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von 22.04.2009

taz Hausblog

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Weil wir mit der tazkongress-Nachbereitung (Danksagungen, kleinere Probleme bei der Videoeinbindung, Feiern, Ausschlafen) noch so viel zu tun haben, haben wir leider vergessen, die letzten Blogbeiträge, die noch aufs Freischalten warteten, zu veröffentlichen. Daher mit etwas Verspätung die Zusammenfassung unserer Gastautorin Christine Kolbe (Twitter) zum Panel „Lernen 2.0“ . Danke, Christine!

Das Interesse war selbstverständlich größer als der Raum. Mal wieder an diesem Wochenende. Allein der Blick in die Reformschule Campus Klarenthal in Wiesbaden hätte eine eigene Session verdient. Während der dreiminütige Film-Trailer einen eher hilflosen Versuch darstellt, das abzubilden, was Schule von morgen meinen könnte und sollte, zeichnete die Leiterin Erika Wey-Falkenhagen ein klareres Bild: Selbstorganisiertes Lernen in Reinform, in der Natur, in Werkstätten, in naturwissenschaftlichen Laboren. Eine Ganztagsschule als Lebens- und Erfahrungsraum – zum Forschen und Denken, für Selbstständigkeit und Lebenszuversicht. Der Schüler schafft sich die optimale Lernsituation selbst – die mit Rollen versehenen Schultische sind nur ein Ausdruck der radikal veränderten Verhältnisse: Jeden Morgen entscheidet jeder Schüler über den Ort des Lernens neu, etwa ob Teamarbeit ansteht oder eine konzentriert Randlage für die selbst aufgestellte Todo-Liste geeigneter ist. Der frontale Unterricht verschwindet dabei selbstverständlich nicht nur aus den Raumkonzepten, auch der Lehrerberuf wandelt sich radikal zum reinen Lernberater.

Diesen Ruf nach Veränderung unterstützt auch Ulrich Klotz, Berater bei der IG Metall zum Themenfeld Arbeit 2.0. Schule und Ausbildung müsse sich den Anforderungen der nachindustriellen Arbeitswelt anpassen. Es ginge darum, den künftigen Wissensarbeiter mit Kompetenzen auszustatten, damit er das leiste, was der Computer nicht könne: Informationen in Wissen verwandeln, Individualisierung und Unikate erzeugen.

Dass dieser Weg mit allen Mitteln gegangen werden muss, darüber besteht – zumindest auf einem tazkongress – weitreichender Konsens. Doch auch die Vielfalt der Steine wird in den aufgeladenen Publikumsbeiträge deutlich: die überfällige Schulreform weg vom dreigliedrigen Schulsystem, Umdenken- und lernen einer verbeamteten und behäbigen Lehrerschaft, der Föderalismus, die Freiheitsrechte der Eltern und nicht zuletzt ein grundlegender Wandel der gesellschaftliche Wertschätzung.

Schulen im Aufbruch zu einem neuen Lernverständnis, dazu gehört in digitalkulturellen Zeiten wie im Veranstaltungstitel angekündigt auch der Blick auf die neuen Medientechnologien. Als Tribut an die gute alte Tafel stand hier der Einsatz des interaktiven Whiteboards im Mittelpunkt, über das „Deutschlands IT-Fittester Lehrer“ Olaf Kleinschmidt informierte. Weiter als Aussagen wie „Twitter ist kein Lerntool per se“ (E-Learning-Expertin Mandy Schiefner) reichte die Auseinandersetzung mit konkreten Social-Web-Anwendungen und den Möglichkeiten und Irrwegen des Web 2.0 allerdings leider nicht. Was sicherlich nicht an den eingeladenen Referenten und schon gar nicht an der kenntnisreichen und charmanten Moderation von Christian Füller (auf Twitter) lag. Die fundierte Prüfung von Blogs, Wikis und Twitter als unterstützende Lernumgebungen und zentraler Bestandteil dessen, was Lernen 2.0 bedeuten könnte, setzt eben auch von Teilnehmerseite voraus, sich zumindest einmal über Funktions- und Wirkweisen informiert zu haben. Wikipedia eine tolle Möglichkeit – gibt’s übrigens auch im Internet.

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