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von 18.04.2009

taz Hausblog

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„Jede Stimme zählt.“ Jeder Platz auch. Denn ich muss mich auf den Boden setzen. Kein Wunder, hier geht es auch nicht um die nächsten Wahlen. Deswegen bin ich auch nicht hier. Es geht um freie Meinungsäußerung und wie man sie öffentlich macht. Ich bin als Journalistin eine der Wenigen, für die das möglich ist. Das will Michael Zeltner vom Graffiti Research Lab ändern. Das Graffiti Research Lab entwickelt Techniken, um Stimmen in der Öffentlichkeit mehr Raum zu geben. Einige stellt er gleich mal vor. Das Kongresspublikum ist begeistert von Led Throwies, Night Wirter, Laser Tagin und Power Thief.

Ok, das klingt alles nicht mehr nach der Spraydose aus den 70ern, merkt auch Ethnologe Wolfgang Kaschuba, alteingesessener Experte für Street Art. Doch es wird anschaulich: Ein Bild der LED Throwies. Alles was man dazu braucht: eine Leuchtiode, eine Knopfzelle, einen kleinen Magnet und etwas Klebeband. Dann können sie überall an magnetische Objekte geschmissen werden. Die Weiterentwicklung Night Wirter funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Nur das man dabei nicht eine Leuchtiode verwendet, sondern gleich mehrere. Die montiert man dann so, dass ein leuchtender Schriftzug entsteht. Der kann dann auch an die Wände geschmissen werden. Den Power Thief hat Michael Zeltner gleich mitgebracht. So mag ich das: Innovation zum Anfassen. Ein Glühbirnenverschluss zusammenmontiert mit einer Steckdose.

Das ist in Deutschland illegal. Aber Zeltner sagt: „Mit ist es egal, ob legal oder illegal“. Der Sinn dieser Projekte sei es, immer Neues zu entwickeln „größer, schneller, bunter“. Außerdem sich nicht abschütteln zu lassen und weiter mitreden können. Auch wenn dabei „Feuer mit Feuer“ bekämpft wird. Und das alles umsonst. Denn das Graffiti Research Lab versteht sich als Open Source. Bedeutet: Alle Innovationen werden im Internet zur Verfügung gestellt. Wenn man sie freundlich fragt, sogar das Equipment.

Natürlich nicht vergessen will ich Kaschubkas wissenschaftlichen Abriss über Street Art am Anfang der Veranstaltung. Wer da gut zugehört hat, konnte jede Menge lernen. Auch, dass Street Art vieles kann: „Repräsentieren, Konterkarieren und Performieren“. All diese Dimensionen sind auch Zeltner bei seiner Arbeit wichtig. Doch seine Kreationen hinterlassen hier keine Spuren wie gewöhnliche Tags.

Das ist bei manchen Projekten von Zeltner anders. Er kann sie leider nur heute nicht vorstellen. Ihm ist aber beides wichtig: Projekte, die Spuren hinterlassen. Aber natürlich auch Installationen, weil der Moment so intensiv ist. Wer Lust hat an so etwas mal teilzunehmen, kann heute so gegen 20 Uhr vor die schwangere Auster in Berlin kommen. Dort wird er ein Laser Tagit an die Fassade werfen und Projektionsfläche für Meinung bieten.

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