von 11.01.2011

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Meena Osthaus aus Leipzig beschwert sich über unsere Auswahl der Leserbriefe in der gedruckten Ausgabe:

In den letzten beiden Tagen habt ihr keinen einzigen LeserINNENbrief – also von einer Frau! – veröffentlicht. Überhaupt kommen Leserinnen ziemlich selten in eurer Leserbriefspalte vor. Interessiert es euch nicht, was Frauen sagen? Gelten bei euch Männer per se als klüger, dass ihr uns überwiegend deren Briefe vorsetzt, selbst wenn es nur Geschwafel ist? Oder ist es noch immer so, dass sich Frauen generell weniger öffentlich äußern? Vielleicht solltet ihr analog zu Frauenstudiengängen an Unis eine reine Frauenleserbriefspalte einrichten, damit sich mehr trauen …

Es antwortet Rosemarie Nünning von der LeserInnenbrief-Redaktion der taz:

Liebe Frau Osthaus,

Sie haben richtig beobachtet. Im Interesse einer Gleichberechtigung würden wir nur zu gerne Briefe von Leserinnen und Lesern an die taz zahlenmäßig ausgewogen veröffentlichen. Zuschriften von Lesern (Männern) dominieren aber den Posteingang. Der Anteil von auf Papier oder elektronisch versandten Briefen, die von Frauen verfasst wurden, liegt bei höchstens zehn bis zwanzig Prozent. Möglicherweise spiegeln sich auch hier nur gesellschaftliche Verhältnisse wider, in denen Frauen immer noch benachteiligt werden. Vielleicht ist es auch Ergebnis besonderer Belastung und geringerer Zeit bei Frauen. Ob wir das durch eine Frauenbriefspalte ändern würden? Jedenfalls begrüßen wir jede Zuschrift – auch von Männern – als Korrektiv, Ergänzung, Anregung oder Einsicht. Um veröffentlicht zu werden, muss sie aber ein paar Kriterien erfüllen: Sie darf nicht rassistisch, nicht diskriminierend, nicht beleidigend sein. Außerdem sollte sie möglichst kurz und prägnant sein. Schreiben Sie und Sie also an briefe@taz.de.

Jetzt interessiert uns natürlich die Meinung unserer Leserinnen und Leser: Welche Ursachen könnte es haben, dass Frauen sich viel seltener als Männer an uns schreiben? Sollte die taz eine reine Frauenleserbriefspalte einrichten, damit sich mehr Frauen trauen, uns zu schreiben?

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http://blogs.taz.de/hausblog/2011/01/11/braucht-die-taz-eine-frauenleserbriefspalte/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Vielleicht wird die taz einfach oefter von Maennern als von Frauen gelesen? Zumindest aus den Abos muesstet ihr die Verteilung ja kennen oder?

  • Schreibt doch drüber: …Beiträge von Frauen, Behinderten und Menschen Migrationshintergrund werden ungeachtet des Inhalts bevorzugt behandelt. Ein sehr journalistisches Abbild der Wirklichkeit.

  • Ich habe noch nie ernsthaft in Erwägung gezogen, einen Leserinnenbrief zu schreiben.
    Was wären denn z.B. Argumente dafür?
    Mir fällt wirklich nichts Vernünftiges ein, wieso ich das tun sollte.

  • Nein, nein, bloß keine Leserinnenbriefspalte.

    Das würde auf mich als Frau einen merkwürdigen Eindruck machen. Es hätte so einen Touch von Bedürftigkeit…
    So nach dem Motto: „Guckt mal hier, extra für euch Frauen, damit ihr auch mal ihr auch mal eine Chance habt.“

    Das Frauen weniger Leserbriefe schreiben, hat meiner Meinung nach stark mit weniger stark ausgeprägtem Geltungsdrang zu tun. Mir persönlich (und vermutlich auch vielen anderen) ist es nicht so wichtig, meine Meinung in der Zeitung abgedruckt zu finden.

    Und wenn ich mich über irgendetwas auslassen möchte, reicht mir ein Blog-Eintrag oder ein Online-Kommentar.

    Eine Idee wäre, Kommentare von Ines Kappert künftig durch die ganz normaler Leserinnen zu ersetzten.
    Einen so unterirdisch schlimmen Beitrag (intellektuell armselig, gepaart mit dem Aufruf zu illegalen Handlungen) wie Frau Kapperts jüngsten, habe ich zuvor noch nie in einer Tageszeitung gelesen:
    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/lest-den-feind/

    So könnte auf innovative Art und Weise ein erheblicher Zuwachs an Niveau zu erreichen sein – und Frauen einen Anreiz bieten, mal was für die taz zu schreiben.

  • Neutralisiert die Leserbriefe doch einfach: also beispielsweise H. Meier schreibt… ist dann entweder Heinz oder Heike.

    Keine Extrawürste, keine Positivdiskriminierung, keine Frauenquote – wenn Frauen das Bedürfnis haben, sich in Form eines Leserbriefes zu äußern, dann werden sie das schon tun – zu feige sind sie nicht. Nur vielleicht denken wir uns einfach manchmal unseren Teil ohne gleich alle Welt daran teilhaben lassen zu wollen ;-)

  • Wichtig ist doch, dass der Leserbrief gut geschrieben ist und sinnvoll etwas zum jeweiligen Thema beizutragen hat – ob das dann von einem Mann oder einer Frau kommt ist doch erstmal nebensächlich.
    Und ich denke gerade die TAZ ist die letzte Zeitung der mann vorwerfen kann „Frauenfeindlich“ zu agieren, von daher: Unnötig. Ihr macht das gut so. :-)

  • Also wenn die HSS-Truppen von „PI-News“ und anderen Faschoplattformen die ganze Breite der Kommentarfunktion auf taz.de für ihr braunes Gesülze bekommen, dann wäre eine Frauendingenskirchenspalte doch nur fair gegenüber 51% der doischen Bevölkerung oder?

  • Hallo liebe Taz-Redaktion,
    ich finde es erstmal löblich, dass ihr euch mit dem Thema auseinander setzt. Schließlich bedeuten LeserInnenbriefe auch für die Redaktion immer die Wertschätzung von Briefen und ihr müsst eine Auswahl treffen. Wenn immer nur Männer ausgewählt werden, dann finde ich es super, dass ihr euch Gedanken macht, warum das so ist.
    Interessant wäre für dieses unausgewogene Verhältnis nochmal herauszufinden, ob ggf. die LeserInnenschaft auch überwiegend männlich ist und nochmal genauer zu analysieren zu welchen Themen Frauen schreiben oder andersrum zu welchen Themen gar nicht. Unter Umständen könnte auch ein Aufruf, so wie in den Stellenanzeigen helfen, dass insbesondere Frauen aufgefordert werden LeserInnenbriefe zu schreiben.

    Den Einwand von Sabine finde ich ganz gut, dass es ja auch schon etwas darüber aussagt, wie Männer und Frauen ihre Zeit verbringen. Während Männer (so wie auch ich) und hier im Blog schreiben und dem Anschein nach auch Zeit in LeserInnenbriefe stecken. Scheinen Frauen das nicht so zu machen. Bei eigenen Blogs liegen junge Frauen aber vorne. Vielleicht schreiben die Frauen lieber selbst in Blogs, Tagebücher, Mails als in Printmedien zu antworten.

    Frauenleserbriefspalte finde ich persönlich auch nicht so gut, aber ich würde empfehlen, vielleicht auch mal die ein oder anderen männlichen Leserbrief wegzulassen, wenn nur Männer dazu geschrieben haben oder aber auzuwerten, wie viele Männer geantwortet haben und es dann dazu schreiben, wie viele Rückmeldungen es gab und welches Geschlechterverhätnis die LeserInnebriefe hatten.

    Macht euch weiter solche Gedanken und lasst euch nicht zu sehr von den Männern, die sauer sind, weil ihre Briefe ständi nicht veröffentlicht werden, zu sehr beeinflussen.

    Liebe Grüße
    S.

  • @Jörn: Weil die Leserbriefe in der taz in der Regel nicht über eine ganze Seite gehen, sondern nur zwei der sechs Spalten einnehmen. Nur an manchen Samstagen gibt es seit einiger Zeit eine ganze Seite.

  • Nein, bitte keine extra Leserinnen-Leserbrief-Spalte oder -Seite! Als Frau sage ich: Das wäre Positiv-Diskrimierung. Und wo liegt der Reiz, zu einem Thema aus Politk oder Gesellschaft die Meinungen von Frauen und Männern getrennt lesen zu müssen? Das könnte man zwar prima für Genderstudies nutzen (wie argumentieren Frauen und Männer?), aber das kann ja wohl niemand ernsthaft in der taz lesen wollen.

    Und warum schreiben Frauen weniger Leserbriefe? Vielleicht kommen viele von uns auch so gut durch den Tag, ohne in allen möglichen Blogs und Kommentarspalten ein Lebenszeichen von uns zu hinterlassen?

  • Hallo? was Einige immer für Ideen kriegen. Es liegt doch
    nicht an der taz, dass so wenige Frauen einen Leserbrief einreicht. Die Redaktion ist m.E. keinesfalls
    frauenfeindlich, weshalb die Frauen bisher auch nicht diskriminiert wurden, da jeder, der eine Idee
    hat, einen guten Leserbrief schreiben kann. Es kommt doch nicht darauf an, welches Geschlecht diese Personen haben. Wenn es einige Tage lang keine Frau ist, dann ist das
    weder relevant noch ein Grund irgendeine Form von Extra-Förderung einzuführen. Man könnte ja auch
    gleich eine Spalte für Politisch-Uninteressierte, eine für Hauptschulabsolventen, usw., weil dies
    auch politisch unterrepräsentierte Gruppen sind.
    Diskriminierung muss natürlich beendet werden, aber doch nicht dadurch, dass die Frauen irgendeine Extra-Spalte erhalten. Als ob es sonst keine Probleme gäbe! Es ist auf jeden Fall so, dass die Frauen die gleichen Rechte haben einen Leserbrief zu schreiben, wenn diese es nicht tun, dann ist das kein Problem der Zeitung, sondern der Individuen, die das Schreiben unterlassen.

  • Eine Leserbrief-Spalte für Frauen? Nach klar! Und noch eine für Schwule, eine für Lesben und eine für Juden. Ich beneide so manche Zeitgenossinninnen um ihre Probleme. Woanders verhungern Menschen, werden durch die Folgen von Raubbau an der Natur, durch vermeidbare Krankheiten und Kriege getötet und hier fordert man Spalten für Frauen. In welcher Welt lebt Ihr?

  • … und die wenigsten Leserbriefe stammen wahrscheinlich von Transgender. Ernsthaft: Wieso irrelevante Faktoren wichtig machen? Unterscheidung entsteht durchs unterscheiden.

  • Ich finde das ganze gendering ist ziemlicher bullshit. Wir sollten endlich Post-Gender werden. Im Sinne endgültiger gleichberechtigung. Sonst kommt am Ende noch jemand auf die Idee Männerkaprkplätze zu fordern.

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