem anderen, ist rational eben kaum zu erklären. Aber wenn man hinterher zu rationalisieren versucht, kommt auch bei klugen Leuten oft Murks heraus. Ich habe Schalke übrigens für einen ganz sympathischen Klub gehalten, bis sie vor einigen Jahren wie schon Dortmund die Großmannssucht gepackt hat. Gazprom ist da nur letzte, wenn auch nicht mehr verwunderliche, I-Tüpfelchen.
P.S. Das großkotzige, alle Debatten beenden wollende “P.S.: Schalke ist übrigens Tabellenführer” hat sowas Bayernhaftes…
Lieber Herr Sonntagsprediger,
Sie sagen es. Leute, die Schalke nicht mögen, rationalisieren ihre Abneigung mit Gazprom. Die politische Situation in Rußland spielt nicht die geringste Rolle dabei. Früher war es Assauers Zigarre, heute ist es Garri Kasparov. Warum sie das jetzt immer häufiger tun? Weil sie Schalke sportlich nicht am Zeug flicken können im Moment. Neun Monate lang haben sie versucht, die sportlichen Schalker Ansprüche als hirnrissig abzutun. Es begann mit “Totaler Dominanz” und ging weiter bis zu dem Tag, als Schalke mit einem brillianten 2:0 in Bremen Tabellenführer wurde. Insofern hat mein Hinweis nichts Bayernhaftes, sondern verweist nur auf einen Zustand, den viele für eine Anomalie halten. Im Moment gibt es sportlich nichts zu deuteln an der Tabellenführung, also muß man etwas finden, um sich selbst zu erklären, weshalb man Schalke nicht mag.
Da zwischen Mord und Umweltverschmutzung ein Unterschied besteht, bin ich auf Ihre politische Bewertung der Vereinigten Arabischen Emirate sehr gespannt. Der HSV hat nicht seit Monaten den Vorwurf an der Backe, für ein semitotalitäres Regime zu werben. Warum das so ist, können Sie mit all Ihrer Coolness sicherlich in zwei Sätzen erklären.
Freundliche Grüße
Rob Alef
Ich hab gar nix gegen Schalke, die sind mir lieber als die Bayern. Dennoch ist das mit Gasprom ein krummes Ding.
Lieber Herr Alef,
dass das “Emirates”-Sponsoring dem HSV nicht auf die Füße fällt, hat etwas mit der geschickten Öffentlichkeitsarbeit der Emirate zu tun: Über Dubai liest man nur im Zusammenhang mit Wolkenkratzern, Louvre-Museen, vorbildlichen Fluglinien, Urlaub. Außerdem gilt hier wieder mal der doppelte Standard des Westens: “They are bastards, but they are our bastards”, weshalb auch offiziellerseits anders als gegen Putins Russland wenig zu hören ist.
Bei amnesty findet sich ein wenig schöner Länderbericht (www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/51a43250d61caccfc1256aa1003d7d38/8cf5d45f138996a0c125722800517f53?OpenDocument). Dennoch ist Russland, was Völkermord und verdeckte Ermordung von Regimegegnern betrifft, sicher noch, mal salopp formuliert, einen Zacken schärfer als die Emirate – was nicht heißen soll, dass der HSV nicht auf die Emirates-Werbung verzichten sollte.
Aber Schalke hat doch, ähnlich wie St. Pauli etc. immer noch ein positives Image in der Linken – zu der Sie als taz-Autor einfach mal mitzähle – als (ehemaliger) Arbeitersportklub und Underdog. Haben Sie denn eine Erklärung dafür, warum es in Schalker Fankreisen nicht eine Initiative gegen das Gazprom-Engagement gegeben hat? Den erstrebten Imagegewinn hätte man Gazprom dadurch jedenfalls schön vermiesen können. Dass es sowas beim HSV nicht gegeben hatt, wundert einen ja nicht.
Sonnigen Sonntag
Der Sonntagsprediger
Sponsoren-Hetze
ich will mal hoffen, daß “Krombacher” nicht verstaatlicht wird, und die Bratwurst auf der “Alm” die beste der 1. Liga bleibt. Obwohl es bei jedem Kreisligakick in Ostwestfalen leckere “Riemen” gibt.
Schönen Restsonntag
tausl
Nur der Vollständigkeit halber, es gibt durchaus kritische Stimmen auch innerhalb der Schalker Fangemeinde zu Gazprom.
Hier ein Interview aus dem Februar mit der Vorsitzenden der Fan-Initiative Schalke.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/0224/sport/0075/index.html
Hallo kurtspaeter. Hab das Interview damals auch gelesen. Wollts auch schon posten. Hab nur riesige Angst vor den Reaktionen von Rob Alef. Die fallen momentan richtig panisch aus. Der hätte Energie Cottbus zu Argumentationszwecken wahrscheinlich gleich mit der Securitate in Verbindung gebracht. Übrigens: nicht auszudenken, wenn S04 die Meisterschaft gegen die Blutsbrüder aus Nürnberg (34.Spt.) und die Erzfeinde vom BVB (35 Spt.) vergeigt.
Grantig, meine Reaktion war eher grantig als panisch. Und es sind immer noch 34 Spieltage, auch wenn diese einfache Korrektur jetzt wieder Anlaß zu wilden und vor allem wirren Beiträgen wie den von horny geben mag. Ich kann im Moment nicht auf alles eingehen, was hier gesagt wird. Vieles ist sehr interessant, muß aber trotzdem auf später vertrösten. Es ist nicht zu bestreiten, dass mir an diesem Punkt die schelmische Leichtigkeit abhanden gekommen ist. Einerseits schade, denn es soll ja der Schalk und nicht das Schalke im Nacken sitzen. Andererseits, wenn einfache Pöbeleien so viel kluge Widerworte hervorrufen, mach ich das jetzt öfters so.
Natürlich sind es 34 Spieltage. Die Saison wird also am 32. und 33. entschieden. Wie wirr von mir! Sie sollten sich auch wieder beruhigen! Bin Nürnberger übrigens. Habe mir allerdings Objektivität bewahrt!
Wenn der Sonntagsprediger schon schreibt:
“Haben Sie denn eine Erklärung dafür, warum es in Schalker Fankreisen nicht eine Initiative gegen das Gazprom-Engagement gegeben hat?”
dann will ich als Schalke-Fan/Blogschreiber/Mitglied/was-auch-immer wenigstens den unwissenden Aufklären.
Wenn man zur Abwechslung mal auf was Erfreuliches verweisen darf, das auch Rob Alef gefallen dürfte: In der Süddeutschen ist heute ein Interview mit Hans Meyer, das sich wieder mal wohlttuend von dem üblichen Trainer-Phrasengedresche abhebt und einen hoffen lässt, der Mann möge dem deutschen Fußball noch lange erhalten bleiben (und Nürnberg den Pokal gewinnen…):
http://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga/special/83/36047/index.html/sport/dfbpokal/artikel/319/110209/article.html
wie wäre es, wir einigen uns so:
sie sind glücklich, weil nürnberg nachher frankfurt putzt und im finale stuttgart besiegt, bremen wird in der nachspielzeit des letzten spieltages meister.
schalke wäre dann 2 mal meister der herzen gewesen, was ja irgendwie zusammengezählt fast mehr als eine echte meisterschaft ist.
ich fänds aber auch ok, wenn schalke es packt, meister zu werden – der fans wegen. von denen haben es einige sicher (nachträglich) verdient, auch mal meister zu sein. besser als bayern.
aber dann ist es auch wieder für 49 jahre gut.
mal sehen, ob schalke es mit den bis zu 100 mio von gazprom schafft, nicht bankrott zu gehen. dieses mal gings ja gerade noch mal so gut.
wenn nicht gibts schöne derbys mit dem bvb in der 2. liga.
Nur als Fußnote zu Rob Alefs Kommentar “April 14th, 2007 at 11:02 pm e”:
Unter 3.) muss es “den grün-weiß-orangefarbenen Heiligenschein” heissen!
Ansonsten finde ich schön, dass sich jemand anderes die Arbeit macht und denke darüber nach, die taz vielleicht doch wieder zu abonieren …
Glück auf!
http://www.dreieckeneinelfer.de
Dieser Blog erhebt nicht unbedingt den Anspruch, objektiv zu sein. Sachkundig schon, aber nicht sachlich. Anders gesagt: Die Organisation, die hinter Energie Cottbus steht, heißt nicht Securitate, sondern Sparkasse. Für den flüchtigen Zuhörer mag das zugegeben ähnlich klingen. Und auf den Verein von Steffen Baumgart laß ich gar nie nicht etwas kommen, soll er von mir aus für Goldner Schuß Bogota spielen.
Ob Schalke wirklich größenwahnsinnig ist, wird sich erst im nächsten Jahr herausstellen. Wenn sie dann auf Einkaufstour gehen und altgediente Spieler auf die Bank setzen, große hohle Namen verpflichten, könnten die Pessimisten recht behalten. Wenn sie ihrer Aufbauarbeit treu bleiben und Lincoln mal durchspielen kann, wird der Fußball noch schöner, reifer. Am Montag stand im kicker: “Slomka kämpft um Boenisch”, einen Zwanzigjährigen aus der eigenen Jugend. Ich denke, in Gelsenkirchen hat man die Lektionen aus vierzig Jahren Größenwahn gelernt. Was aus Gazprom nicht die Heilsarmee macht.
Der korrigierende Hinweis auf die Werdertrikots ist berechtigt. Ich finde die Creation übrigens geglückt und vermisse schmerzlich das rosa Leibchen von Tim Wiese, dem rosaroten Panther (nicht, auch nicht in Franken: Pander). Prinzipiell ist mir der SV Werder sehr angenehm als Spitzenmannschaft, Vorbild und hin und wieder auch als Meister. Sie verkörpern mehr als jede andere Mannschaft die offensive Ästhetik des Spiels, die Leichtigkeit. Portugiesen, die ab und zu auch mal was gewinnen. Wenn man andererseits sieht, dass Schalke im Notendurchschnitt beim kicker ganze 0,08 Punkte schlechter steht als Bremen und selbiges zweimal geschlagen hat, kann man auch nicht von einer unverdienten Meisterschaft reden, wenn es denn tatsächlich so weit kommt. Wer glaubt, ich rede (mir) Schalke schön, lese bitte die Kritik des 0:2 gegen den HSV vom 3. März. Grottenschlechte Spiele werden als solche bezeichnet werden.