Sascha Lobo zur taz

Für den tazkongress-Reader haben wir unsere tazkongress-Referenten um „Handlungsanweisungen“ gebeten – als Essenz ihres Vortrags und Empfehlung an uns alle, wie wir die Welt etwas besser machen können. Wie wir die taz etwas besser machen könnten, das hat mir heute morgen um acht Sascha Lobo als seine Handlungsanweisung geschrieben:

Den groben Umriss beziehe ich hier mal auf die taz als Medium selbst: die taz muss interessanter werden. Die taz muss sich den politisch wichtigen Themen widmen, die eine junge Generation beschäftigt – und die gesamte Gesellschaft im übrigen auch. Die taz muss sich freischwimmen von ein paar Dogmatikern, deren Ton leichte Unerträglichkeiten mit sich bringt, ab und zu. Die taz sollte mehr aus der linksliberaldemokratischen Perspektive erklären und weniger herummeinen. Die taz sollte ihre Journalisten ordentlich bezahlen, damit sie weniger als Zwischenstation gesehen wird. Das Fernziel einer linken FAZ ist nicht leicht aufrecht zu erhalten, aber nicht falsch. Vor allem sollte die taz aber das Netz ernster nehmen als diesen Papierkram, dessen Zukunft in der Informationslandschaft der Zukunft der Schallplatte in der Musiklandschaft entspricht.

Lobo nimmt am Kongress-Sonntag an der Diskussion zur Zukunft der taz teil. Danke für den Auftakt der Diskussion!

Kommentare (9)

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  1. Hut ab, Herr Liebreiz. Treffend kommentiert.

  2. Die taz ist wie sie ist, ist was sie ist, so wie andere Printmedien für ihre Richtung stehen. Sie könnte und dürfte gerne wieder radikaler sein – für mich. Für andere vielleicht nicht.
    Was soll man zum Lobo-Statement wirklich sagen? Ich halte nicht viel von Lobo, bin aber erstaunt wie er es immer wieder schafft, unter der von ihm immer tiefer gelegten Messlatte durchzuschlüpfen – Kopflimbo, sozusagen. In meinen Augen sinnentleertes Gerede. Und was heißt hier, leichte Unerträglichkeiten des Tones? Jaja, dann doch lieber Mainstreamgeschwafel auf dem kleinsten, gemeinsamen Nenner?

    Ich halte es für einen Fehler sich von jemandem beraten zu lassen, der mit tatsächlichen Inhalten so viel zu schaffen hat, wie ein Huhn mit der Vogelwanderung und dessen politische Ehrenhaftigkeit so sicher ist wie ein Basejump mit Kinderrucksack.

  3. „aktuell wäre mir eine kritik, die an die wurzeln geht, sehr lieb“: Na, ist uns nicht irgendwie manches lieb, anderes nicht? An die Wurzeln zu gehen ist ein typisch deutsches Phänomen – hinter diesem Wunsch verbirgt sich die Phantasie, irgendetwas könnte sich wurzelgründlich erklären lassen, irgendetwas ließe sich bis ins Innere der Erde erhellen, irgendetwas läge unter der Erde, ein Masterplan, eine Skizze vom großen Konzept, das bisher unbegriffen blieb von unsereinen. Ich denke: Das ist deutschromantisches Denken, verdient Anerkennung und Respekt und Kritik – nützt aber aktuell gar nix. Wer eine Wirklichkeit wurzelgründlich ändern will, will alles verstehen bis in die allerletzten Kapillargefäße des Großenganzen. Also eine Absage an das Pragmatische, an das Gewurschtele. Ich will niemandem zu nahe treten, aber alle großen politischen Bewegungen des vorigen Jahrhunderts wollten an die Wurzeln von Irgendwas. Die Völkischen, die Blutroten, die Religiösen … einfach alle. Die taz probiert, das finde ich an ihr gut, sich diesen Mut zum Pragmatischen mehr und mehr zu leisten. Mehr davon!

  4. es ist gar nichts falsch daran, „das linke“ weniger fundamentaloppositionell zu begreifen – nur sollten lobo + feddersen damit aufhören platitüden zu verbreiten, sondern das konkret inhaltlich machen.
    ich kann nicht erkennen, wo in der taz in den letzten jahren fundamentaloppositionelle ihr unheil getrieben haben; aktuell wäre mir eine kritik, die an die wurzeln geht, sehr lieb.

    jp

  5. Wer oder was ist Sascha Lobo?

  6. Geht der Ton nicht mal weniger leserbriefaufgeschäumthaft? wäre mal möglich, die idee von sascha lobo zu diskutieren, nicht nur in die tonnen zu treten? was ist an ihm so abscheulich, dass da gleich wieder inquisitoren und geschmackspolizisten auf den platz des unhimmlichen friedens schreiten, um ihn quasi unmöglich zu machen? wo sind die argumente? aus meiner sicht: was ist falsch daran, das linke, das die taz für sich beansprucht, weniger fundamentaloppositionell zu begreifen, sondern um ein linkslibertäres zu erweitern? ich bitte um vorschläge. best, jan

  7. Mein Gott, wer will Sascha Lobo und seine Phrasen eigentlich noch hören? Eben weil er mit Irokesenzitat auf dem Kopf und diesem Pseudo-Gebakel „Online und Twitter ist geil und Ihr seid alle gestrig“ von einem Kommunikationsevent zum nächsten gehypt wird und sich selbst dabei am besten vermarktet, sollte sich gerade die taz dieser Erscheinung verweigern. Es ist mir so was von schnurz was dieser ach so moderne Generator mir glauben machen will, ich setze mich noch immer viel lieber an den Küchentisch und lese Zeitung, egal wie schnell mein Rechner oder wie toll ein Online-Auftritt ist. Deshalb bin ich noch lange nicht uninformiert oder unmodern, sondern nehme mir Zeit für eigene Gedanken. Im übrigen frage ich mich, welche inhaltlich fundierten Vorschläge Herrn Lobo so entweichen? Der obige Aufschlag lässt mich zweifeln. Viel Spaß beim Jubiläum!

  8. Also wirklich, Herr Lobo, ihre Anregungen müssten auch mal wieder interessanter werden – oder zumindest konkreter. „…die taz muss interessanter werden. Die taz muss sich den politisch wichtigen Themen widmen, die eine junge Generation beschäftigt…“ Was soll die taz jetzt mit diesen Ratschlägen anfangen? Das tut sie doch, und auch viel mehr als andere Zeitungen. Das ist ebenso ein allgemeines Blabla, wie die Forderung nach mehr Online statt Papier. Allerdings muss ich zustimmen, dass die Abstimmung von Print-Ausgabe und Webseite bei der taz besser sein könnte. Ist aber wohl auch ne Geldfrage.

    Die Online-Spezis machen es sich ja auch immer recht einfach: „Online ist die Zukunft, Papier ist tot, kapiert das doch endlich!“ Das könnt ihr meinetwegen weiter so behaupten, aber verratet dann bitte auch, wie man den ganzen schönen Internetscheiß finanzieren soll, wenn es keine Printausgabe gibt, für die die Leute bezahlen.
    Ich finde, die taz sollte das Papier nicht zu schnell zu Grabe tragen.

  9. monsieur lobo haben ein paar witzige passagen, „nicht nur herummeinen“ und der hieb gegen die dogmatiker etwa. nur: was um himmels willen sind denn „politisch wichtige themen“? da sind die deinen doch andere als meine. gerade die dogmatiker spriessen wie die pilze dadurch, dass sich jetzt strullelinks wieder mächtig in fühlt. möchte man aber gar nicht haben: SIMPELantworten wie verstaatlicht ALLES. also flachbeck z.b., sorry flassbeck ist unser gott. wir beten dich an. 160 interviews in 3 tagen. ä-tzend so was.
    absolut recht hat er mit dem papiertiger taz. die abstimmung der marke zwischen print, e-taz und no-blog ist ein echtes grauen! cif